Wenig Bildung macht arm

7. Mai 2010, 13:53
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Schlecht Ausgebildete sind öfter armutsgefährdet - Sozial- und Bildungsministerium wollen das Bildungsniveau der Schüler erhöhen

Die Armutsgefährdung bei Jugendlichen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, ist drei Mal höher als jenes von Uni-Absolventen. Darauf machten Sozialminister Rodulf Hundstorfer und Bildungsministerin Claudia Schmied (beide SPÖ) am Freitag bei einem Pressefrühstück im Rahmen des "Europäischen Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" aufmerksam.

"Höhere Bildung bedeutet ein höheres Einkommen", erklärte Schmied. Zudem sei das Risiko arbeitslos zu werden, bei weniger gebildeten Menschen höher. Die Ministerin will sich im Rahmen des EU-Jahres vor allem auf Schüler mit einer Zuwanderungsgeschichte konzentrieren. "Vierzig bis fünfzig Prozent der Volkschüler in den großen Städten Österreichs haben nicht deutsch als Familiensprache", erklärt sie. Diese würden in den kommenden Jahren die Gesellschaft beeinflussen, weshalb es wichtig wäre, ihnen bereits im Kindergarten Deutsch zu lernen. 

Hundstofer: "Keine Hilfsarbeiter produzieren"

Das Ziel von Sozialminister Hundstorfer ist es, dass Schüler nach der Pflichtschule "irgendeine" zusätzlich Ausbildung machen. So könne er zum Beispiel garantieren, dass Lehrstellensuchende innerhalb von 40 Tagen einen Platz in einer der überbertrieblichen Lehrwerkstätten bekommen. Das sei aber dann nicht immer der "Traumjob", so Hundstorfer. Er wolle keine "Hilfsarbeiter produzieren", so der Minister. 22 Prozent Menschen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, sind armutsgefährdet. Die Gefahr in die Armut abzurutschen, sinkt jedoch mit der weiteren Ausbildung: nur acht Prozent der Schüler mit Matura sind davon betroffen.

In Österreich wird Bildung zu einem großen Teil "vererbt". Die Hälfte der 25 bis 44-jährigen aus Akademikerfamilien hat selbst einen Universitätsabschluss. Die Schulabbruchquote liegt bei bildungsfernen Familien mit bis zu 18,7 Prozent wesentliche höher als jene der Schüler, deren Eltern Akademiker sind (3,7 Prozent). Ministerin Schmied will dieser Entwicklung mit dem Ausbau von Ganztagsschulen entgegenwirken.

300 Schüler aus bildungsfernen Schichten auf der Kinderuni

Das Jahr zum Thema Armut wird von der EU mit 250.000 Euro subventioniert, das Sozialministerium hat damit insgesamt 650.000 Euro für verschiedene Projekte zur Verfügung. Hierzu gehört etwa die Kinderuni der Universität Wien, bei der in diesem Jahr 300 Kinder aus bildungsfernen Schichten vom Sozialministerium eingeladen werden, dabei zu sein. Die "EU-2020"-Strategie für ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum sieht vor, dass der Prozentsatz der Schulabbrecher innerhalb der Union von 15 Prozent bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent gesenkt wird. Die Hochschulabschlüssen sollen von derzeit 31 Prozent auf 40 Prozent steigen. In Österreich liegt die Akademikerquote derzeit bei 18 Prozent. 10,7 Prozent der Jugendlichen haben die Schule frühzeitig abgebrochen.  (lis, derStandard.at, 7.5.2010)

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    Schulabbrecher haben wenig Chancen am Arbeitsmarkt und rutschen deshalb leichter in die Armut.

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