Apples iPad könnte Behinderten das Leben erleichtern

9. Mai 2010, 12:30
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Fachleute sehen großes Potenzial für Spezial-Anwendungen

Als die Tüftler des US-Technikkonzerns Apple den neuen Mini-Computer iPad entwarfen, hatten sie vor allem die Unterhaltung der Kundschaft im Sinn. Fachleute in den USA interessieren sich inzwischen aus einem anderen Grund für den tragbaren Flachrechner: Sie sehen ein großes Potenzial, das iPad als kostengünstige Kommunikations- und Orientierungshilfe für Behinderte weiterzuentwickeln.

Kommunikation

Professor Gregg Vanderheiden von der University of Wisconsin in Madison erforscht seit Jahren technische Kommunikationshilfen für Menschen, die nicht mehr sprechen können. "Anstatt eine 5.000 Dollar teure Sprechhilfe zu kaufen, kann man nun sein iPad nehmen, eine entsprechende Anwendung herunterladen und - zack! - kann man kommunizieren", sagt Vanderheiden. Der Fachmann erwartet, dass im Laufe der Zeit viele nützliche Anwendungen - sogenannte Apps - für die iPad-Nutzung von Behinderten entwickelt werden.

Der US-Hersteller AssistiveWare beispielsweise hat seine Anwendung "Proloquo2Go" bereits für das iPad weiterentwickelt und bietet es für 189,99 Dollar (149,06 Euro) zum Kauf an. Nutzer mit Sprechproblemen können Worte eintippen, die das iPad dann mit menschlicher Stimme vorliest. Für Nutzer mit Schwierigkeiten bei der Worterkennung bietet es eine ganze Palette bunter Symbole, die für bestimmte Wörter oder ganze Sätze stehen und per Fingerdruck zu bedienen sind.

Artikulation

Viele Sprachbehinderte tun sich mit grafischen Symbolen leichter als mit der Suche nach dem richtigen Wort, sagt Karen Sheehan von der Alliance for Technology Access, eine Gruppe in Kalifornien, die den Zugang von Behinderten zu hilfreicher Technologie erleichtern will. "Auf dem iPad ist es einfacher: Mit einem Fingerdruck kann man sagen 'Ich habe Durst' oder 'Ich will einen Film sehen'."

Die Bedienung des Touchscreens erfordert freilich eine gewisse Fingerfertigkeit, für manche Funktionen müssen zwei Finger koordiniert über den Bildschirm streichen. Einige Experten zweifeln daran, ob die erforderliche Feinmotorik nicht eine zu hohe Hürde darstellt. (APA)

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