Schmied entschuldigte sich für Vorfall im Vorjahr

8. Mai 2010, 13:11
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Ministerin betonte Notwendigkeit von Zivilcourage - Bürgermeister Loidl an Justiz: "Unerträgliche Verschleppungstaktik" beenden

Linz - Kulturministerin Claudia Schmied hat sich bei der 65. internationalen Gedenkfeier am Samstag in der KZ-Gedenkstätte Ebensee vor laut Polizeiangaben rund 2.500 Teilnehmern für die Ereignisse des Vorjahres entschuldigt. Bei der Veranstaltung 2009 war es zu einer Störaktion durch mutmaßliche jugendliche Neonazis gekommen. Man bemühe sich intensiv um pädagogische und faktische Maßnahmen, um solche Übergriffe für die Zukunft auszuschließen und die Jugend über die Geschehnisse des Nationalsozialismus noch besser aufzuklären, betonte Schmied.

"Alle Erinnerung ist Gegenwart", zitierte die Ministerin in ihrem Referat den deutschen Lyriker Novalis. "Wir dürfen das Grauen unserer Zeit nicht vergessen." Es müsse Anlass zu konkreter Aufarbeitung, zu einem kollektiven Lernprozess sein. Ein wesentliches Element alleine könne die Gesellschaft vor dem Weg in das Unrecht bewahren, erklärte Schmied: die Zivilcourage. "Es ist der konstruktive, auf die Menschenrechte ausgerichtete Widerstand." Das "Nie wieder" dürfe nicht nur als Losung formuliert, sondern müsse mit Aufklärung, Worten und den richtigen Taten für eine gute Zukunft abgesichert werden.

"Irregeleitete Jugendliche"

Auch der Ebenseer Bürgermeister Herwart Loidl entschuldigte sich für die "verurteilenswerten Vorkommnisse" durch "irregeleitete Jugendliche". Er forderte die österreichische Justiz auf, endlich Klarheit zu schaffen und mit der "unerträglichen Verschleppungstaktik" aufzuhören. Im vergangenen Jahr war es zu einem Zwischenfall gekommen, der international für Aufsehen sorgte. Jugendliche beschossen in den Stollenanlagen Teilnehmer der Gedenkfeier mit Softguns, hoben die rechte Hand und riefen "Heil Hitler!" Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen.

Bei der diesjährigen Veranstaltung gab es laut Polizei keine Vorkommnisse. "Es ist absolut ruhig", berichtete ein Beamter im Gespräch mit der APA. Man habe entsprechende Vorkehrungen getroffen. So seien in den vergangenen Tagen die Stollen durchsucht und am Samstag das Areal bestreift worden. (APA)

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    Bei der Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Ebensee anlässlich der 65-jährigen Wiederkehr der Befreiung der Häftlinge entschuldigte sich Kulturministerin Claudia Schmied für die Störaktionen mutmaßlicher Neonazis im Vorjahr.

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