Das beste Geschenk

7. Mai 2010, 18:45
3 Postings

Für die Mehrheit der Frauen in den armen Ländern gibt es am Muttertag keinen Grund zu feiern - Mutter zu werden und zu sein ist vielmehr mit Entbehrungen und tödlichen Gefahren verbunden

Genf - Auch an diesem Sonntag werden viele Mütter wieder Blumen und andere Aufmerksamkeiten als Zeichen von Liebe, Zuneigung und Dankbarkeit bekommen.

Auch an diesem Muttertag aber, so wie an jedem anderen Tag im Jahr, werden rund 1400 Frauen und junge Mädchen während der Geburt oder an deren Folgen sterben - eine Frau jede Minute. In jeder Generation sterben zehn Millionen Mütter, werden zehn Millionen Familien ihrer Frauen beraubt, der Großteil in Afrika, Asien oder den ärmsten Ländern Südamerikas. Weltweit leiden um die 300 Millionen Frauen unter Krankheiten und bleibenden Verletzungen, die sie sich während der Schwangerschaft oder bei der Geburt zugezogen haben.

Müttersterblichkeit ist eine der größten Ungerechtigkeiten im Gesundheitsbereich. Dabei müsste das nicht so sein. Mit dem Wissen, den medizinischen Möglichkeiten und dem Wohlstand, den wir heute besitzen, sollte es uns möglich sein, Frauen die Chance auf eine sichere Mutterschaft zu geben.

Im Jahr 2000 haben 189 Länder die Millennium-Entwicklungsziele für bessere Lebensbedingungen der Menschen verabschiedet. Zehn Jahre später ist das Ziel Nr. 5, Verringerung der Müttersterblichkeit, am weitesten auf der Strecke zurück geblieben.

Was müsste geschehen, dass jede Schwangerschaft gewollt ist und jede Geburt eine sichere Angelegenheit, dass Mütter weltweit den Schutz und die Unterstützung bekommen, die sie brauchen und die ihnen zusteht? Es geht hier nicht um komplizierte Maßnahmen oder höhere Mathematik. Wir reden vom Zugang zu Verhütungsmitteln und Familienplanungsmethoden, von Fachpersonal bei Geburten und - wenn etwas schiefgeht - von Notfall-Geburtshilfe und sauberen Bluttransfusionen, Antibiotika und der Möglichkeit, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Diese Maßnahmen könnten jedes Jahr hunderttausende Leben retten.

Derzeit geben wir weltweit rund 12 Mrd. US-Dollar für Familienplanung und Gesundheitsleistungen für Mütter und Kinder aus. Den größten Anteil davon tragen die Entwicklungsländer. Wenn wir diese relativ bescheidene Investition verdoppelten, könnten wir beachtliche Ergebnisse erzielen: einen Rückgang der Müttersterblichkeitsrate um 70 % und von Todesfällen bei Neugeborenen um 44 %. Dies entspricht einer Investition von nur 3,5 Euro pro Person in den betroffenen Ländern - viel weniger, als die meisten Menschen für ihr Muttertagsgeschenk ausgeben. Aber für mehr als eine halbe Million Frauen pro Jahr kann dieser Betrag den Unterschied zwischen Tod und Leben bedeuten.

Zeigen wir uns solidarisch mit den Frauen und Müttern, die für Schwangerschaft und Geburt ihr Leben riskieren müssen, und setzen wir uns gemeinsam für mehr Unterstützung ein. (Thoraya Obaid*, DER STANDARD/Printausgabe 8.5./9.5.2010)

 

*Thoraya Obaid ist Direktorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Abhilfe wäre möglich.

Share if you care.