Stadtverführer in drei Varianten

7. Mai 2010, 17:25
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Vorweg gesagt: Reiseführer ist er keiner. Die fast drei Kilo des Bildbandes überfordern fast das Kaffeetischchen, auf dem er sich gut macht

Blättern soll man in Taschen's New York, wenn man den Hunger auf die Stadt steigern und sich vergewissern will, was alles geboten wird, zum Wohnen, Essen, Geldausgeben. Für das aufwendig inszenierte Buch hat die Stadt (gemeint ist, wie so oft und so ungerecht, allein die Insel Manhattan) ihren Schmutz unter kostbare Teppiche gekehrt und ihre Kratzer weggeschliffen oder in neo-rustikale Arrangements integriert. Das Anarchische, das diese Metropole lange Zeit auch ausgemacht hat, ist einem Konsumparadies auf hohem Niveau gewichen.

Nach Hotels, Restaurants & Shops hat Angelika Taschen "ihr" New York unterteilt. Dafür hat sie laut Verlagstext Verstecktes erkundet, durchstöbert und aufgespürt. Das stimmt nur zum Teil - weder Tiffany noch der MOMA-Store oder die Austern im Grand Central sind besondere Geheimtipps, gehören vielmehr seit Jahrzehnten zur Touristen- wie zur einheimischen Folklore. Doch darüber hinaus macht Taschen auf Unerwartetes aufmerksam, schicke Hotels etwa um weniger, als eine Pension in Wien kostet, neue Lokale, ausgefallene Geschäfte. Natürlich ist die Auswahl, ca. 100 Adressen insgesamt, winzig, verglichen mit dem tatsächlichen Angebot.

Und so opulent die Bilder sind, sie präsentieren New York, wie es nie und nimmer ist: fast menschenleer. Dass die vielen schmucken Details hinter den Menschenmassen im wirklichen Leben verschwinden werden, kann sich der Anreisende denken. Statt des Buches nimmt er tunlichst die Kurzfassung in Form eines kleinen Faltplans mit (siehe Bild oben). Und vor Ort hilft ihm auch noch das Buch auf dem iPhone - die erste City App des Verlags. (Michael Freund, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 08./09.05.2010)

Vorweg gesagt: Reiseführer ist er keiner. Die fast drei Kilo des Bildbandes überfordern fast das Kaffeetischchen, auf dem er sich gut macht

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    foto: taschen verlag
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