"Wäre wichtig, dass Pokal in Afrika bleibt"

9. Mai 2010, 18:33
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Südafrikas neuer Botschafter in Wien, Xolisa Mabhongo, outet sich als Fußballfan und plädiert für Geduld mit seinem Land

Standard: Herr Botschafter, spielen Sie eigentlich Fußball?

Mabhongo: Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt. Es war ein ziemlich ernsthaftes Unterfangen. Ich engagierte mich im Management des Fußballteams in unserem Dorf. Als ich anfing zu arbeiten, habe ich gespendet - ich war also einer der Sponsoren. In meiner Kindheit haben wir auf Sandplätzen gespielt, die Tore hatten keine Netze. Heute gibt es viel mehr Dörfer, in denen es richtige Tore gibt und markierte Felder.

Standard: Auch in Ihrer Heimat?

Mabhongo: Ich bin in Umtata aufgewachsen, in der Provinz Ostkap. Einer der Plätze, auf denen ich oft gespielt habe, war ein altes Stadion. Es hatte keinen einzigen grünen Fleck. Aber wir haben dort in einer richtig professionellen Liga gespielt. Heute ist es eines der Stadien, die von der WM profitiert haben. Es hat einen Kunstrasen, die Tribüne ist renoviert worden. Ich kann den Nutzen der WM also persönlich bezeugen. Der bezieht sich nicht nur auf die zehn offiziellen Stadien. Diese WM soll eine afrikanische WM sein - nicht nur eine südafrikanische. Es gibt ein Programm für den ganzen Kontinent. Es wurden etwa auch in anderen Ländern Fußballplätze gebaut. Darauf sind wir stolz.

Standard: Ist der Anspruch, dass ganz Afrika von der WM profitieren soll, nicht etwas überambitioniert?

Mabhongo: Fußball ist in Afrika sehr populär. Es spielen fünf afrikanische Staaten mit. Stars aus Afrika, die in Europa spielen, sind bei der WM mit dabei. Wir erwarten viele afrikanische Fans, nicht nur aus den Staaten, die sich qualifiziert haben. Das sogenannte African Legacy Programme wurde bewusst mit anderen Ländern ausgearbeitet. Wir in Südafrika sehen es als unsere Verantwortung, ein Land zu präsentieren, das fähig ist, Gastgeber eines so großen Ereignisses zu sein. Es ist auch eine Gelegenheit für Afrika, sein Potenzial zu präsentieren, sein Erbe, seine Kultur.

Standard: Die WM ist also auch ein Test für Südafrika?

Mabhongo: Sie ist ein Test, weil sie größer ist als andere Sportereignisse. Aber wir haben natürlich Erfahrung. Wir waren Gastgeber des Rugby World Cups, des Cricket World Cups und anderer Veranstaltungen. Es ist aber auch ein Test für den ganzen Kontinent.

Standard: Bei der Rugby-WM 1995, kurz nach der Apartheid, ging es auch um die Bildung einer Nation. Ist das heute anders?

Mabhongo: Die Rassentrennung war in der Apartheid gesetzlich verankert. Es braucht Zeit, bis solche Teilungen überwunden sind. Eine Nation ist nichts, was man in einem Jahrzehnt bildet. Die WM heute zeigt ein Land, das viele Fortschritte gemacht hat. Die Wirtschaft ist gewachsen, die Arbeitslosigkeit gesunken, das Bildungssystem bietet viele Möglichkeiten, die Grundversorgung ist verbessert worden. Aber wir dürfen die Arbeit, die noch vor uns liegt, nicht unterschätzen.

Standard: Die Rugby-WM zeichnete sich auch durch das Engagement von Präsident Mandela aus. Präsident Zuma hat mehr mit Skandalen von sich reden gemacht.

Mabhongo: Das Engagement ist da - wie bei allen Regierungen seit Mandela. Das ist die Hauptagenda für Südafrika: sich auf Entwicklung und die Bildung der Nation zu konzentrieren. Wir haben gar keine andere Wahl.

Standard: Als der weiße Rassist Terreblanche ermordet wurde, ging die Angst vor Rassenunruhen um.

Mabhongo: Das war ein tragischer Vorfall, aber Terreblanche vertrat eine Randgruppe, auch unter der weißen Bevölkerung. Er war ziemlich isoliert. Diese Bewegung wollte 1994 keine Versöhnung der Rassen. Sie kämpften bis zur letzten Minute, um zu verhindern, dass es einen Übergang von der Apartheid zur Demokratie gibt.

Standard: Wie sind die Beziehungen zwischen den Rassen heute?

Mabhongo: Es ist ein Prozess, wir machen Fortschritte. Heute gehen mehr Schwarze auf die Universität, sie haben viel mehr Chancen. Ich bin in einem Haus ohne fließendes Wasser und ohne Strom aufgewachsen. Heute sind Wasser und Strom selbstverständlich. Um Harmonie zwischen den Rassen herzustellen, muss man die schwarze Gemeinde fördern, damit es niemanden gibt, der dann den sozialen Zusammenhalt infrage stellt.

Standard: Kritiker sagen, das Geld für die WM hätte besser für soziale Programme verwendet werden sollen - angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, HIV/Aids, der Armut.

Mabhongo: Das ist sehr vereinfachend. Ja, wir haben noch Armut, Arbeitslosigkeit, Dörfer ohne Grundversorgung. Aber schauen Sie sich die Fortschritte an. Wir dürfen keinen Gegensatz sehen zwischen der WM und dieser Entwicklung. Sie hat Arbeitsplätze geschaffen. Und wir hatten Glück. Während der Finanzkrise hat die WM die schlimmsten Auswirkungen abgefedert. Straßen, Flughäfen - das sind langfristige, nachhaltige Projekte, die Südafrika für Investoren attraktiv machen werden. Insofern ist die WM ein Beitrag, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken.

Standard: Sehen Sie Parallelen zwischen Südafrika und Österreich?

Mabhongo: Als wir unsere Verfassung konzipiert haben, haben wir Erfahrungen der österreichischen Verfassung miteinbezogen. Die Struktur unseres Regierungssystems ist ähnlich, wenn auch der Föderalismus in Österreich stärker ausgeprägt ist. Ich habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass es auch hier stark um die Bildung der Nation geht, darum, Menschen zusammenzubringen. Das ist wichtig für Südafrika. Auch was den Umgang mit dem Denken und den Ideologien an den gesellschaftlichen Rändern, abseits des Mainstreams, betrifft. Wir können voneinander lernen.

Standard: Wie sehen Sie die Chancen Ihres Teams?

Mabhongo: Wir hoffen, dass es sich gut und stark präsentiert. Wir hoffen, dass es durch den Heimvorteil mit den vielen Fans Höchstleistungen bringt.

Standard: Wer wird Weltmeister?

Mabhongo: Es gibt natürlich viele gute Teams - Spanien, Brasilien natürlich, Argentinien hat sehr starke Spieler. Aber für uns wäre es, glaube ich, wichtig, dass der Pokal in Afrika bleibt. (Julia Raabe, DER STANDARD Printausgabe, 10.5.2010)

Zur Person: Xolisa Mabhongo (37) ist der neue Bptschafter Südafrikas in Österreich. Zuvor arbeitete der Diplomat u.a. bei den UNO-Vertretungen seines andes in Genf und New York.

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