Eurozonen-Sondergipfel in Brüssel

Euro-Länder stimmen Kreditpaket für Griechenland zu

7. Mai 2010, 23:59

Sonder-Finanzministergipfel für Sonntag einberufen

Wien/Brüssel - Die Euro-Länder haben das Milliarden-Kreditpaket für Griechenland EU-Kreisen zufolge freigegeben. Griechenland erhält über drei Jahre Beistandskredite von insgesamt 110 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds übernimmt davon 30 Milliarden, die Euro-Länder 80 Milliarden Euro. Auf Deutschland als größtes Mitgliedsland der Währungsunion entfallen 22,4 Milliarden Euro. Der Bundestag und der Bundesrat hatten das dafür notwendige Gesetz in dieser Woche im Eilverfahren beschlossen.

Der Euro-Gipfel hat Freitag knapp vor Mitternacht kurzfristig einen Sonder-Finanzminister aller 27 EU-Staaten für Sonntag einberufen. Dies teilten Diplomaten mit. Am Euro-Gipfel selbst war es zunächst nicht zu einer Einigung über die Einrichtung eines "permanenten Krisen-Lösungsmechanismus" gekommen, der in ähnlichen Schuldenkrisen wie bei Griechenland angewendet werden könnte. Das erhoffte Signal an die Märkte zur Beruhigung der Situation nach dem monatelangen Hick-Hack um eine Griechenland-Hilfe dürfte beim Euro-Gipfel nicht erfolgt sein.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief die Teilnehmer des Gipfels in Brüssel zu einem verantwortungsvollen Handeln auf. "Wir befinden uns in einer Notsituation, daher ist es notwendig, Entscheidungen zu treffen", so Berlusconi. Zuletzt gab es massive Sorge vor einem Verkauf von europäischen Staatsanleihen auf den asiatischen und amerikanischen Märkten.

"Go" für griechisches Rettungspaket

Griechenland kann schon in den nächsten Tagen auf die ersten Milliarden aus dem internationalen Rettungspaket zugreifen. Nach einem Eilverfahren billigten der deutsche Bundestag und Bundesrat am Freitag die deutschen Notkredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2012. Anschließend unterzeichnete Bundespräsident Horst Köhler das Griechenland-Gesetz, das nun sofort in Kraft treten kann (siehe Artikel).

Auch Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg billigten ihre Hilfsbeiträge. Kredite von 110 Milliarden Euro werden das marode südeuropäische Land für mindestens anderthalb Jahre vom Druck befreien, sich am Kapitalmarkt neues Geld zu besorgen, so der Plan der 16 Mitglieder und des Internationalen Währungsfonds IWF.

Merkel: "Haben keine Zeit mehr"

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel will den Sondergipfel als Startschuss für eine tiefgreifende Reform des Euro-Stabilitäts- und Wachstumspaktes nutzen. Ohne eine derartige Änderung "geht es nicht", sagte Merkel beim Eintreffen im Brüsseler Ratsgebäude.

Sie zeigte sich erfreut, dass im deutschen Bundestag und zuletzt auch vom deutschen Bundespräsidenten die Hilfe für Griechenland beschlossen wurde. Athen selbst habe ein sehr anspruchsvolles Programm beschlossen. Insgesamt sieht Merkel drei wesentliche Punkte für die Zukunft, um aus der Griechenland-Krise zu lernen. So gehe es um eine Regulierung des Finanzmärkte. "Hier haben wir keine Zeit mehr", dies müsse rasch geschehen. Weiters gehe es nicht nur um den griechischen Haushalt, sondern auch um die Stabilität des Euro und schließlich sei eine Änderung des Stabilitäts- und Wachstumspakts notwendig. Heute werde man neben der Griechenlande-Hilfe eben über diese Maßnahme sprechen.

Krisen-Taskforce

Über ihre Forderung, Schuldenstaaten wie Griechenland künftig in eine geordnete Insolvenz rutschen zu lassen, wird vermutlich heftig gerungen. Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy pocht Merkel überdies darauf, die Aufsicht über Ratingagenturen nochmals zu verschärfen.

Am Freitag hieß es aus Ratskreisen, dass die Haushaltskontrolle der Euro-Länder durch die EU rascher als bisher geplant verschärft werden soll. Den Kern einer Reformgruppe ("Krisen-Taskforce" ) auf Finanzministerebene unter der Leitung des Ständigen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy werden dabei die 16 Mitglieder der Eurogruppe bilden. Österreich wird von Finanzminister Josef Pröll vertreten (siehe Interview). Mit diesen Zielsetzungen versammelten sich am Abend die Staats- und Regierungschefs aus der Eurozone. Pröll unterzeichnete dabei auch die Vereinbarung über österreichische Notkredite in Höhe von rund 2,3 Mrd. Euro an Griechenland.

Pröll will "schmerzhafte Sanktionen"

Der Finanzminister hat vor dem Sondergipfel "rigide Kontrollen und schmerzhafte Sanktionen" für Defizitsünder verlangt. Härtere - etwa von Deutschland ins Spiel gebrachte - Sanktionen wie der vorläufige Entzug des Stimmrechtes eines Defizitsünders oder die Streichung von EU-Subventionen wären nach Einschätzung von Diplomaten allerdings ohne eine EU-Vertragsänderung nicht machbar. Eine solche Änderung wäre nur mit Zustimmung aller 27 EU-Staaten zu machen und dürfte längerer Verhandlungen bedürfen. Bei Entscheidungen im Defizitverfahren hat das betroffene Land bereits heute kein Stimmrecht.

Die EU-Kommission will auch den präventiven Teil des Stabilitätspaktes stärken und am kommenden Mittwoch erste Vorschläge für mehr Haushaltskontrolle machen. Gerade von Deutschland gibt es aber Widerstand gegen Pläne, dass die EU-Kommission bereits frühzeitig in die nationale Budgetgestaltung einbezogen wird und Haushaltspläne zurückweisen könnte.

Faymann gegen Stimmrechtsentzug

Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat sich gegen den deutschen Vorstoß zum Stimmrechtsentzug von Defizitsündern ausgesprochen. Diese Diskussion müsse geführt werden, ein Stimmrechtsentzug wäre aber "übertrieben", weil die Länder ohnehin nicht mitstimmen könnten, wenn es um ihren Haushalt geht. "In Fragen, die mit Finanzen nichts zu tun haben, ein Stimmrecht zu ändern, halte ich für nicht sinnvoll", betonte Faymann vor dem Sondergipfel. Er könne sich auch im Moment nicht vorstellen, dass es eine EU-Vertragsänderung zu so einem Einzelpunkt gebe.

Faymann sagte, er erwarte, dass man andere Probleme mit Spanien und Portugal abwehren könne, insbesondere was die Spekulation betreffe. Es gebe Formulierungsvorschläge, wonach Länder, die in ihrem Rating herabgestuft werden, verstärkte Maßnahmen beim Defizitabbau setzen müssten. "Österreich ist davon nicht betroffen", betonte Faymann. Das österreichische Triple-A-Rating sei nicht in Gefahr.

Gegen ein Insolvenzrecht für Staaten sprach sich Faymann ebenfalls aus. Er plädierte dafür, dass die Banken Rücklagen schaffen sollten, dass sie Schäden selbst decken könnten. "Es geht ja in erster Linie, um Risken die Banken eingegangen sind. Wenn es für Banken geregelt ist, erübrigt es sich für Staaten", so der Kanzler.

Rückendeckung erhielt Merkel vom EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, Michel Barnier. Vorwürfe, die Kanzlerin habe durch ihr zögerliches Vorgehen die Krise verschärft, träfen "ganz und gar nicht" zu, sagte Barnier der "Frankfurter Rundschau" vom Samstag. Der französische Kommissar unterstützte auch Merkels und Sarkozys Forderung nach schärferen Sanktionen für Haushaltssünder. "Jeder muss wissen: Wer sich nicht an Regeln hält, verliert", sagte Barnier.

Finanzmärkte weiter turbulent

Die Finanzmärkte hält Griechenland indes weiter auf Trab. Selbst Anzeichen einer kräftigen Erholung der US-Wirtschaft haben die Nervosität an den internationalen Aktienmärkten nicht verdrängen können. Angesichts fortwährender Sorgen über die Schuldenkrise Griechenlands und die Haushaltslage weiterer Euro-Länder stürzten die Börsen durchgehend ab (Details siehe Marktberichte).  (red/APA)

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Alexander Patjomkin
00
10.5.2010, 13:52
Den griechischen Finanzministern sollte man den Wirtschaftsnobelpreis verleihen,

bei den Amerikanern ist ja schon lange ein Usus für solche Leistungen den Preis zu bekommen.

Verdad
11

Es gab KEINE Wirtschaftskrise, ist gibt KEINE Griechenland-Krise. Es gibt korrupte Politiker, raffgierige Banken und rücksichtslose Manager, die "Krise" in die Runde rufen (die Medien schreiben folgsam) und dann Milliarden auf die Seite schaffen.

Wir lange lässt ihr euch noch für dumm verkaufen ?

Der Zwilling vom Veit Sorger
04
WIR müssen den Gürtel enger schnallen!

Also ihr. Ich natürlich nicht.

lessismore
01

Irland hat mit seinem hochgelobten Sparprogramm ... sein Defizit mittlerweile VERDOPPELT.

Wie dumm dürfen Regierungen sein? Finanzminister?

Es gibt anscheinend keine Grenze nach unten ...

jacques05
03
diese unsäglichen satrapen...

fischer und faymann.
sozialdemokraten.
kein wort faymanns, die anleger die rechnung bezahlen zu lassen.
statt dessen die kleinen leute bluten lassen.
und erst fischer, der "marxist".
bei der streichung des 13. und 14. könne man halt nichts machen.
und bei uns laufen die defreudanten frei herum, halten gott und die welt zum narren.
diese personen gehörten sofort aus der sp ausgeschlossen.

carbonara
11
Pröll will "schmerzhafte Sanktionen".Der Finanzminister hat vor dem Sondergipfel "rigide Kontrollen und schmerzhafte Sanktionen" für Defizitsünder verlangt."


Jetzt will uns der Herr Pröll also "rigide Kontrollen und schmerzhafte Sanktionen" auf´s Aug´ drücken.

Zur Erinnerung: Maastricht-Kriterien
Neuverschuldung max. 3% des BIP
Staatsverschuldung unter 60% des BIP

Hier die Zahlen (2009) für Österreich:

Öffentliches Defizit (2009) 3.4 % des BIP
Staatsschulden (2009) 66.5% des BIP.

nukularteilchen
10

Mir kommt langsam eine Ahnung warum die EZB in letzter Zeit ein paar deutsche Notendruckmaschienen gekauft hat und 500 Milliarden an 200 und 500 € Noten drucken lies. Am Notenverschleis dieser Scheine kanns ned liegen. In der Statistik gabs in letzter Zeit keine gravierenden Umtausche dieser Scheine.

CrispyKing
00
Quantitative Easing..

wäre nun die letzte Option, um das System zu retten. Wenn dieser Schritt seitens der EZB in den nächsten Tagen, spätestens jedoch in 2-3 Wochen nicht erfolgt, kollabiert unser System und wir haben einen Supergau, welche die Lehman-Pleite um ein vielfaches übertifft. Folge wäre: Game Over. Dann können sie sich auch das Drucken von physischen Banknoten ersparen, denn diese wären dann ohnehin wertlos.

manfred maier
13
und wieder wird tatkräftig ein eindämmen der (us) spekulanten versprochen....!

...hatten wir dies nicht bereits?
WO ist denn die unabhängige ratingagentur, WO das verbot von lerrverkäufen, CDS, etc....WO die finanztransaktionsteuer,...?????
braucht es wieder "argumente" um die neuerliche plünderung der ohnehin lerren staatskassen zu argumentieren oder erwacht endlich so etwas wie ein selbsterhaltungstrieb gegen den gierigen "freund"namens USA?
WAS würde im umgekehrten falle egschehen?....wieviele "untersuchungen" mit folgenden "bussen" gegen die täter würden in den USA folgen?...gebe es garkriegsdrohungen von seiten des bankrotten us imperiums...?
es muss sich aus geplündert haben! stoppt endlich den finanzterror aus gottes bankrottem land!

p.worx
00
30.6.2011, 10:10
alles richtig

nur beachten - die selben "Vampire squids" plündern auch die USA !
Momentan verlegen sie gerade ihre "Kernkompetenz" nach Singapore - 1000e Jobs. Vermutlich wird ihnen auch in den USA der Boden zu heiß.
Nachwievor kontrollieren und dominieren sie das (Finanz)System und die Politik.

linker Schlechtmensch
02
Wie schlau

doch alle sind, die in der Eu nicht den Euro haben. Die brauchen jetzt nicht Milliarden an ein Pleiteland zahlen und können ihre Schulden durch Geldentwertung verringern

Niki Si
01
Wer soll das noch verstehen?

Heute in der Presse:

http://diepresse.com/home/wirt... hannel=573

Kann man so etwas überhaupt noch verstehen???

hugo stronach
00
10.5.2010, 16:19
versteh ich auch nicht so recht...

verdiene meine Brötchen deppert aber ehrlich!
aber eines weiß ich mit Sicherheit, Kaliber wie den Latsi bräuchten wir in der EU Spitze!

CrispyKing
01
..

Hier werden wieder mal Äpfel mit Birnen verglichen, um einen schönen Aufmacher zu haben. Bei Spiros Latsis 60 Mrd handelt es sich um Privatvermögen, ob das jetzt in der Schweiz oder in Luxemburg herumliegen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Genau so wie man die 2,2 Mrd. Staatshilfe für Griechenland aus dem Steuertopf nicht mit den 5 Mrd. an griechischen Anleihen aufwiegen darf, die österreichische Banken in den Büchern stehen haben. Sollte es eine Umschuldung geben, beträfe das in erster Linie die Besitzer der Anleihen. Hier wird also Privatbesitz mit Steuergeldern subventioniert.

Regis 1
11
frage

und das latsis und barroso duzfreunde seit gemeinsamen studienzeiten sind, herr barroso seinen urlaub auf der privatjacht des herrn latsis macht - kein problem? hatten wir das nicht auch schon in österreich? oder glauben sie wirklich, dass die sich damals auf der jacht nur übers wetter unterhalten haben (es gilt - wie immer bei khg .. :-) - die unschuldsvermutung)...

Regis 1
01
Kann man so etwas überhaupt noch verstehen???

danke für den link!

wieso habe ich gerade dieses ungute gefühl, dass wir von barroso, latsis und co. gewaltig besch*** werden?

Harmagedon61
00
Auch das deutsch Bundesvervassubgsgericht stimmtzu. Eilantrag gegen die Griechenlandhilfe abgelehnt!

Das Bundesverfassungsgericht hat die deutsche Griechenland-Hilfe nicht gestoppt. Der Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung wurde abgewiesen. Eine Gerichtssprecherin sagte, es werde keine einstweilige Anordnung gegen das Gesetz erlassen.
http://www.tagesschau.de/wirtschaf... ge100.html

Politiker UND Richter, alle unter einer EU-Decke!

jacques05
11
hier wäre wieder ein anlass,...

die rolle von höchsgerichten, ja den gesamten aufbau
der rechtssysteme in eu zur diskussion zu stellen.
das deutsche höchstgericht beweist wieder einmal, auf wessen seite es steht.
mit demokratie und rechtsstaat hat das nichts mehr zu tun.

Der User ohne Recht auf freie Meinungsäußerung
01
Und zwar mit einer tollen Begründung!

Angenommen, jemand erhält Kenntnis von einem Raubüberfall. Ein Gericht entscheidet, dass man nicht eingreifen dürfe, weil der Überfall sonst gefährdet sei...

system1
10
in D werden derzeit im rahmen eines

sagen wir mal "geheimen" projektes die druckplatten der D-Mark komplett neu überarbeitet. neue sicherheitsmerkmale hinzugefügt etc... wer da jetzt schlimmes denkt.....offiziell nur zur übung....

Comical Rompuy
00
Glaubt diese Lügen nicht!

We have everything under control!

peace & love
00
und im juli ...


... ist spanien dran.

interventionismus funktioniert nicht, das sollten unsere politiker eigentlich schon auf der uni gelernt haben.

good vibration
01
Der "freie Markt" mitsamtder Wachstumstheorie funktioniert noch schlechter

Es gibt zu viele kranke, unsinnige, kurzlebige Produkte

peace & love
11
solange eine 'zentralbank' ...


... den geldwert bestimmt, ist der resultierende markt nicht frei. interessanter artikel : http://www.acting-man.com/?p=243

Psychotic
00
der Euro ist bald Geschichte

wenn es so weiter geht, ist der Euro gegenüber dem Dollar nur noch ein paar Cent wert,ist natürlich gut für die Schulden, der IWF geht dann hin und wertet erstmal alle Währungen ab,ist schlecht für Sparer aber die sind selber schuld.
im übrigen gibts dafür eine menge Geld wenn man auf den Kolaps des Euro setzt.
Was jetzt fehlt ist ein neuer 11.09

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