Appell an die Jugend bei Mauthausen-Gedenken

9. Mai 2010, 14:25
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Gegen Wiederaufkeimen von Ausgrenzung, Rassismus, Intoleranz und Rechtsextremismus auftreten - mehr als 10.000 Teilnehmer

Linz - Bei der großen Gedenkfeier aus Anlass der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen vor 65 Jahren haben die Redner am Sonntag einen Appell an die Jugend Europas gerichtet. Sie forderten sie auf, gegen das Wiederaufkommen von Ausgrenzung, Rassismus, Intoleranz und Rechtsextremismus aufzutreten. Zu der Feier sind nach offiziellen Schätzungen mehr als 10.000 Teilnehmer gekommen - mehr als in den vergangenen Jahren. In Mauthausen und seinen 49 Nebenlagern haben die Nationalsozialisten rund 200.000 Menschen inhaftiert, etwa die Hälfte von ihnen überlebten diese Vernichtungsmaschinerie nicht.

Die Veranstaltung stand heuer im Zeichen der damals inhaftierten Kinder und Jugendlichen. Schätzungen zufolge waren es mehr als 20.000. Statt Reden von Politikern oder Künstlern hat es heuer während des Einmarsches der Teilnehmer kurze Statements von Überlebenden, deren Angehörigen sowie einer Jugendlichen aus Belgien, Italien, Serbien und der Ukraine gegeben. Allen Ansprachen gemeinsam war der Appell an die nunmehrige junge Generation, wachsam zu sein und unter anderem gegen den Hass, die Verdrängungskultur und das Vergessen sowie gegen rassistische, faschistische und nationalsozialistische Ideologien aufzutreten und die Wiederkehr der Tragödie des Zweiten Weltkrieges zu verhindern.

Gedenkband von Bundesjugendvertretung

Vertreter des Bundesjugendvertretung trugen bei der Feier ein im Rahmen einer Jugendbegegnung "Zeichen setzen. Jugendliche gegen das Vergessen" am Vortag gestaltetes 50 Meter langes Gedenkband. Sie verwiesen darauf, dass Kindern und Jugendlichen im KZ und im Nationalsozialismus eines gemeinsam gewesen sei: Sie hätten keine Kindheit und keine Jugend gehabt. Sie seien vernichtet worden, weil sie nicht den Zwecken der Nazis entsprachen. Sie seien für die medizinische Forschung genutzt worden, weiters instrumentalisiert worden - etwa in der Hitlerjugend. Sie seien aber auch im Widerstand vertreten gewesen.

Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) Willi Mernyi stellte zudem eine Resolution zur "Bekämpfung des Rechtsradikalismus in Europa" an die Europäische Union vor. Er überreichte sie an die spanische Vizepräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega, die als Repräsentantin des EU-Ratsvorsitzlandes gekommen war. Sie hatte zuvor an einer Gedenkfeier am nationalen Denkmal Spaniens in Mauthausen teilgenommen und dort eine Rede gehalten sowie einen Kranz niedergelegt. Zu den weiteren Ehrengästen der Feier zählten Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Bundeskanzler Werner Faymann, Verteidigungsminister Norbert Darabos, Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Gesundheitsminister Alois Stöger und Staassekretär Andreas Stieger (alle SPÖ), Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) und zahlreiche diplomatische Vertreter. (APA)

 

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