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Der Neandertaler in uns

Klaus Taschwer, 06. Mai 2010 20:17
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    apa/mpg/frank vinken

    Haben sie, oder haben sie nicht? Das war eine der Fragen. Svante Pääbo fand in der Neandertaler-DNA die Antwort.

Forscher haben 60 Prozent des Neandertaler-Genoms sequenziert - Vergleiche mit der Erbsubstanz heutiger Menschen zeigen: Neandertaler und Homo sapiens haben sich nach dem Verlassen Afrikas gepaart

Leipzig/Wien - Sie haben es also doch miteinander getrieben, vermutlich nicht allzu häufig, aber genetisch nachhaltig. Bislang gab es nur vage Vermutungen, dass sich unsere Vorfahren mit unseren nächsten Verwandten, den vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Neandertalern, gepaart haben könnten. Nun ist es bewiesen - und das ist die eigentliche Sensation des heute veröffentlichten Entwurfs der Neandertaler-Gensequenz.

Einer, der davon am meisten überrascht war, ist Svante Pääbo, Paläogenetikpionier und Hauptbetreiber des vor vier Jahren begonnenen Projekts. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig konnte und wollte es lange selbst nicht glauben, wie er bei einer Telefon-Pressekonferenz am Mittwoch gestand. Doch dann hätten ihn die Daten und die Kollegen endgültig davon überzeugt.

Die Beweise finden sich in den drei Milliarden Basenpaaren, die das Forscherteam um Pääbo, Richard Green von der kalifornischen Universität in Santa Cruz und David Reich von der Harvard Medical School aus rund 400 Milligramm Neandertaler-Knochen rekonstruiert haben. Entnommen wurde das Material vor allem den Schienbeinen dreier weiblicher Neandertaler aus dem heutigen Kroatien.

Viel gemeinsame DNA ... 

Die drei Milliarden Basenpaare sind zwar nur 60 Prozent der gesamten Erbsubstanz. Doch im Vergleich mit den vollständig sequenzierten Genomen fünf heute lebender Menschen aus Europa, Asien und Afrika sowie im Vergleich zum Schimpansen-Genom helfen sie, einige der spannendsten Fragen der Anthropologie zu beantworten: Worin liegen die genetischen Gemeinsamkeiten zwischen dem Neandertaler und uns? Welche Unterschiede machen uns Menschen zu Menschen? Und eben: Hatten unsere Vorfahren Sex mit den Neandertalern?

Laut den neuen Genom-Analysen, die in der heutigen Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science (online) veröffentlicht werden, dürften ein bis vier Prozent der DNA der heute lebenden Menschen vom Neandertaler stammen - freilich mit einer großen Ausnahme: "Jene Menschen, die südlich der Sahara leben, weisen keine Spuren der Neandertaler-DNA auf", so Svante Pääbo. Mit anderen Worten, die ewig gestrigen Rassisten wenig gefallen werden: In den Europäern steckt einiges vom Höhlenmenschen, in den Afrikanern nicht.

Unsere ausgestorbenen Verwandten hinterließen aber auch bei Ostasiaten und Menschen aus dem pazifischen Raum ihre genetischen Spuren, was insoferne überrascht, weil in Ostasien noch nie Neandertaler-Relikte gefunden wurden. Für Pääbo ist das freilich leicht erklärbar: "Die Neandertaler vermischten sich mit dem modernen Menschen wahrscheinlich, bevor sich Homo sapiens weiter aufspaltete und sich über den Globus ausbreitete." Diese Vermischung dürfte demnach vor 50.000 bis 100.00 Jahren im Nahen Osten geschehen sein, wo moderne Menschen und Neandertaler zeitlich überlappend lebten.

... und unterschiedliche Gene

Mithilfe des Neandertalergenoms gelang es den Forschern auch, die erste Version eines Katalogs genetischer Merkmale zu erstellen, die in allen Menschen unserer Zeit vorhanden sind, bei Neandertalern jedoch fehlen. In solchen möglichen Anhaltspunkten für eine positive Selektion kurz nach der Trennung der beiden Spezies vor 300.000 bis 400.000 Jahren liegt für Pääbo die zweite faszinierende Aspekt des Projekts.

Insgesamt fanden sie "nur" 212 Genom-Regionen mit Abweichungen dieser Art, darunter befinden sich drei Gene, die sich nach der Mutation auf die geistige und kognitive Entwicklung auswirkten. Diese Gene haben mit Down-Syndrom, Schizophrenie und Autismus zu tun.

Unter den anderen 20 Regionen auf dieser Liste befand sich auch ein Gen, das beim Energiemetabolismus eine Rolle spielt, sowie ein weiteres, das die Entwicklung des Schädelskeletts, des Schlüsselbeins und des Brustkorbs beeinflusst. Diese Gene haben die Aussichten des frühen Menschen auf ein Überleben oder Fortpflanzen wohl auf irgendeine Weise verbessert. Auf welche Weise genau, muss erst noch erforscht werden. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. Mai 2010)

Kommentar posten
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Per Lennart Aae
 
27.12.2011 17:12
Was ist aus den Mitochondrien-Befunden geworden?

Die lange Zeit als der Wahrheit letzter Schluß vertretene reine Out-of-Africa-Theorie, die ja wesentliche Neanderthal-Erbanteile in Teilen der modernen Menschheit und die damit verbundene Vermischung ausschließen mußte, wurde. meiner Erinnerung nach, vor allem mit Mitochondrienanalysen begründet. Bekanntlich vererben sich diese Zellbestandteile nur über die Mutterlinie. Wenn jetzt die Analyse des gesamten Neanderthalgenoms zeigt, daß doch eine Vermischung stattgefunden und Spuren hinterlassen hat, und gleichzeitig auch die Mitochondrienanalysen nach wie vor stimmen, läßt dies m.E. nur einen Schluß zu: Neanderthalmänner haben Cro-Magnon-Frauen geschwängert, Cro-Magnon-Männer aber kaum Neanderthalfrauen.
Wer kann dazu etwas sagen?

Per Lennart Aae
 
27.12.2011 16:59
Relativierung der Out-of-Africa-Theorie

Die Forschungsergebnisse relativieren die sogenannte Out-of-Africa-Theorie, nach der die gesamte heute lebende Menschheit aus einer einzigen hominiden Menschenart hervorgegangen sei, nämlich der sich von Ostafrika ausbreitenden Homo sapiens sapiens, während andere, ebenfalls aus dem Homo Erectus hervorgegangenen hominiden Arten, wie eben der Neanderthaler, keinerlei Spuren im heutigen Menschen hinterlassen hätten.
Diese Theorie war lange Zeit besonders deswegen ideologisch sehr beliebt, weil sie angeblich dem "Rassismus" entgegenwirke. Jetzt wird auch die neue Theorie ideologisch interpretiert, nämlich indem die Europäer als Abkömmlinge von Höhlenmenschen bezeichnet werden. Auch eine Art Rassismus, aber ein sehr unsachlicher!

MagnaMater
14.05.2010 19:55

Hm. Gesamt DNA oder nur mt? - Seh ich das richtig, das sind mal drei getestete frauen... Was ist mit männern?

baroli
14.05.2010 19:58

...die stammen sowieso in direkter Linie vom Neandertaler...sieht man doch...

MagnaMater
14.05.2010 20:45

DAS hab ich jetzt nicht gsagt... *treuherzig blinzel*

baroli
14.05.2010 21:08

...jaja, aber mir in den Mund gelegt. ;-)

popokatepetl
13.05.2010 10:30
Verstehe. und die Junge ÖVP ist wohl die Kinderkrippe für den Nachwuchs aus dieser Liaison...

Fetz Pepi
11.05.2010 11:09
erinnert mich

Im Alten Testament vor dem Bericht über die Sintflut ist eine Textpassage die davon berichtet dass es " in jenen Tagen Riesen gab die die Helden der Vorzeit gewesen seien, und dass sie Kinder gehabt hätten die die Menschentöchter , die sich mit ihnen eingelassen hätten, ihnen geschenkt haben."

epep
11.05.2010 17:05
jo, nur das neanderthaler..

..kleiner waren als der mensch, nur etwas fester.

vielleicht die bibel doch kritisch lesen und nicht wortwörtlich und dabei kräftig schnaps saufen, denn wie man auf diese variante kommt, da muß man schon einige promille haben..

Posten schadet der Gesundheit
10.05.2010 21:05
hier der abstruseste artikel zum thema,

da stellts einem die haare auf. deppade rassisten gibts weltweit - hier ein kommentar eines ghanaischen uni-professors.
http://www.modernghana.com/news/2746... binos.html

Nick Tameer
15.05.2010 21:36

Wundert es sie, dass minderwertige Rassen rassistisch sind?

johann potakowskyj
 
10.05.2010 20:58
na klar

dieser homo sapiens sind halt periodisch auf sexurlaub ins neandertal geritten.
seit menschengedenken ist der schon so eine geile sau.

Posten schadet der Gesundheit
10.05.2010 20:22
moment mal,

hat gott dem neandertaler eigentlich auch eine seele eingepflanzt? oder wie genau funktioniert das jetzt nochmal?!
sollte er keine seele haben, komme ich jetzt nur mit einer grundwahrscheinlichkeit von 99-96% in den himmel/hölle und lande andernfalls im gottlosen nirvana? hat ein südafrikaner eine bessere ausgangsposition? wer gewinnt jetzt die wm? alles sehr verwirrend, ich hoffe der papst schafft hier klarheit sobald er dieses andere problem gelöst hat..

Igor Gassner
11.05.2010 11:51
Jedes Lebewesen hat eine Seele

eine Nachlebensenergieemination im Feinstofflichen Bereich wenn sie es modern formuliert haben wollen.

epep
11.05.2010 17:09
oder das hganze ist doch schmafu..

"Nachlebensenergieemination im Feinstofflichen Bereich"

hä???? jetzt erklären sie uns das ncoh. was ist denn nun der "feinstoffliche bereich"?

Nick Tameer
12.05.2010 09:30

Ich kann mich nie des Eindrucks erwähren, dass es in der Esoterik - mögen Methoden und Lehren auch noch so verschieden erscheinen, das Ziel ist in der Essenz das gleiche - letztlich darum geht, den Fluss positiver Energien derart anzuregen, dass sich letztlich viel feinstoffliche Substanz auf einem Bankkonto konzentriert.

Cthulluh
11.05.2010 09:56
...und schuf den Neandertaler nach seinem Ebenbild...

...soweit der Originaltext. Kam so natürlich nicht durch die gestrenge Prüfung der abrahamitischen Zensoren und wurde etwas angepasst.

epep
11.05.2010 17:10
nö, in wirklichkeit war die gottesschöpfung auf den neanderthaler ausgelegt..

..leider blieben nur die telefondesinfizierer zurück.

F G
10.05.2010 14:18
Und wenn wir aus Afrika draußen sind,

ruf mich einfach an.

Armin Wilhelm Kolprat
09.05.2010 11:54
Hat man diesbezüglich

auch den Arni Schwarzenegger schon genetisch getestet?

Frankensteins Fekternich
10.05.2010 15:58
Warum Schwarzenegger?

Harald Vilimsky wäre ein viel geeigneter Proband!

kmmm
10.05.2010 16:27
und da wären noch

ein iraner, ein libyer usw ...

Dwuulit
08.05.2010 23:20

Ist nicht die Tatsache eines genetischen Unterschieds zwischen Afrikanern und Europäern Wasser auf die Mühlen der Rassisten? Gibt es Menschenrassen?

Nick Tameer
09.05.2010 10:15
Lieb' Dwuulit, magst ruhig sein:

Bevor Leute mit Auftreten dumpfer Schlagetots als "Neandertalerfront" oder ähnliches firmieren könnten, ohne völlig der Lächerlichkeit anheim zu fallen, müsste das Neandertaler-Image erst einmal stark verbessert, ja geradezu umgekrempelt werden. Außerdem bliebe die Begründung der eigenen genetische Überlegenheit nebst der Ablehnung von "Rassen"mischungen ausgerechnet durch eine prähistorischen Rassenmischung nicht nur in der Tendenz stets kontraproduktiv, sondern wäre auch für den Durchschnittsrassisten überhaupt eine nicht zu bewältigende intellektuelle Herausforderung.

Fazit: allenfalls als, noch dazu prekäres, rassistisches Minderheitenprogramm, keinesfalls als Breitensport geeignet.

Nick Lenau
 
08.05.2010 22:27

Glaube Sie wirklich, daß Rassisten ungern hören, daß sich sich von Afrikanern genetisch unterscheiden? Ist das nicht eine Bestätigung für der Ansicht, ämlich daß es Menschenrassen gibt?

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