Shell stellt Öl-Lieferungen für zwei Monate ein

7. Mai 2010, 20:37
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Nach Angriffen auf Pipeline im Niger-Delta

Lagos - Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell stellt seine Lieferungen der Ölsorte Bonny Light aus dem Niger-Delta für zwei Monate ein. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, wurde die Produktion vorläufig ausgesetzt, nachdem eine wichtige Pipeline durch mehrere Lecks und zwei Brände beschädigt wurde. Im Mai und Juni werde daher kein Öl ausgeliefert, sagte ein Sprecher, der "höhere Gewalt" für die Lieferausfälle geltend machte. Die Lecks und Feuer seien von Öldieben verursacht worden, die die Leitung in der Region Ogoni-Land angezapft hätten, erklärte ein weiterer Unternehmenssprecher. Die Reparaturarbeiten seien bereits angelaufen.

Nach Angaben von Shell werden in Nigeria jeden Tag 20.000 bis 100.000 Barrel Öl gestohlen. Im größten Ölförderland Afrikas kommt es immer wieder zu Angriffen auf die Ölindustrie und Entführungen von Mitarbeitern ausländischer Konzerne. Hintergrund ist ein jahrzehntealter Streit zwischen Öl-Firmen und Gemeinden im Niger-Delta um die Verteilung des Ölreichtums. Vor allem der Widerstand von Angehörigen des Ogoni-Volkes gegen die Zerstörung ihrer Heimat erhielt große Aufmerksamkeit: Die Protestbewegung demonstrierte in den 1990er Jahren gewaltfrei gegen die Ölmultis. 1993 zwang die vom Schriftsteller und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa geführte Bewegung "Vereinigung für das Überleben des Ogoni-Volkes" (MOSOP) Shell dazu, seine Ölförderanlagen im Ogoni-Land aufzugeben. Das damalige Militärregime verurteilte Ken Saro-Wiwa, Träger des österreichischen Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreises, und acht seiner Mitstreiter in einem von Schauprozess zum Tode und ließ ihn 1995 hinrichten.

Die Opfer haben Shell vorgeworfen, mitverantwortlich für zahllose Menschenrechtsverletzungen, Folter und Hinrichtungen durch das frühere Militärregime sowie für schwerste Umweltzerstörungen zu sein. (APA)

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