Finanz-Chaostheorie

9. Mai 2010, 18:17
49 Postings

Ansteckung gilt vielen als Beweis für die Irrationalität der Finanzmärkte

Warum löst eigentlich ein Krisenschmetterling in Griechenland globale Finanzstürme aus? Das Phänomen der Ansteckung ist Ökonomen und Politikern spätestens seit 1997 bekannt, als Währungsturbulenzen in Thailand sich zuerst auf Ostasien und ein Jahr später auf Russland und Brasilien ausgebreitet hatten.

Ansteckung gilt vielen als Beweis für die Irrationalität der Finanzmärkte, denn oberflächlich gesehen haben ferne Länder wenig miteinander zu tun. Aber hinter dem Markt stehen Menschen, die durch Ereignisse an einem Ort für vergleichbare Entwicklungen anderswo sensibilisiert werden.

In der Asienkrise waren es die - lange ignorierten - Leistungsbilanzdefizite, die plötzlich zum Leitmotiv für die Märkte wurden. Heute ist es der Anstieg der Staatsschulden. Niemand kann mit Sicherheit sagen, bis zu welcher Höhe solche Schulden bewältigbar sind. Deshalb lässt die griechische Misere die schon länger bekannten Zahlen in Spanien, den USA oder Japan in einem viel dünkleren Licht erscheinen. Dazu kommt die Angst vor den direkten Folgen eines Crashes in der Eurozone.

In der globalisierten Weltwirtschaft hängt alles mit allem zusammen. Das ist in Krisenzeiten bedrohlich, kann ein andermal aber auch positiv sein: Ohne die Fernwirkung des Booms in den Schwellenländern hätte Europa gar keine Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2010)

Share if you care.