Ölstopp per "Glocke": Versuch gescheitert

9. Mai 2010, 19:05
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Ein Versuch, das Ölbohrloch im Golf von Mexiko abzudecken, scheiterte: Weiterhin strömen täglich 800.000 Liter Rohöl aus

Washington - Im Golf von Mexiko ist am Wochenende ein erster Versuch gescheitert, das offene Ölbohrloch am Meeresgrund mit einer Stahlbetonglocke abzudecken. In der riesigen Konstruktion, die über das Loch gestülpt werden hätte sollen, bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser. Dadurch wurden die Öffnungen verstopft, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte.

Wegen der Verstopfung erhielt die 100 Tonnen schwere Glocke zu starken Auftrieb. Die Einsatzkräfte hätten die Konstruktion daher wieder angehoben und 180 Meter seitlich platziert, teilte der Betriebsvorstand des Mineralölkonzerns BP, Doug Suttles, am Wochenende mit. "Was wir versucht haben, hat nicht funktioniert", sagte Suttles. Es werde nun mindestens bis Montag dauern, bis eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden könne.

Seit die von BP genutzte Bohrplattform "Deep Water Horizon" am 22. April bei einer Explosion zerstört wurde und sank, strömen seitdem ungehindert täglich rund 800.000 Liter Öl aus den Lecks auf dem Meeresgrund. Bei der Explosion waren elf Arbeiter ums Leben gekommen.

Ursachen des Unglücks 80 Kilometer vor der Küste von Louisiana waren offenbar eine Methangasblase und eine Serie von Pannen. Die ökologischen Folgen der Verseuchung des Meeres und in weiterer Folge auch der Strände sind noch nicht abzusehen. Experten sprechen von der größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der Offshore-Ölbohrungen.

Mittlerweile wurden auch an den weißen Sandstränden der vor Alabama gelegenen Dauphin-Insel erste Teerklumpen angespült. Die Substanz stammt wahrscheinlich von der zerstörten Bohrplattform, teilte die Küstenwacht mit. Einsatzkräfte fuhren in Schlauchbooten die Küste entlang, um die Teerklumpen einzusammeln.

Verzweiflungsaktionen

Der verzweifelte Wunsch zu helfen äußert sich mitunter auch in bizarrer Form: Dem Aufruf des gemeinnützigen Netzwerkes "Matter of Trust", Haar- und Fellreste zu spenden, um sie an der US-Küste zum Auffangen des Ölfilmes einzusetzen, folgten mittlerweile zigtausende Menschen.

Rund 370.000 Friseure, 100.000 Haustiersalons und zahlreiche Schäfer hätten tonnenweise Haare und Fellreste geschickt, sagte Lisa Gautier vom "Matter of Trust". Die Haare werden gesammelt und in große, lange Nylonstrümpfe gestopft. Diese werden zusammengebunden und ins Meer und an den Strand gelegt, um den Ölfilm aufzusaugen. Seit Freitag erhielt das Netzwerk täglich 200.000 Kilogramm Haare - und Transvestitenorganisationen spendeten ihre Nylonstrümpfe. (apn, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 10. Mai 2010)

 

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