Diskussion

Verleger Russ sieht "Schmarotzertum" bei Google

07. Mai 2010 12:01
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    Foto: horizont.at/michalski

    Google Österreich-Chef Karl Pall und Verleger Eugen Russ.

Russ: Größtes Medienunternehmen der Welt mit null Journalisten - Google-Chef Pall kontert: Keine Werbung auf Google News

Die Tonart zwischen Medienhäusern und dem Internetgiganten Google verschärft sich: Verleger Eugen Russ wirft der Suchmaschine "Schmarotzertum" vor, wie er bei einer Podiumsdiskussion des "Horizont"-Verlages mit dem Österreich-Chef von Google, Karl Pall, sagte. Konkret wirft Russ dem Konzern vor, sich auf der Suchseite der Inhalte von Medien zu bedienen und dazu Werbung zu schalten. Pall konterte wiederum, dass bei Google News keine Werbung geschaltet werde.

Das Problem für die Medienhäuser mit Google besteht laut dem Vorarlberger Verleger vor allem darin, dass die Suchmaschine in ihren Trefferlisten immer mehr Content einblende. So würden etwa bei Suchbegriffen auch auf der Startseite immer mehr Treffer von Nachrichtenportalen oder anderen redaktionell betreuten Diensten eingeblendet. "80 Prozent der User klicken danach nicht weiter", womit den Content-Herstellern die Kunden entgehen, so Russ.

Russ: Größtes Medienunternehmen der Welt mit null Journalisten

Auf der anderen Seite verdiene Google mit den neben den Suchertreffern eingeblendeten Werbungen. Auf Österreich umgelegt stellte er folgende Rechnung an: Rund 100 Millionen Euro netto seien im heimischen Werbemarkt zu verdienen. Die Hälfte davon entfalle auf Google und das bei null Produktionskosten. Nach dem Personalstand von Google in Österreich und dem Werbeerlös, wäre der ORF mit 40 Mitarbeitern zu führen, so Russ. Mittlerweile sei Google bereits als weltgrößtes Medienunternehmen zu betrachten, wobei die Firma aber "null Journalisten" beschäftige.

Pall betonte, dass man die Österreich-Zahlen nicht aus dem Gesamtergebnis herausbreche. "Dass im Pressebereich ein Greislersterben" um sich greife, könne man jedenfalls nicht Google anlasten. Außerdem bringe die Suchmaschine auch Aufmerksamkeit für die gelisteten Nachrichtenseiten. "Wir sind sozusagen die Badner Bahn zur Shopping City", argumentierte er.

Im Übrigen sei Google Partner der Medien, sagte er. Er verwies auf "AdSense", einem von Google betriebenen Werbedienst, der auf fremden Portalen genutzt werden kann. Damit werden maßgeschneiderte Anzeigen an die Kunden angeboten. Im Vorjahr habe Google international fünf Milliarden Dollar (3,93 Mrd. Euro) "an unsere Partner ausgeschüttet". Das sei mehr, als der Konzerngewinn betragen habe.

Leistungsschutzrecht

Ein Lösungsansatz für Russ ist das von den Verlegern geforderte Leistungsschutzrecht an journalistischen Inhalten. Während etwa ein Musikstück bei einer Weiterverwendung auf YouTube auch der Plattenfirma verrechnet werden muss, ist das bei journalistischem Content nicht möglich. Damit haben die Verleger etwa bei der Verbreitung von Nachrichten auf Angeboten wie Google News keinen Anspruch auf ein Entgelt.

Auf der anderen Seite sind die Verleger angewiesen auf die Listung in der Suchmaschine. Man sei also Partner und Konkurrent zugleich, räumte Russ ein. (APA)

adman
10.05.2010 17:24
Jetzt wird er wehleidig der alte Russ!

hat doch selbst jede Qualität in seinen Medien verspielt und das überwiegend ohne Journalisten, mit Wegwerfinformation oder Neuhochdeutsch "Content". Google ist einfach intelligenter und schneller im Aggregieren und Kompilieren. Achtung! Da gibt es auch noch böse Blogger im Netz, die längst schon besser sind, als das was auf Russpapier geschrieben wird. Z.B.: www.weissgarnix.de, Huffington Post etc... Die spielen in einer anderen Liga, auf Augenhöhe mit FAZ, New York Times oder Der Spiegel. Neben der VN nimmt sich die Kronenzeitung intellektuell aus. Als einfach weiter weinen und Google beschimpfen!

Navajo
10.05.2010 08:55
"80 Prozent der User klicken danach nicht weiter"


Liegt vielleicht am Inhalt, Herr Russ!

Odoakker Hurgga
09.05.2010 00:29
Eugen A. Russ - ist das nicht.....

.... jener Mann, der offen zugibt, bei seinen Zeitungen nur noch sechs Journalisten angestellt zu haben, der Rest seien "Contentbeschaffer", "Contentverwerter" oder andere abenteuerliche Eigenkreationen? Ist das nicht jener Mann, der offen zugibt, diese sechs Journalisten nur deshalb zu halten, weil er damit Presseförderung kassieren kann? (unter sechs gibts nix) Und der will jetzt mit Google wegen "journalistischer Inhalte" streiten? Was ist nun Herr Russ? Journalistische Inhalte kommen in der Regel von Journalisten. So wie Behandlungen vom Arzt. Und Steuerberatungen vom Steuerberater. Wie hätten Sie es denn gern?

Kräuterpfarrer Escobar
07.05.2010 13:45
"Russ: Größtes Medienunternehmen der Welt mit null Journalisten"

In Anbetracht der Inhalte von VN & Co dachte ich, der Russ meint sich selbst. Die Todesanzeigen, aus denen die VN hauptsächlich besteht, werden nämlich von den Angehörigen geschrieben. Daneben gibts noch ein paar lobhudelnde Polizeiberichte, die mit copy/paste übernommen werden und wenn was wirklich wichtiges passiert ist und man Glück hat, noch eine APA Meldung. Evt. noch ein Bericht, dass sich eine Kuh einen Bein gebrochen hat und mit dem Hubschrauber von der Alm geflogen werden musste. Solche Berichte laufen in der Ubahn-Zeitung "heute" als "Leserreporter" oder so ähnlich, nur dass es dort Verkehrsunfälle uä sind.

Schurnalisten gibts bei der VN jedenfalls keine.

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