Auf der Suche nach der richtigen Strategie

8. Mai 2010, 12:17
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Es gibt unterschiedliche Wege ein Album zu füllen - eine Typologie

Fast zwei Wochen sind seit dem Start vergangen. Und mittlerweile haben die ersten eifrigen Sammler ihr Panini-Album bereits voll. Wo bleibt denn hier der Spaß, frage ich, wenn das Album schon vier Wochen vor dem WM voll ist? Wo bleibt denn der Spaß, wenn man während der WM noch immer mühsam seinen fehlenden Pickerl-Kickern nachrennen muss, fragen jene zurück, die ihr Album bereits fertig haben.

Ich habe mich also auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach der richtigen Panini-Strategie. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es gibt sie nicht. Wie und wann man sein Album vollbekommt ist so individuell wie etwa das Tankverhalten der Autofahrer. Manche tanken immer voll, andere wiederrum tanken nur um zehn Euro, um Geld zu sparen.

  • Der Perfektionist

Der Perfektionist unter den Panini-Sammlern ist am ersten Tag der Veröffentlichung bereits in der Trafik und kauft einen ganzen Karton, also 100 Pickerl-Packerln, umgerechnet also 600 Pickerln. Panini-Fans wissen natürlich, dass dies nie und nimmer reichen wird, denn das Album hat 640 Sticker, wie die Pickerln bei unseren deutschen Nachbarn heißen. Also werden auch gleich noch 15 zusätzliche Packerln gekauft, macht insgesamt 690 Sticker. Mit der gewichtigen Ladung geht es dann gleich nach Hause, alle Packerln werden sorgfältig aufgerissen und gleich auf einem großen Tisch nach Nummern sortiert. Drei Stunden später und mit den Nerven fast am Ende sitzt man vor dem Panini-Album und stellt fest, dass man rund 400 bis 500 Pickerln einkleben konnte, der Rest sind Doppelte, die man nun möglichst schnell tauschen will, um das Album vollzubekommen. Mitte Mai kann der Perfektionist dann den Vollzug melden: "Album voll". Unbestätigten Meldungen gibt es auch 100er-Kartons, die kein einziges doppeltes Pickerl beinhalten. Das dürfte jedoch einer dieser Panini-Mythen sein ...

  • Der Gemütliche

Der Gemütliche "kauft" sich am Sonntag aus der Kronen-Zeitung-Tasche das Panini-Album und pickt die ersten sechs Gratis-Pickerln ein. In den kommenden Wochen ersteht er dann bei jeder größeren und kleineren Gelegenheit zwei oder drei Stickertüten (Copyright Deutschland), um diese dann am Abend auf der Couch bei einem Bier gemütlich sitzend einzukleben. Zu Beginn der WM fehlen dem Gemütlichen "nur" noch rund 100 Bilder, während der Perfektionist bereits mit dem vollen Album angibt. Doch in der Ruhe liegt die Kraft und bei diversen Tauschbörsen (off- und online) findet dann auch der gemütliche Sammler sein Glück. Spätestens zum WM-Finale ist sein Album dann voll.

  • Der Unvollendete

Voller Elan und Energie holt sich der Unvollendete in den ersten Tagen nach Veröffentlichung das Album und kauft gleich mindestens 20 Packerln, die auch in windeseile eingeklebt werden. Danach verschwindet das Album im Bücherregal und wird erst wieder beim ersten Fußball-Besuch hervorgeholt. Mit etwas Schamesröte stellt der Unvollendete dann fest, dass vor ihm noch ein weiter Weg zum vollen Album liegt. Doch schlussendlich sind die gemeinsamen Fußballabende und das gemütliche Bier wichtiger, als der Drang, ein volles Panini-Album zu bekommen. Im September blickt er dann doch mit Wehmut auf sein halbvolles Album.

  • Der Unehrenhafte

Der unehrenhafte Sammler ist ähnlich gelagert wie der Unvollendete. Nur mit einem Unterschied. Irgendwann hat er genug und bestellt die fehlenden Pickerln direkt bei Panini. Das ist natürlich unter dem harten Kern der Panini-Fans verpönt. Dem Unehrenhaften ist dies jedoch egal. Ende Juli, rund drei Wochen nach der Bestellung, präsentiert er sein volles Panini-Album seinen Freunden und Nachbarn.

  • Der Mentor

Viele begeisterte Panini-Sammler sind irgendwann mit einer ähnlichen Situation konfrontiert: Der eigene Sohn bzw. die eigene Tochter ist in dem Alter, selbst sein/ihr Taschengeld zu opfern und ein eigenes Panini-Album zu sammeln. Der Vater steht dann mit guten Tipps bereit und muss sich entscheiden. Gemeinsam ein Album sammeln oder das Sammelfieber in der Familie gleich doppelt zuzulassen. Natürlich mit allen finanziellen Konsequenzen, denn pro Album muss man mit ca. 75 - 85 Euro an Kosten rechnen. Der Mentor, also der Vater, zeichnet sich durch gute Tipps aus, wie man die Pickerln richtigerweise einklebt und stellt dann mit Entsetzen fest, dass es dem Junior doch noch nicht so wichtig ist, ob Kaka jetzt gerade, schief oder sogar mit einer Falte eingeklebt wurde. (Michael Fiala)

Zum Autor:
Michael Fiala ist freier Journalist, PR- und Medien-Berater in den Bereichen Sport, Sportbusiness, Medien und Tourismus. Außerdem betreibt er die Plattform http://www.90minuten.at, das interaktivste Fußballportal Österreichs und die größte deutschsprachige Panini-Community. Hier tauschen Panini-Fans ihre fehlenden Pickerln.

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