ORF entfernte Szene aus "Dorfers Donnerstalk"

7. Mai 2010, 15:26
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Zu heikel: Kindesmissbrauch durch die Kirche - Strobl: Die Zuspielung habe nicht dem eingereichten, vom ORF abgenommenen Buch entsprochen

Fellners Boulevardblatt zündelte - und konstatierte am Tag darauf "Feuer am Dach beim ORF nach Österreich-Bericht": Der Staatssender hatte eine mehrminütige Zuspielung aus der am Donnerstag ausgestrahlten Folge von Dorfers Donnerstalk herausgeschnitten. "ORF stoppt Skandal-Comedy", titelte daraufhin "Österreich" und stellte skandalisierend das Wort "Zensur" in den Raum. ORF-Kommunikationssprecher Pius Strobl beteuert, dass es zu dem Schritt nicht "Österreich" bedurft hätte: "Wir bekamen das Band am Mittwoch - und wussten sofort, dass wir das so nicht senden können." Die Zuspielung habe nicht dem eingereichten, vom ORF abgenommenen Buch entsprochen.

Vor etwa zehn Tagen wurde in der Cselley-Mühle in Oslip Dorfers Donnerstalk aufgezeichnet. In der Show führt Alfred Dorfer ein sehr dekuvrierendes Gespräch mit einem "Bischof Ratzinger" über den Machtmissbrauch der katholischen Kirche und den Missbrauch von Kindern. Der Bischof, der die Bühne mit "seinem Buben" betritt, wird von Roland Düringer verkörpert. Er sei, gibt er unumwunden zu, der Sohn des Papstes. In einer Zuspielung lässt Düringer ein Kind vor sich knien.

"Sex-Skandal"

Am 6. Mai, am Tag der Ausstrahlung, behauptete Österreich, dass es einen "Sex-Skandal um ORF-Show" gäbe: Der Nikolaus vollziehe vor den Augen mehrerer Kardinäle und Kinder Oralsex ("Blowjob") mit einem Buben. Dies las ein Vater eines der Kinder - und wandte sich erbost an den Sender: Die Castingagentur hätte nicht erklärt, in welchem Zusammenhang die gedrehte Szene stehe. Eigentlich hätte die Zuspielung nur gekürzt werden sollen, so Strobl. Nach dem Anruf aber habe sich entschlossen, ihn komplett herauszunehmen. Denn die Verantwortung - Stichwort Persönlichkeitsschutz - trage nicht die beauftragte Produktionsfirma E&A, sondern eben der ORF.

Die Szene sei, versichern Strobl und auch Alfred Dorfer, eigentlich harmlos: Das Kind kniet vor dem Bischof; das Bild der sexuellen Handlung entstehe nur im Kopf des Zuschauers. E&A-Geschäftsführer Erich Schindlecker beteuert zudem, dass die Eltern sehr wohl über alle Details informiert worden wären. Bein Dreh sollen die Erziehungsberechtigten dabei gewesen sein. Drei Eltern hätten sich nun bei der Castingagentur beschwert, weil die Szene eliminiert wurde: "Die wollten, dass man das zeigt."

"Kompletter Zuspieler herausgenommen"

Dorfer, auf Tournee in Deutschland, wurde über den Eingriff des ORF nicht informiert. Es sei noch nie ein kompletter Zuspieler herausgenommen worden, sagt er:"Das ist ein Novum in sieben Jahren Donnerstalk." Von Zensur will er dennoch nicht sprechen: "In diesem - und nur in diesem Fall - habe ich Verständnis. Dass man ein Kind schützen will, versteht jeder, der Kinder hat." (Thomas Trenkler, DER STANDARD; Printausgabe, 8./9.5.2010)

  • Dorfer und Düringer im "Donnerstalk"
    foto: oto: orf/hubert mican

    Dorfer und Düringer im "Donnerstalk"

  • Düringer, der Sohn des Papstes mit seinem Buben.
    foto: tvthek.orf.at

    Düringer, der Sohn des Papstes mit seinem Buben.

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