"Wie ich wurde, was ich bin"

7. Mai 2010, 17:23
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Es waren Beratungsgespräche der anderen Art - im Großen Lesesaal der Universität Wien erstmals der Living Book Day abgehalten - Praktiker sprachen mit Studierenden

Sonst ist das Sprechen im Großen Lesesaal der Hauptbibliothek der Universität Wien ja verboten. Am Donnerstag der letzten Woche aber war von dort angenehmes Gemurmel zu vernehmen. Unter dem Motto "Wie ich wurde, was ich bin" wurde erstmals der Living Book Day abgehalten, für den Uniport, der Karriereservice der Universität Wien, mehr als 60 lebende Bücher, also Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund aus verschiedenen Unternehmen und Branchen, den interessierten Lesern Rede und Antwort standen. Und während sich am Info-Point vor dem Lesesaal erste Schlangen bei der Anmeldung und Buchvergabe bildeten, wurde um Punkt 16.00 Uhr die erste von insgesamt acht, jeweils rund 20 Minuten dauernden Gesprächsrunden mit einem lauten Gong eingeläutet.

"Vieles ist auch Zufall"

Laut Uniport nutzten rund 400 interessierte Besucher die Möglichkeit, sich mit erfahrenen Menschen rund um Themen der Karriere, des Berufs auszutauschen. Unter ihnen auch Annabella Molnar, Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaften. Sie wolle mehr über mögliche Berufsperspektiven erfahren, sagte sie. Sicher, theoretisch seien ihr verschiedene Karriereoptionen durchaus bekannt, es fehle nur häufig die Gelegenheit, mit Praktikern zu sprechen, gibt sie zu. "Es geht mir um den Einblick in bestimmte Arbeitsbereiche und natürlich auch darum, Leute zu treffen, die dasselbe studiert haben wie ich" , sagt Molnar. Ein wenig mehr Information im Vorfeld der Veranstaltung hätte wahrscheinlich gutgetan, so die Studentin, vielleicht sei sie aber einfach nur etwas zu spät gekommen, weil "wie im echten Leben die beliebtesten Bücher sofort vergriffen waren" , schmunzelt sie.

Michael Landau, Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, Peter Dusek vom ORF waren zu sehen, Vertreter aus zahlreichen multinationalen Konzernen, NGOs zählten ebenso zur Liste der Living Books wie ein Vertreter von Google. Maximilian Santner, Leiter der Internationalen Hilfe beim Österreichischen Roten Kreuz, kam auf Anfrage von Uniport. "Sehr gerne" , wie er sagt, "der Austausch zwischen Studierenden und der Praxiswelt ist wichtig." Er selbst habe Geografie und - wie es damals noch hieß - Leibesübungen auf Lehramt studiert.

Aus eigener Erfahrung sei er der Ansicht, dass Karrieren bis zu einem gewissen Grad steuerbar seien, es aber auch auf Zufälle ankomme, auf Chancen, die man ergreifen könne. Auch das wolle er den Studierenden mitgeben. Und: "Ich war natürlich auch neugierig, was sich verändert hat. Ich war seit meiner Studienzeit nicht mehr an der Uni. Vor dreißig Jahren habe ich hier in der Bibliothek meine ersten Skripten gelernt, und ich stelle fest, die Lampen sind immer noch dieselben." (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.5.2010)

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    Studenten erfuhren beim Living Book Day mehr über mögliche Berufsperspektiven

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