Was geschah in der Schubhaft vor der Frontex-Abschiebung?

Irene Brickner, 9. Mai 2010, 12:31

Rechtsvertreter berichten von Schikanen und verweigerten Folgeasylanträgen – Parlamentarische Anfrage an Fekter

Ist vor der Frontex-Flugzeugabschiebung am 4. Mai, als 22 Westafrikaner in zwei Wiener Schubhaftgefängnissen auf ihren Abtransport warteten, alles mit rechten Dingen zugegangen? Oder wurden rechtliche Regelungen missachtet - sogar jene nur sehr rudimentären Rechtsvorschriften, die Abzuschiebenden seit Inkrafttreten der neuesten Asylnovelle zu Jahresbeginn Möglichkeit zur Gegenwehr geben? Die Schilderungen zweier Rechtsvertreter, die bis zuletzt versuchten, ihren Klienten zur Seite zu stehen, lassen den Verdacht aufkommen, dass polizeiintern die Devise „weg mit ihnen, um jeden Preis" ausgegeben worden war. Der Justizsprecher der Grünen, Albert Steinhauser, bringt daher eine parlamentarische Anfrage an Innenministerin Maria Fekter ein.

So soll dem Rechtsvertreter der beiden Sans Papiers-Fußballer, die fünf Tage vor dem Abschiebeflug beim Training festgenommen wurden, tagelang verwehrt worden sein, zu seinen Mandanten vorgelassen zu werden, obwohl er Vollmachten dafür hatte. Einem der Männer soll verboten worden sein, zu telefonieren: dieses dürften Schubhäftlinge nur einmal wöchentlich - eine Regel, die bisher unbekannt war. Als Freunde des Zweiten wenige Stunden vor dessen Abtransport ins Polizeianhaltezentrum kamen, um ihm frische Kleidung und persönliche Dinge zu bringen, seien sie unter Hinweis auf ein „Verbot" nicht zu ihm vorgelassen worden.
Auch sei dem Rechtsvertreter am Tag vor der Abschiebung mitgeteilt worden, der genaue Termin dafür stehe noch nicht fest - eineinhalb Stunden, bevor der genaue Wegbring-Zeitpunkt einem der Mandanten mitgeteilt wurde. Und als die Sans Papiers-Männer sagten, sie wollten erneut einen Asylantrag stellen - einer am Tag seiner Festnahme, der anderen am Tag vor der Abschiebung - , sei dies von den anwesenden Beamten einfach ignoriert worden.

Selbst wenn diese Folgeasylanträge nur wenig Aussicht auf Erfolg hatten, weil das Gesetz hier strengste Vorgaben erteilt: Ihre Annahme zu verweigern stellt einen schweren rechtsstaatlichen Verstoß dar. Überhaupt kommt angesichts der Schilderungen der Eindruck auf, die Fremdenpolizei habe vor allem den Frontexflieger vollzubekommen wollen. Lästigen Regeln, Rechtsvertretern und Demonstranten habe man eine lange Nase gezeigt. Von menschlichen Erwägungen hatten sich die Zuständigen offenbar ohnehin verabschiedet: Mit an Bord des Flugzeuges (in dem sich verlässlichen Quellen zufolge übrigens 45 Abzuschiebende aus fünf EU-Staaten sowie sage und schreibe 113 Bewacher befanden) war auch Mark N. aus Linz, der seit 2001 in Österreich gelebt und hier eine vierjährige Tochter hat. Sieben Jahre hatte er auf seinen Asylbescheid gewartet. Als dieser negativ war, stellte er einen Antrag auf humanitäres Bleiberecht. Über diesen war zum Zeitpunkt der Abschiebung noch nicht entschieden. 

Irene.Brickner@derStandard.at

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Kein Grüner
116
11.5.2010, 12:01
Anscheinend darf man im Standard nicht die

Widersprüchlichkeit von Frau Brickner in diesem Blog aufzeigen. Meine beiden Vorpostings dazu wurden nicht veröffentlicht. Jetzt letzter Versuch einer freien Meinungsäusserung im "Linken" Standard:
Warum kritisiert die Frau Brickner nur mögliche Missachtung rechtlicher Regelungen im Fall der Abschiebung? Und die tausenfache Missachtung rechtlicher Regelungen vorher, wo JAHRELANG tausende Personen das Aufenthaltsgesetz einfach ignorieren und jahrelang sich illegal in Ö aufhalten, diese tausendfache Missachtung des Rechts stört Frau Brickner nicht und ist ihr keinen Blog wert? Wie blind und einseitig kann man denn noch sein?

cleanwater
00
29.6.2010, 12:06

Ohne Ihr patriotisiertes Rechtsempfinden in Frage stellen zu wollen, aber sehen Sie da nicht einen ganz prinzipiellen Unterschied?

Chris_SM
05
13.5.2010, 21:15

Freie Meinungsäußerung und Standard sind ein Widerspruch in sich.

cleanwater
00
29.6.2010, 12:03
contradictio in objecto

Threonin
00
12.5.2010, 10:12

Ich sehe es schon als sehr großes Problem, wenn sich Behörden nicht ans Gesetz halten. Aus meiner Sicht ist es das größere Problem wenn Behörden sich nicht <n Gesetze halten, als wenn "normale" Menschen das nicht tun.

cwebb
00
12.5.2010, 09:58

Danke. Danke dass endlich mal einer ohne Polemik das schreibt was sich jeder normale Mensch denken muss.

Katarina Frost
82
11.5.2010, 11:46

das ist traurig was in österreich gerade alles passiert. was menschenrechtsverletzungen (nicht nur) asylantInnen gegenüber betrifft, ist das nichts neues. trotzdem immer wieder schockierend.

diese ganzen asyl gesetze sind total absurd.
das grenzt schon an wahnsinn.

an die posterInnen vor mir, wieviele leute kennt ihr die asylanträge gestellt haben? glaubst du im kurier liest? glaubt ihr das asylantInnen in Wien das echte Problem sind in dieser Gesellschaft? Habt ihr schon mal daran gedacht das die Wahrheit nicht immer so einfach ist ? So ausführlich wie man über dieses Thema diskutieren kann, so viel kann man in einem posting gar nicht schreiben ... Ich wander aus.

Antony Kohlencherry
114
10.5.2010, 18:23
Und wenn der Sans papiers-Mann nachts nicht schlafen kann

dann stellt er einen neuerlichen Asylantrag (den mittlerweile 18ten) und die Instanzenprozedur fängt wieder von ganz vorne an.
Nachdem sich das Spiel dann über Jahre und Jahre hinzieht, ruft man nach dem Bleiberecht.
Sorry, Madame Brickner, aber SO gehts nun auch wieder nicht.
Ich las heute im Kurier die Entscheidung des Asylgerichtshofes und des VfGH GEGEN einen Embacher-Mandanten aus Serbien. Hoffe, sie lasen es auch und sehen einmal ein, dass das "papierln" des Rechtsstaates unterbunden werden muss.
Auch wenns weh tut und schwer fällt.

jeff5
14
10.5.2010, 17:33
sehr einseitig.

Kein Grüner
10
10.5.2010, 17:03
Wo bleibt mein Posting vom vormittag und wo von ca. 16 Uhr?

Kein Grüner
00
10.5.2010, 15:24
Wo bleibt mein Posting?

gruenhasser
26
10.5.2010, 16:39

Kein grüner = Normaler Mensch!

jeff5
00
10.5.2010, 17:33
kein grüner: denkender realo

kaiza1
117
10.5.2010, 14:51

SIEBEN !!!! Jahre auf den Asylbescheid gewartet und dann trotz 4-jähriger Tochter abgeschoben. Mit Humanität hat das schon lange nichts mehr zu tun.

cleanwater
00
28.6.2010, 13:00
Humanität ist nicht die Frage

Michael Jack Dundee
 
51
10.5.2010, 15:21

Die vier jährige Tochter wurde in Öster... oder Ostmark geboren? Oder doch wo anders?

LCD
21
10.5.2010, 18:42

Hirn einschalten: Er wartet seit 7 Jahren in Österreich auf Asylbescheid (In seine frühere Heimat kann er in der Zeit nicht, da sonst Asyl automatisch erlischt). Preisfrage: Wo kann die Tochter vor 4 Jahren geboren worden sein?
Hinweis: Nur eine Antwort ist möglich und richtig.

cleanwater
00
28.6.2010, 13:08
räusper, räusper

1. nicht wegen einem möglicherweise erlöschendem Bescheid (auf den er ja gewartet hätte [Hirn einschalten]), sondern wegen der Verfolgung im Heimatland (nur die wäre ja ein Asylgrund) konnte er nicht "heimfahren" zwischendurch.
2. Nachdem kein Asylgrund festgestellt wurde (und ja die Verfahren sind teilw wirklich bedenkenswert) hat er einen Antrag auf einen humanitären Aufenthaltstitel gestellt. Der wiederum begründet sich aus dem Recht auf Familienleben (Tochter und wahrscheinlich deren Mutter in Ö, wär ja ein starkes Argument), aber dieses Familienleben wurde zu einem Zeitpunkt begründet, als er (auf den Bescheid hat er ja noch gewartet) gar nicht damit rechnen durfte bleiben zu dürfen. Fortpflanzung alleine reicht nicht.

Ben Vassy
012
10.5.2010, 14:12

Das Problem an dieser Diskussion ist... Sie beruht auf einem Blog-Eintrag von Frau Brickner. Ist das wirklich eine Informationsquelle, der man vertraut und auf deren Basis man sich eine Meinung bildet?

HAL_9000
 
16
10.5.2010, 15:43

kommt drauf an ... wenn sie einfach "wahrheiten" suchen sinds hier richtig ... nur mit der realität hats halt leider wenig zu tun ...

Lorelei Sonnenschein
82
10.5.2010, 16:30
...die Realität...

...ist aber sowas von relativ...6 Mrd Menschen/6 Mrd Köpfe....6 Mrd Realitäten...

Briefmarkenkleber
01
10.5.2010, 11:44
Knieweiche Republik

Die Generation "soft skills" schert sich um Verfassungsdetailfragen. Das Unrecht im Großen bleibt liegen.
Ghts kämpfen! Umd entzieht den Unrechtsstaaten nicht ihre Migrationswütige junge Genaeration.

cwebb
45
10.5.2010, 11:41
Auf Wiedersehen!

Baba.

LCD
71
10.5.2010, 14:08
Tschüß cwebb

und gute Reise!

Sorry Sorry
219
10.5.2010, 10:56

Der Mann war schon länger untergetaucht. Nachdem in die Polizei das letzte Mal im letzten Sommer aufgegriffen hat, hat er einen neuen Asylantrag gestellt, weil er plötzlich schwul war. Dann ist er wieder untergetaucht. Wir werden nie erfahren, mit welche Begründung er jetzt wieder einen neuen Asylantrag stellen wollte.
Frage an die Grünbeseelten:
Wie soll so ein Verfahren jemals zum Abschluss gebracht werden, wenn jeder neue Antrag wieder ein neues Verfahren nach sich zieht?

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