Eine Forschheit, dass es eine Freude ist

7. Mai 2010, 20:09
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Die größte Gefahr im Leben ist, dass man zu vorsichtig wird

Die größte Gefahr im Leben ist, dass man zu vorsichtig wird: Alfred Adler hätte womöglich zu ganz anderen Erkenntnissen gefunden, hätte er unser Blatt gelesen. Mutig und ohne viel Federlesen stellen wir unsere Texte hin, dass es eine Freude ist.

So kam vor wenigen Tagen auch der Name Adler ins Blatt. Gemeint war jedoch nicht der Begründer der Individualpsychologie, die Erwähnung galt einem französischen Historiker und Publizisten, Alexandre Adler, der die deutsche Kanzlerin kritisiert hatte. Wir begegnen großen Namen eben furchtlos. Was sich auch so zeigt: „Die Meldungen vom Ableben des Euro waren etwas verfrüht“, variierten wir in Zusammenhang mit der Griechenlandkrise einen berühmt gewordenen Leserbrief. Wir haben den Satz George Bernard Shaw zugeschrieben, verfasst hat ihn jedoch Mark Twain als Reaktion auf eine noch zu seinen Lebzeiten erschienene Todesnachricht in einer Zeitung.

Der falsche Name stand auch unter dem großen Bild, das die Titelgeschichte zur Pressefreiheit im ALBUM der Vorwoche illustrierte. Das Foto stammt tatsächlich von Linda Thalmann, einer Absolventin der Kunstuniversität Linz. Das Bild, das bei einem vom österreichischen Unternehmen octain ausgeschriebenen Wettbewerb entstand, zeigt zur Verwendung bereite Mundschutzmasken – gedacht als ein Hinweis darauf, dass mancherorts schon harmlose Aussagen zu harten Strafen führen können; gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen, warum ein möglicher Träger „mundtot“ ist, aus eigenem Antrieb und Selbstschutz heraus, oder aber eben weil es mit der Rede- und Pressefreiheit nicht immer sehr weit her ist.

Das führt jetzt zu weit, an dieser Stelle geht es um die Wahrheit als wichtigstes Gut der Pressefreiheit. Wir müssen uns deshalb mit einer Aussage beschäftigen, die im UniStandard wiedergegeben wurde: „Die SPÖ wurde 2000 von Dr. Schüssel ausgetrickst, der gratis studiert hat.“ Wahr ist, dass der spätere Bundeskanzler Ende der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts sein Studium abgeschlossen hat und damals noch (moderate) Studientaxen zu bezahlen waren. Diese wurden erst Anfang der 1970er-Jahre abgeschafft, als Studiengebühren sind sie später wieder gekommen und dann wieder gegangen.

Wie Regierungen gehen und kommen, womit wir bei der aktuellen Regierungskrise in Belgien sind. Wir schrieben, „nackt stünden sie ,voor de kiezer‘, vor dem Kaiser, all die Chefs der zersplitterten Parteien, keiner wolle regieren“. Einen Kaiser – keizer – gibt es in Belgien nicht, de kiezer ist der Wähler. Es lohnt sich, einen weiteren Gedanken Alfred Adlers aufzunehmen: Der Mensch ist unvollkommen. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 8.5.2010)

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