57-Jähriger soll sogenannte Todesflüge ausgeführt haben
Buenos Aires - Ein niederländischer Pilot, der für die
argentinische Militärdiktatur (1970 bis 1983) sogenannte Todesflüge
ausgeführt haben soll, ist von Spanien an Argentinien ausgeliefert
worden. Julio Alberto Poch, der sowohl die niederländische als auch
die argentinische Staatsbürgerschaft hat, kam am Donnerstag in der
Hauptstadt Buenos Aires an, wie aus Justizkreisen verlautete. Er
solle am Freitag von dem Richter Sergio Torres angehört werden, der
die Auslieferung des 57-Jährigen beantragt hatte.
Poch soll zur Zeit der argentinischen Militärjunta als Pilot
auf
dem Luftwaffenstützpunkt der Marine-Technikerschule ESMA in Buenos
Aires gearbeitet haben, damals eines der größten Gefängnisse und
Folterzentren des Landes. In der Zeit verschwanden schätzungsweise
30.000 Menschen spurlos. Viele von ihnen wurden betäubt und aus
Flugzeugen in den Rio de la Plata geworfen. Poch soll für den Tod von
1000 Menschen mitverantwortlich sein.
Poch, der zuletzt als Pilot für die niederländische
Billigfluggesellschaft Transavia arbeitete, war im vergangenen
September auf dem Flughafen der spanischen Stadt Valencia
festgenommen worden, als er in die Niederlande fliegen wollte.
Bei einer Anhörung in Madrid im Jänner dieses Jahres hatte
Poch,
ehemaliger Leutnant der argentinischen Marine, erklärt, er werde sich
nach Argentinien begeben, um sich dort "verteidigen zu können". Nach
Angaben von Pochs Anwälten befindet sich sein Name nicht auf der
Liste der ESMA-Offiziere. (APA)