Nach US-Kurssturz strenge Regeln für Computerhandel gefordert

7. Mai 2010, 11:42
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Computersysteme hätten Fehler eines Händlers aufgespürt und den Ball zehn- und hundertfach zurückgeschlagen

Nach dem größten Kurssturz aller Zeiten an der Wall Street fordert der deutsche Finanzmarktexperte Hans-Peter Burghof strengere Auflagen für den Computerhandel mit Wertpapieren. "Wir müssen Regeln finden, wie wir mit der zunehmenden Abhängigkeit vom computergesteuerten Handel umgehen", sagte der Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim am Freitag.

Verbot nicht sinnvoll

Ein Verbot hält Burghof allerdings weder für sinnvoll noch für durchsetzbar. Die Computersysteme machen die Märkte effizienter. "Das Rad kann hier nicht ganz zurückgedreht werden." Den Kurssturz am Donnerstagabend in New York um zeitweise bis zu 9 Prozent bezeichnete er als "Computer-Squash". Offensichtlich hätten die Computersysteme den Fehler eines Händlers aufgespürt und den Ball zehn- und hundertfach zurückgeschlagen. Händler seien dann erst einmal machtlos, wenn die geballte Macht der elektronischen Systeme der Banken in Bruchteilen von Sekunden zuschlage.

Abstürze

Der Leitindex Dow Jones hatte in nicht einmal einer Stunde fast 1.000 Punkte oder ein Zehntel seines Werts verloren. Selbst Standardwerte wie Procter & Gamble brachen um bis zu ein Drittel ein - der Marktwert des weltweit größten Konsumgüterherstellers sank innerhalb weniger Minuten somit um rund 60 Mrd. Dollar (47,1 Mrd. Euro). Es gehe jetzt darum, solche Exzesse wie am Donnerstag zu verhindern, sagte Burghof. Zugleich räumte er allerdings ein, dass es schwer sei, sinnvolle Regeln zu finden. "Es muss aber dringend etwas geschehen", sagte er. Hier seien sowohl die Betreiber der Börsen wie die NYSE Euronext, Nasdaq OMX Group oder Deutsche Börse als auch die Aufsichtsbehörden gefordert.

Abhängigkeit

"Wir sind zunehmend von technischen Systemen abhängig. Daher müssen wir einen Umgang damit finden", sagte Burghof. Ein möglicher Weg sei, dass der computergestützte Handel gekennzeichnet werde und sich die Teilnehmer auch offenbaren müssen. Dies wird derzeit zum Beispiel mit sogenannten Dark Pools umgangen. Dark Pools sind Handelsplattformen außerhalb der regulären Börsen. Dort bleiben Käufer und Verkäufer von großen Wertpapierpaketen anonym. Zudem werden keine Details der Aufträge veröffentlicht. (APA)

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