Wegen politischen Unruhen nach Präsidentenwahl 2007
Nairobi - Bis Ende des Jahres soll beim Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag Anklage wegen der politischen
Gewalt in Kenia nach den vergangenen Präsidentenwahlen erhoben
werden. Das kündigte Chefankläger Luis Moreno Ocampo am Samstag in
Nairobi an. Er rechne mit mindestens sechs Monaten Ermittlungsarbeit
in einem Verfahren gegen zwei oder drei der Hauptverantwortlichen.
Ocampo räumte ein, dass die Möglichkeiten des Gerichts in Den
Haag
zur Aufarbeitung der massiven Gewalt begrenzt seien. "Wir können
nicht Tausende anklagen. Junge Männer haben getötet und
vergewaltigt", sagte er. "Aber wer hat die Befehle gegeben und das
Geld gezahlt?"
Mit seinem Ermittlerteam will sich Ocampo in den nächsten Tagen
mit Opfern der blutigen Gewalt nach den Wahlen Ende 2007 treffen. Bei
den Auseinandersetzungen zwischen den ethnischen Gruppen von
Präsident Mwai Kibaki und des damaligen Oppositionsführers Raila
Odinga waren rund 1.500 Menschen getötet worden und rund 350.000
geflohen. Eine unabhängige Untersuchungskommission kam später zu dem
Ergebnis, dass die Gewaltexzesse keineswegs spontan waren, sondern
von Politikern und Geschäftsleuten geschürt und geplant worden waren. (APA/dpa)