Achtung, die Guten packen ein

7. Mai 2010, 17:23
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Gerade jetzt, nach dem Krisentief, machen Firmen viel falsch - Die Folge ist, dass sich die guten Leute nun vom Acker machen - Deloitte hat global die Situation, Motive und Gegenmittel erhoben

Nach dem Tief der Krise gehen die Unzufriedenen tatsächlich, suchen aktiv neue Herausforderungen, so Katja Teuchmann, Partnerin bei der Deloitte Human Capital in Wien. Das sei zyklisch zu beobachten. Für problematisch hält sie, dass das Verständnis in vielen Unternehmen fehle, dass mit alleiniger Effizienzsteigerung und "alten Werkzeugen" die Topleute nicht mehr zu halten sind. "Der Spar-Imperativ steht über allem, es wird nicht wahrgenommen, was Mitarbeiter wollen, dass erfolgskritische Mitarbeiter gehen wollen."

Wie dramatisch der Zustand in Konzernen ab 500 Mio. Jahresumsatz global ist, zeigen die aktuellen Ergebnisse der Langzeit-Befragung "Managing Talent in a Turbulent Economy" von Deloitte und Forbes Insight: Obwohl 65 Prozent der über 350 befragten CEOs fürchten, Schlüsselkräfte an den Mitbewerb zu verlieren, hat bis jetzt nur rund ein Drittel ajourierte Strategien, um diese Talente zu halten. Dazu kommt nun noch verstärkt, dass die Generation der Babyboomer inklusive ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten in Pension gehen. Von den befragten Talenten selbst überlegt fast die Hälfte, jetzt den Job zu wechseln. 

Wegtreibende Faktoren

22 Prozent der Generation-X-Talente haben im Vorjahr aktiv Neues gesucht, mehr als die Hälfte der Generation-Y-Talente will weg. Kostenschnitte und die Folgen von Entlassungen für die verbliebene Belegschaft, permanentes Arbeiten am Limit, gehören zu den hauptsächlichen Unzufriedenheitsfaktoren, die Top-Talente jetzt von ihren Jobs wegtreiben. Plus: Chefs erkennen offenbar nicht, was Mitarbeiter jetzt wollen und brauchen. Monetäre Anreize nennen sowohl Arbeitnehmer als auch ihre Chefs als Strategie für das Halten der Guten. Letztere selbst nennen aber in den Top-Rängen für ein Bleiben: starke Führung, Vertrauen, Weiterentwicklung. Zusätzlich klagen 48 Prozent der Arbeitnehmer über mangelnde interne Kommunikation von Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen. 62 Prozent der Wechselwilligen kritisieren "fehlende Kommunikation der Vorgesetzten in der Rezession". Fehlende Jobsicherheit und mangelnde Aussicht auf Karriereentwicklung gehören ebenso zu den Treibern weg aus dem Job wie fehlende Unterstützung und Anerkennung von den Vorgesetzten.

Jetzt sei noch viel zu bewirken, sagt Katja Teuchmann - oft würden Benefits auch intern schlecht "verkauft" . Wie es klappen kann, seine Talente zu halten und die jeweils besten neu zu finden, zeigen die Strategien jener zehn Prozent der Executives, die ihre Talent-Management-Programme als "Weltklasse" beschreiben: 66 Prozent erhöhen jetzt die Compensation. Sechs von zehn bauen jetzt Trainings für ihre Top-Talente aus. 85 Prozent fahren spezielle Programme, um ihre Senior-Führungskräfte zu unterstützen und Junge dahingehend auszubilden. 70 Prozent bauen Recruiting erfolgskritischer Talente jetzt aus. 60 Prozent melden als Folge verbesserte Moral und mehr Vertrauen in die Leadership. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.5.2010)

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    Viele gute Mitarbeiter packen nun ihre Sachen

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