Warum die Pensionskassen die Zukunft sind

09. Mai 2010 17:24

Trotz Turbulenzen bleiben die Pensionskassen eine wichtige zweite Säule des Pensionssystems -"Lukrative" Änderungsvorschläge erweisen sich als Danaergeschenk - Der Staat müsste sehr bald Einnahmenverluste hinnehmen.

Eine zweite Säule im Pensionssystem aufzubauen war ein längst überfälliger Schritt. Vergleiche mit anderen europäischen Ländern zeigen, dass Österreich hinterherhinkt, wenn es darum geht, das Pensionssystem mit einer zweiten Säule abzusichern.

Natürlich gab es im vergangenen Jahr eine nicht zufriedenstellende Entwicklung bei den Pensionskassen und daher auch Verunsicherung. Doch zuletzt war eine deutliche Aufwärtsentwicklung spürbar.

Einer von 680.227 Anwartschaftsberechtigten, die in Österreich auf dieses System setzen, bin auch ich. 62.163 Österreicher beziehen neben ihrer ASVG-Pension eine Zusatzpension aus ihrer Pensionskasse. Viele von ihnen waren in Bereichen tätig, wo es überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten gab (ORF, OMV, Bank Austria oder Austria Tabak). Neben ihren ASVG-Höchstpensionen konnten sie so zusätzlich Leistungen aus der Pensionskasse von mehreren tausend Euro - in Einzelfällen mehr als 10.000 Euro - pro Monat aufbauen.

Völlig klar ist, dass die zweite Säule in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. Grund dafür ist die Demografie, denn die Zahl der Pensionisten erhöht sich bis 2050 von 2,1 Millionen um 50 Prozent auf 3,2 Millionen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Erwerbstätigen, die ins System einzahlen im selben Zeitraum nur von 3,5 Millionen auf 3,7 Millionen, das ist nur ein Zehntel der Steigerungsrate der Pensionisten.

Die Folge: Die erste Säule wird im Jahr 2050 nicht mehr das leisten können, was heute möglich ist, die zweite Säule wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Zweiter Blick ernüchtert

Der Vorschlag, den Günter Braun vom Schutzverband der Pensionskassenberechtigten - wer eine Steuervorauszahlung auf sein gesamtes aktuelles Deckungskapital in der Pensionskasse in Höhe seines halben Lohnsteuersatzes zahlt, soll die Steuerfreiheit dieses Pensionsteils auf Lebenszeit erlangen - klingt auf den ersten Blick für das Finanzministerium verlockend.

Das Modell würde zwar sofort Geld in die Kassen des Finanzministeriums spülen, was aber bei näherer Betrachtung ein Danaergeschenk ist. Denn Berechnungen des Finanzministeriums ergeben, dass dieses Modell nach anfänglichen Mehreinnahmen (die angenommenen 500 Millionen Euro sind zu hoch) zu Mindereinnahmen führen würde, die nur mehr die Hälfte der bisherigen Einnahmen aus der Besteuerung der Zusatzpensionen bringen würden. Der Break-even zwischen Einmaleinnahmen und laufenden Steuermindereinnahmen wäre bereits nach weniger als fünf Jahren erreicht. Zudem wäre das Modell sozial ungerecht, es würde viel stärker jene mit hohen Zusatzpensionen begünstigen als jene mit kleineren Zusatzpensionen.

Der Vorschlag geht von der falschen Annahme aus, dass die Pensionen besteuert werden, weil die Gewinne in den Pensionskassen kapitalertragsteuerpflichtig wären. Dies ist nicht richtig. Die Pensionen müssen deshalb mit dem Tarif besteuert werden, weil die Arbeitgeber die Beitragszahlungen von der Steuer absetzen können und diese Zahlungen bei den Arbeitnehmern keinen lohnwerten Vorteil darstellen. Die Besteuerung dieses lohnwerten Vorteiles wird von der aktiven Phase auf die Pensionszeit verschoben, der Arbeitnehmer profitiert dadurch nicht nur vom Zinseszinseffekt, sondern auch von einer niedrigeren Progression im Pensionszeitpunkt. Die Kapitalerträge, die in der Pensionskasse erwirtschaftet werden, sind außerdem steuerfrei.

Wie sozial ungerecht dieses System ist, zeigt das Beispiel: Ein Pensionist mit ASVG-Höchstpension und 1000 Euro Zusatzpension würde sich mit dem Pauschalbesteuerungsmodell in Summe auf 15 Jahre gerechnet zwischen 50.000 und 60.000 Euro ersparen. Mit 2000 Euro Zusatzpension kommt er sogar auf 100.000 bis 120.000 Euro Ersparnis. Bezieher hoher Zusatzpensionen wären hier also noch einmal bevorzugt, der Staat wäre der große Verlierer.

Dass das momentane System der Pensionskassen verbesserungsfähig ist, hat auch dazu geführt, dass gemeinsam mit den Sozialpartnern an einer Neugestaltung gearbeitet wird. So gab es bereits im Sommer 2009 einen Grundkonsens aufgrund von Empfehlungen der Sozialpartner. Es geht um verbesserte Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Veranlagungsmodellen sowie um Erleichterungen beim Wechsel zwischen der Pensionskasse und der betrieblichen Kollektivversicherung. Weiters soll es in Zukunft mehr Transparenz, also eine verbesserte Information an Anwartschafts- und Leistungsberechtigte bzw. an Arbeitnehmervertreter, geben. (Reinhold Lopatka, DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2010)

 

 

Zur Person:

Reinhold Lopatka (ÖVP) ist Staatssekretär im Finanzministerium.

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    Rezitator
    18.05.2010 18:54
    IIte Säule in Österr. eine Mißgeburt

    diesem System sind Anspruchs- und Anwartschaftsberechtigten ausgeliefert (entmündigt) Haben auch keinen Zugriff auf Ihr Geld, wenn dies der einzelne als notwendig erachtet; s. Performance seit 1999.
    Erinnere an die nach Einführung des PK-Gesetzes nach kurzer Zeit ominöse, weil dringend notwendige Novellierung des Pensionskassengesetzes 2002 in der Ära Schüssel (zugesicherte Mindesverzinsung hätte die Pleite der PKassen bedeutet!). Es ist bei diesem Modell auch nie um die Absicherung der AN gegangen-zitiere Herr Leitl "nur 40%-Aktien im Portefeuille der PK sind zu wenig weil die Wirtschaft das Geld bernötigt".
    PK spekulierten heftig via Hedgefonds und am Aktienmarkt, nachdem Ihnen die Verwaltungskosten erfolgsunabhängig zustehen...

    krokokater
     
    18.05.2010 09:53
    Vieles ist ungewiß, vor allem die Zukunft der PK!

    Die Depotbank der Victoria-Volksbanken PK - die Volksbanken AG (ÖVAG) wurde notverstaatlicht und mit über 1 Milliarde gestützt.
    Das Jahresergebnis ergab Minus 900 Mio

    Ein beunruhigter Kollege bekam auf die Frage, was im Konkursfall der Depotbank (dem Eigentümer der VV PK) mit den Geldern der PK passiert, folgende beruhigende Antwort:

    Zu Ihrer Frage, was passiert im Konkursfall der Depotbank, nehmen wir wie folgt Stellung:

    Cash: Dem Einleger steht eine Konkursforderung zu. (Anm.**).

    Wertpapiere: Durch die Eröffnung des Konkurses werden der Depotvertrag und die dinglichen Rechte der Hinterleger (etwa der Pensionskasse) nicht berührt. Der Hinterleger hat ein Aussonderungsrecht da seine Wertpapiere nicht in die Konkursmasse fallen.

    krokokater
     
    18.05.2010 10:28
    **) Anmerkung:

    (Anm.**) der p.t. "Einleger" darf sich hinter der Milliarde Notkredit, hinter den Zinsen dafür, hinter dem aktuellen Abgang und hinter dem bis zum Offenbarungseid erwirtschafteten "Ergebnis" anstellen. Viel Glück!


    more more
    11.05.2010 07:52

    Das Umlagesytem ist eigentlich gut, aber es gibt ein Problem, nämlich die Eingriffsmöglichkeit der Politik.
    mathematische Logik: Je mehr Pensionisten, desto geringer die Pension.
    politische Logik: Je mehr Pensionisten, desto höher die Pension, da sie Wähler sind.
    Darum: Höhe der Pensionen mit Einnahmen der Pensionsbeiträge deckeln, dann ist das Umlagesystem für ewig finanzierbar, und die Politiker können nicht mehr auf Kosten der Zukunft Pensionistenstimmen kaufen.

    tablespace65
    10.05.2010 23:09
    Was soll ein ÖVP-Politiker auch schon anderes daherphilosphieren?

    Es ist schon ein starkes Stück, dass man einem Finanzstaatssekretär der ÖVP, die uns dieses "tolle System der Pensionskassen" ja eingebrockt hat, die Gelegenheit und so viel Raum bietet, über die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der "zweiten Säule der Pensionen" daherzuschwafeln!

    Es wundert mich ja nur, dass R. LOPATKA überhaupt den "Mut" aufbringt, sich selbst als jemand zu outen, "der auch auf dieses System setzt"! Abgesehen davon, dass er auf diese Zusatzpension sicherlich nicht angewiesen sein wird, sind seine Überlegungen bzw. Aussagen nichts anderes als parteipolitisch schöngefärbtes Politigewäsch.

    Was interessieren einen "Durchschnittsmenschen" die G'schichterln von den ASVG-Höchstpensionisten...?

    Karin Stadler2
    11.05.2010 12:59
    Und erst die Geschichterln von den Beamten Hoechstpensionen?


    das ist alles sehr kompliziert!
     
    10.05.2010 18:04
    Morgen in der Reihe:"Onkel Lopatka erklärt uns die Welt":


    Warum viereckige Räder die Zukunft sind.

    Obwohl sie manchesmal in letzter Zeit etwas unrund gelaufen sind, stellen viereckige Räder einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit dar.

    Viereckige Räder im KFZ-Markt zu etablieren, war ein längst überfälliger Schritt. Vergleiche mit anderen europäischen Ländern zeigen, dass Österreich hinterherhinkt, wenn es darum geht, die Verkehrssicherheit durch die Einführung viereckiger Räder zu verbessern.

    [Der Rest ist eine lange Abhandlung, warum der Vorschlag, statt der bewährten viereckigen Stahlfelgen neue viereckige Alufelgen einzuführen, letztlich abzulehnen ist]

    Joho! Viereckige Räder zu verkaufen! Wen habe ich überzeugen können?

    das ist alles sehr kompliziert!
     
    10.05.2010 17:56
    Sind hier im Artikel noch irgendwo geheime Argumente versteckt, die die Überschrift stützen?

    Herr Lopatka bahauptet mal einfach etwas in der Überschrift: "Warum die Pensionskassen die Zukunft sind", das "Warum" deutet sogar an, dass noch eine Begründung kommt. Dann wiederholt er im Sub-Titel:"Trotz Turbulenzen bleiben die Pensionskassen eine wichtige zweite Säule des Pensionssystems", und ein drittes Mal gleich drauf:"Eine zweite Säule im Pensionssystem aufzubauen war ein längst überfälliger Schritt".

    Nur Stehsätze ohne Begründung.

    Den Rest des Artikels erörtert er lang und breit, warum irgendein Detailvorschlag nicht gut ist. Und dann ist der Atikel aus.

    Öööööööööh!?! Gibt's nicht mal mehr plausible Scheinargumente für die Pensionskassen, dass schon so ein minderbegabtes Nullgeschwafel herhalten muss? Lopatka Modul III?

    Johann Viktor Blaha
     
    10.05.2010 17:46
    Zukünftige Steuereinhahmen

    Hat sich unser aller Hr Lopatka auch ausrechnen lassen wieviel an Steuereinnahmen in Zukunft entgehen, wenn das zweite Standbein immer kürzer wird? Wenn 30 - 50 % Pension verloren gehen? Wenn die Zusatzpension "aufgefressen" ist und wir mit der ASVG-Pension in Höhen abgleiten wo der Staat zuschiessen wird müssen?

    charming girl
    10.05.2010 22:38

    wieso sollte der Staat denjenigen, die Pensionskassenpensionen haben, die Verluste abgelten und Steuermillionen schenken, die ohnedies meist gute bis sehr gute Pensionen haben - und das sollen die ASVGler bezahlen, die keine solche Pension ihr eigen nennen?

    Irrer Wahnsinn
    10.05.2010 17:25
    Steigen Sie um,

    ins neue ASVG und wählen Sie eine Pensionskasse die nur griechische Anleihen zeichnet - falls alles untergeht gibt's halt noch die Mindestsicherung. Was für ein Zynismus!

    Dr.Dr. so viel Zeit muß sein...
    10.05.2010 16:51
    Viele von ihnen waren in Bereichen tätig, wo es überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten gab (ORF, OMV, Bank Austria oder Austria Tabak). Neben ihren ASVG-Höchstpensionen konnten sie so zusätzlich Leistungen aus der Pensionskasse von mehreren...

    ...tausend Euro - in Einzelfällen mehr als 10.000 Euro - pro Monat aufbauen...

    das sind allerdings auch morgen nur Pensionisten von derartigen Unternehmen...

    der durchschnittliche Bürger bekommt wohl nur ein paar Hunderter monatlich dazu (wenn überhaupt)

    Childerich von Bartenbruch
    10.05.2010 18:18
    schon alleine die beispiele, ...

    ... die lopatka einfallen, zeigen, dass selbst funktionäre und spitzenpolitiker der övp die alte lüge von der övp als partei der KMUs nicht mehr glauben.

    wie abgehoben muss dieser widerling leben, um aus seiner situation heraus auf die allgemeinheit zu schließen? eine politische bankrotterklärung!

    charming girl
    10.05.2010 22:42

    Faktum ist aber, daß diese Pensionskassenpensionisten nicht zu den ärmsten gehören, sondern einerseits in den meisten Fällen mittlere bis gute ASVG Pensionen haben und zweitens auch Pensionskassenpensionen im Schnitt von 1000 bis 1.500 zusätzlich haben.

    Wieso sollte die Allgemeinheit hier Hunderte Millionen zuschießen, weil damals dsa Triumvirat Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Betriebsrat die Dollarzeichen in den Augen hatten und geglaubt haben, am Kapitalmarkt ließe sich die goldene Pension verdienen?

    Gerhard Grabner
    10.05.2010 16:21
    Bi ja für fremde Kommentare offen...

    ..aber muss es Lopatka sein?

    Plinius
    10.05.2010 16:08
    der Artikel ...

    ...beweist leider nur die absolute Ahnungslosigkeit Lopatkas in Pensionsfragen, aber den ungebrochenen Willen zukünftige und schon in Pension befindliche Pensionsbezieher schamlos auszuplündern...

    niewieder nett
     
    10.05.2010 15:57

    was besseres hat der mann offensichtlich nicht zu tun.

    wieviel bekommen sie für so einen text gezahlt herr lopatka?

    Karin Stadler2
    10.05.2010 17:36
    Wuerde ich auch gerne wissen.

    der.Geheimrat
    10.05.2010 16:22
    Bekommt Prozente

    von der Raiffeisen Versicherung für jede abgeschlossene Privatpensionsversicherung :-)

    Manche lernen es nie. Vor kurzem den Karren an die Wandgefahren, mit Steuergeldern wieder flott gemacht und die privatisierer sind schon wieder unterwegs. >Unfassbar

    kleopatra2
    10.05.2010 15:47
    Eine Werbeeinschaltung auf AWD-Niveau!

    Mehr kann man dazu nicht sagen...

    sterngucker
     
    10.05.2010 15:47
    Demnächst an dieser Stelle:

    Bernard Madoff: Warum Pyramidenspiele besser sind als ihr Ruf

    Karin Stadler2
    10.05.2010 18:55
    Koestlichst...

    Bitte lassen Sie mich wissen, wenn Sie wieder posten!

    sterngucker
     
    11.05.2010 09:59
    Das ist sehr freundlich von Ihnen, Gnädigste

    Aber wie sollte ich das anstellen?

    das ist alles sehr kompliziert!
     
    10.05.2010 18:32
    LOL! Dafür ein dickes Grünes


    Wobei das ja auch irgendwie eine Ironie ist:

    Da wurde unser staatliches Umlagesystem (das in Zukunft zugegebenermaßen nicht ganz einfach finanzierbar sein wird, aber doch absehbar) jahrelang von allen Anlageberatern als Pyramidenspiel verunglimpft, um uns zu bewegen, unsere Pensionsvorsorge in einem .. nunja .. also .. irgendwie .. Pyramidenspiel anzulegen.

    17+4
    10.05.2010 15:37
    Lopatka glaub ich nix,

    will das aber nicht weiter kommentieren.
    Im Grunde erklärt es sich ohnehin von selbst.

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