GNOME 3.0 schickt seine ersten Vorboten aus

9. Mai 2010, 17:05
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Erste Testpakete und Vorbereitungen für GTK+ 3.0 - Zahlreiche neue Komponenten zur Aufnahme vorgeschlagen

Erst Ende März hatte das GNOME-Projekt eine neue Major-Release der eigenen Softwaresammlung vorgestellt, mit GNOME 2.30 lieferte man noch einmal die gewohnte Mischung aus kleineren und größeren inkrementellen Updates für den Desktop ab. Für den Herbst hat nun aber ein noch wesentlich ambitionierteres Projekt im Visier: Mit GNOME 3.0 soll die Softwaresammlung grundlegend umgestaltet werden, die ersten Vorboten dieser Anstrengungen trudeln nach und nach auf den Servern des Projekts ein.

Updates

Eigentlich hätte mit GNOME 2.31.1 vor wenigen Tagen schon die erste Testversion für GNOME 3.0 veröffentlicht werden sollen, eine offizielle Ankündigung sucht man bislang allerdings vergeblich. Die ersten aktualisierten Pakete gibt es aber natürlich trotzdem schon: So hat etwa der File-Manager Nautilus endlich einen neuen "Datei ersetzen"-Dialog spendiert bekommen, der wesentlich mehr Informationen über Ausgangs- und Zieldatei bietet.

Hilfe

Das Hilfesystem des Desktops wurde vollständig neu gestaltet, dazu passend soll im Verlauf der nächsten Monate praktisch die ganze Dokumentation neu gestaltet werden. Der GNOME Terminal erlaubt nun die Suche im Buffer und das Anpassen der Default-Größe des Desktops.

GTK+ 3.0

Die wirklich großen Neuerungen finden aber ohnehin an anderen Stellen statt, vor allem im Bereich Basistechnologie und bei neuen zur Aufnahme vorgeschlagenen Komponenten. So bereitet man derzeit die Veröffentlichung einer ersten Testversion der Version 3.0 des vom GNOME genutzten Toolkits GTK+ vor. Diese wird vor allem mit veralteten Technologien aufräumen, und entsprechend nicht mehr als aktuell angesehenen APIs in Pension schicken. Darüber hinaus soll es aber auch einiges an neuen Funktionen geben, so sind derzeit etwa gleich zwei unterschiedliche, frische Theming-APIs in Diskussion.

Eventualitäten

Zur Aufnahme vorbereitet sind außerdem Patches für Multitouch-Support sowie für erweiterte Layout-Möglichkeiten. Die Client-Side-Window-Decorations würden das Zeichnen der Fensterrahmen direkt an das Toolkit weiterreichen und hier eine bessere Integration zwischen diesen Komponenten ermöglichen. Auch ein zentrales Undo/Redo und ein Konzept zur Auflösungsunabhängigkeit sind derzeit in Diskussion. Was von all dem schlussendlich wirklich in GTK+ 3.0 landet, ist derzeit aber noch nicht endgültig entschieden. 

GTK 2.22

Parallel dazu wird übrigens noch ein letzte Version der 2.x-Reihe des Toolkits veröffentlicht, GTK+ 2.22 wird allerdings ohne die erwähnten neuen Funktionen auskommen müssen, gegenüber der aktuellen stabilen Version werden nur mehr jene Änderungen aufgenommen, die den Umstieg auf GTK+ 3.0 erleichtern sollen. Da nicht davon auszugehen ist, dass sämtliche GTK+-Applikationen zeitgerecht an die neue Generation des Toolkits angepasst werden, sollen sich GTK+2 und GTK+3 nebeneinander installieren lassen.

Neue Bestandteile

Wie zu erwarten sind für GNOME 3.0 besonders viele neue Komponenten zur Aufnahme in den Desktop vorgeschlagen, darunter natürlich die bereits vielfach erwähnte GNOME Shell, die den Kernbestandteil der neuen User Experience in GNOME3 bilden soll. Das GNOME Activity Journal soll wiederum über die eigenen Computeraktivitäten anhand einer Zeitlinie informieren, und so - auf Basis des Zeitgeist-Frameworks - das Aufspüren von relevanten Informationen und Dokumenten erleichtern.

Vermischtes

Ebenfalls vorgeschlagen wurde das Backup-Tool Deja-Dup, die Scanner-Software Simple-Scan sowie mit PDFMod ein Tool zur nachträglichen Bearbeitung von PDF-Dokumenten. Selbst wenn es für diese das "Ok" gibt, ist derzeit noch unklar in welcher Form sie Teil der GNOME-Release werden, denkt man doch aktuell über eine Neuorganisierung des Softwarezusammenstellung nach. So könnte etwas das Desktop-Set wirklich auf die Kernanwendungen - GNOME-Shell, Nautilus, Control Center und Co. - reduziert werden, während man gleichzeitig ein neues Applications-Set hinzufügt, das empfohlene Anwendungen enthalten soll.

Marketing

Parallel zu den Entwicklungen am Code des Desktops wird die Veröffentlichung von GNOME 3.0 derzeit auch an anderer Stelle vorbereitet: In der vergangenen Woche fand im spanische Saragossa ein "Marketing-Hackfest" statt, in dem die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Release geplant wurde. So soll es etwa eine eigene GNOME3-Webseite geben, in der die Vorzüge der neuen Desktopgeneration ausführlich herausgestrichen werden sollen, dazu plant man auch eine Reihe von eigenen Videos zu produzieren. (apo, derStandard.at, 09.05.10)

  • Lange hat es gedauert, aber nun hat auch der GNOME-File-Manager Nautilus einen erweiterten "Datei ersetzen"-Dialog
    screenshot: andreas proschofsky

    Lange hat es gedauert, aber nun hat auch der GNOME-File-Manager Nautilus einen erweiterten "Datei ersetzen"-Dialog

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