Romantiker lösten die Schmuggler ab

7. Mai 2010, 16:36
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Durch die Willersdorfer Schlucht, wo es einst gar wüst zuging

In der Willersdorfer Schlucht nördlich von Oberschützen ging es einst wüst zu, denn beim Dreiländereck – gebildet von den Grenzen Niederösterreichs, der Steiermark und des Burgenlandes – verlief bis 1920 die Trennlinie zwischen Österreich und Ungarn. Dort blühte der Schmuggel in einem Ausmaß, dass die Behörden sogar einen eigenen Gendarmerieposten einrichteten. Auch so mancher Räuber, so erzählen es die Heimischen, ließ sich die Gelegenheit zu fetter Beute nicht entgehen. Längst ist dort die Ruhe eingezogen, die Schlucht – die eigentlich nur ein enges Tal ist – lockt jetzt die Romantiker an, welche sich an einer idyllischen Landschaft erfreuen und bei dem durch einen Stein markierten Dreiländereck die Möglichkeit nutzen, innerhalb weniger Sekunden drei Bundesländer zu durchschreiten.

Der Weg durch die Schlucht ist als Naturlehrpfad „möbliert", mit gut gemachten Informationstafeln, die viel Wissenswertes über die Pflanzen und Tiere des Gebietes vermitteln. Auch die Geschichte des Dreiländersteins ist verzeichnet. Das erhöht den Reiz der Wanderung, auf der es nicht einmal stört, dass zwei Dämme das Tal sperren, um bei Hochwasser den kleinen Willersdorfer Bach zu bändigen. Das Gewässer betrieb früher auch zwei Mühlen, von denen eine umfunktioniert, die andere verfallen ist.

Sobald man bei Schmiedrait die Hochfläche erreicht hat, bietet sich eine beeindruckende Fernsicht zu den Erhebungen um Bernstein. Von der relativ großen Kirche des Ortes, die als Bollwerk der Evangelischen gedacht war und „in die Finsternis der Umgebung hineinleuchten" sollte, schaut man zum Schneeberg und Wechsel, zum Hutwisch in der Buckligen Welt, zum Geschriebenstein und zu den Erhebungen um Bad Gleichenberg.

Die Runde weist eine stärkere Steigung – gleich nach dem Dreiländereck – auf, sonst geht es recht gemütlich dahin. Etwas mehr Wegweiser – vor allem bei Aschau – täten gut. Das gastronomische Angebot ist mäßig, es sei denn, man nimmt einen halbstündigen Abstecher in Aschau zum Gasthaus Kupferkandl (Mittwoch Ruhetag) in Kauf.

Die Route: Von Willersdorf wandert man den Bach entlang nach Norden, beim Ortsende beginnt eine blaue Markierung, die durch die Schlucht zur Valtlmühle und zum Dreiländereck führt. Gehzeit zwei Stunden. Nun hält man sich rechts – ein Wegweiser fehlt – und steigt auf der blauen Markierung in einer halben Stunde nach Schmidtrait auf. Dann folgt man der Straße bis zur ersten scharfen Linkskurve, hält sich dort geradeaus – blaue Marken -, quert einen Graben und gelangt nach Aschau. Gehzeit ab Schmiedrait eine Dreiviertelstunde. Den Wegweisern W 52 folgend, durchquert man den Ort und steigt dann auf der blauen Markierung über einen Rücken ab. Man erreicht eine Straße, hält sich rechts und kehrt nach Willersdorf zurück. Ab Aschau eineinhalb Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Album/Printausgabe, 8./9./5.2010)

Gesamtgehzeit vierdreiviertel bis fünf Stunden, Höhendifferenz 350 Meter.
Gasthäuser in Schmiedrait (Mittwoch Ruhetag) und Aschau.
ÖK25V Blatt 5213-Ost (Kirchschlag in der Buckligen Welt) und 5219-Ost (Oberwart), Maßstab 1:25.000; Wander- und Radkarte der Großgemeinde Oberschützen, ohne Maßstab.

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