EU-Militärmission findet keine somalischen Partner

9. Mai 2010, 16:54
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"Streitkräfte" der vom Westen unterstützten Übergangsregierung "völlig korrupt und ineffizient"

Brüssel/Nairobi - Die Europäische Union stößt bei der Grundausbildung von Soldaten aus Somalia auf Probleme. Anders als ursprünglich geplant sollen nach Angaben von Diplomaten in Brüssel zunächst nur 700 und nicht tausend Sicherheitskräfte und Küstenwächter ausgebildet werden. Dies und der verspätete Start der Mission EUTM seien auf den schwierigen Auswahlprozess der Sicherheitskräfte zurückzuführen. "Man wollte die Clan-Strukturen abbilden", hieß es in Brüssel. Ungeachtet der internationalen Unterstützung für die faktisch nur auf dem Papier bestehende Übergangsregierung des als "gemäßigt" geltenden Islamisten Sheikh Sharif Ahmed sind deren "Streitkräfte" laut Einschätzung der Vereinten Nationen völlig korrupt und ineffizient.

140 Militärausbildner sind unter spanischer Leitung im Einsatz. Wegen der heiklen Sicherheitslage finden die Schulungen in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union (AU) in Uganda statt. EUTM soll den Anti-Piraten-Einsatz "Atalanta" vor der Küste Somalias ergänzen. Am morgigen Montag befassen sich auch die in Brüssel tagenden EU-Außenminister mit der Piraterie am Horn von Afrika. Sie wollen dem Vernehmen nach den Druck auf Kenia erhöhen, somalische Seeräuber weiter vor Gericht zu stellen. Die Regierung in Nairobi will entsprechende Abkommen mit Europa in Kürze aufkündigen. EU-Außenministerin Catherine Ashton hat deswegen bereits eine Reise nach Nairobi angekündigt.

Somalia versank nach dem Sturz von Militärdiktator General Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. In den Gebieten Somaliland und Puntland bestehen separatistische Administrationen. Nach einer schweren Hungerkatastrophe 1992 hatte die UNO eine internationale Luftbrücke eingerichtet. Mit der Landung einer US-geführten multinationalen Truppe begann die Operation "Restore Hope", die desaströs endete. 37.000 Friedenssoldaten sollten die Versorgung der Hungernden sichern. Im Oktober 1993 wurden in Mogadischu 18 US-Soldaten von einer wütenden Menschenmenge umgebracht, die Leichen geschändet und durch die Straßen geschleift. Der damalige US-Präsident Bill Clinton ordnete daraufhin den Abzug der amerikanischen Truppen an. Wegen fehlender Kooperation der Bürgerkriegsmilizen beschloss der Weltsicherheitsrat das Ende der Hilfsaktion.  (APA/apn)

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