Nur frostige Höflichkeiten für Kim Jong-il in Peking

7. Mai 2010, 17:37
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Staatschef kehrte mit leeren Händen von einem Besuch in China zurück - Analyse

Chinas und Nordkoreas Führungen, die nach außen behaupten, so eng zusammenzuhalten wie "Lippen und Zähne", hatten sich während des Besuchs von Kim Jong-il in Peking offenbar nicht viel zu sagen. Sie legten weder einen Zeitplan der Rückkehr Pjöngjangs zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über die Atomwaffenabrüstung fest, noch einigten sie sich auf Maßnahmen zur Sanierung der maroden Planwirtschaft Nordkoreas, die von Chinas Energielieferungen und Nahrungshilfen abhängig ist. Kim erklärte sich offenbar auch nicht zur dubiosen Rolle, die sein Militär bei der Explosion eines südkoreanischen Marinebootes spielte. Das dürfte die Chinesen verärgert haben.

Wie wenig die Chemie zwischen beiden Staaten derzeit stimmt, zeigte sich daran, dass Kim Donnerstagnachmittag mit seinem Spezialzug Peking verließ. Er verzichtete darauf, an der am Abend gezeigten Premiere der nordkoreanischen Staatsoper teilzunehmen, die erstmals eine koreanische Adaption des klassischen chinesischen Stücks Traum der Roten Kammer aufführte. Beobachter rechneten fest mit einem gemeinsamen Besuch von Kim und Chinas Präsident Hu Jintao zum Abschluss von deren Gesprächen. Chinas Propaganda hatte zuvor verbreitet, dass die koreanisch-chinesische Oper ein "Symbol der engen Verbindung beider Länder" sei. Nordkoreas Staatsgründer Kim Il-sung hätte sie vor 50 Jahren in Auftrag gegeben.

Pjöngjang stehe unter massivem internationalen Druck wegen seines Atomarsenals, sagte Zhang Liangui, Nordkoreaexperte an Chinas Parteihochschule. Kim wollte mit dem Besuch die "chinesische Karte" ausspielen und Peking als Verbündeten gewinnen. Am Mittwoch verfassten jedoch in New York die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - darunter China - am Rande des Atomgipfels in New York eine gemeinsame Erklärung, in der sie Nordkorea auffordern, "seine Zusagen auf Abrüstung bei den Sechs-Parteien-Gesprächen einzulösen". (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 8.5.2010)

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    Der angeschlagen wirkende Staatschef Nordkoreas, Kim Jong-il, (links) stößt bei seinem Staatsbesuch mit Chinas Präsident Hu Jintao an.

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