Generalsekretär verlässt das Schiff

7. Mai 2010, 22:11
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Matthias Bogner kehrt ÖOC den Rücken - Einvernehmliche Vertragsauflösung und kein Zusammenhang mit Finanz-Affäre

Wien - Matthias Bogner hat am Freitagabend bestätigt, dass er das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) verlassen wird. Der Sportdirektor und interimistische Generalsekretär hat sich mit ÖOC-Präsident Karl Stoss auf eine einvernehmliche Auflösung des Dienstvertrages geeinigt, die frühestens Ende Juli erfolgen wird. Mit der Finanzaffäre habe das Ausscheiden Bogners aus dem ÖOC nichts zu tun, beteuern beide Seiten.

Als Stoss am Donnerstagabend in Wien in einer Pressekonferenz zum Abschlussbericht der Unabhängigen Untersuchungskommission Stellung genommen hatte, erklärte der ÖOC-Präsident, dass die Erkenntnisse vorläufig keine Auswirkungen auf aktuell beschäftigte Mitarbeiter habe. "Herr Bogner wollte auf eigenen Wunsch ein einvernehmliches Ausscheiden und will sich eine neue Herausforderung suchen. Das hat absolut nichts mit der Finanzaffäre zu tun", unterstrich Stoss auf Anfrage der APA, dass kein Zusammenhang mit dem Abschlussbericht bestehe.

Das entscheidende Gespräch führten Bogner und Stoss erst am (heutigen) Freitag. Sportdirektor Bogner hatte im März 2009 interimistisch auch das Amt des Generalsekretärs übernommen, als das Dienstverhältnis mit Heinz Jungwirth einvernehmlich gelöst worden war. Mit 1. Juni 2010 übernimmt wie bereits Mitte März bekanntgegeben Peter Mennel die interimistischen Agenden Bogners, dieser hatte sich nicht für den Posten des Generalsekretärs beworben, sondern wollte als Sportdirektor im ÖOC bleiben.

Laut Abschlussbericht ist derzeit nicht aufklärbar oder nachvollziehbar, wohin im ÖOC im untersuchten Zeitraum von Jänner 2003 bis Frühjahr 2009 4,64 Millionen Euro geflossen sind. Gegen Bogner liegt nichts vor, allerdings hat er Prämien erhalten, die teilweise auch vom geheimen Verrechnungskonto gekommen waren. "Die Prämien, die ich erhalten habe, waren in Ordnung, aber aufgrund der Umstände unversteuert. Wenn ich mir was vorwerfen muss, dann dass ich überlegter sein hätte müssen. Da war ich nicht vorsichtig und nicht reif genug", sagte Bogner.

"Ganz sicherlich aufgrund der Prämiengeschichte, die nicht sauber" gewesen sei, habe ihm der Präsident gegenüber angedeutet, dass es einen Vertrauensverlust gäbe, erläuterte Bogner. Man habe dann gemeinsam beraten, wie man dem begegnen müsse. Bogner: "Ich muss auch für mich Konsequenzen ziehen, weil es da einen nicht sauberen Bereich bei mir gibt. Das ist auch im Sinne des ÖOC. Ich habe Verständnis für den Wunsch des Präsidenten, von Unangenehmen Abstand zu nehmen."

Bogner hat das ÖOC in einer schwierigen Situation übernommen, zuletzt auch durch die Winterspiele in Vancouver geführt und wird dem Komitee zumindest noch bis Ende Juli, möglicherweise bis Ende August zur Verfügung stehen. "So lange es erwünscht ist, arbeite ich noch mit, damit die Sache weiter laufen kann, es herrscht ja Personalmangel im ÖOC. Aller Voraussicht nach werde ich die Tätigkeit Ende August beenden und mich neu orientieren", sagte Bogner.

Mit 1. Juni übergibt Bogner die Agenden des Generalsekretärs an Mennel, der sich sein eigenes Team zusammenstellen wird. "Es wird eine ordnungsgemäße Übergabe geben und Herr Bogner wird sich eine neue Herausforderung suchen", sagte Stoss. (APA)

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