Niederländischer Ex-Marineleutnant nach Buenos Aires ausgeliefert

6. Mai 2010, 20:06

57-Jähriger soll sogenannte Todesflüge ausgeführt haben

Buenos Aires - Ein niederländischer Pilot, der für die argentinische Militärdiktatur (1970 bis 1983) sogenannte Todesflüge ausgeführt haben soll, ist von Spanien an Argentinien ausgeliefert worden. Julio Alberto Poch, der sowohl die niederländische als auch die argentinische Staatsbürgerschaft hat, kam am Donnerstag in der Hauptstadt Buenos Aires an, wie aus Justizkreisen verlautete. Er solle am Freitag von dem Richter Sergio Torres angehört werden, der die Auslieferung des 57-Jährigen beantragt hatte.

Poch soll zur Zeit der argentinischen Militärjunta als Pilot auf dem Luftwaffenstützpunkt der Marine-Technikerschule ESMA in Buenos Aires gearbeitet haben, damals eines der größten Gefängnisse und Folterzentren des Landes. In der Zeit verschwanden schätzungsweise 30.000 Menschen spurlos. Viele von ihnen wurden betäubt und aus Flugzeugen in den Rio de la Plata geworfen. Poch soll für den Tod von 1000 Menschen mitverantwortlich sein.

Poch, der zuletzt als Pilot für die niederländische Billigfluggesellschaft Transavia arbeitete, war im vergangenen September auf dem Flughafen der spanischen Stadt Valencia festgenommen worden, als er in die Niederlande fliegen wollte.

Bei einer Anhörung in Madrid im Jänner dieses Jahres hatte Poch, ehemaliger Leutnant der argentinischen Marine, erklärt, er werde sich nach Argentinien begeben, um sich dort "verteidigen zu können". Nach Angaben von Pochs Anwälten befindet sich sein Name nicht auf der Liste der ESMA-Offiziere. (APA)

robert king
00
12.5.2010, 08:11
1970 - 1982?


1970 war der bub gerade mal 17 jahre alt. hier wird wohl ein handlager zur befriedigung der öffentlichkeit vorgeführt. seine ausbildner und führungsoffiziere sollten jedenfalls zuerst vor gericht gestellt werden.

es zeigt aber, wozu ein unmenschliches system heranwachsende verleiten kann.

Ernst Guevara
01
12.5.2010, 10:09
die militärdiktatur

dauerte aber von 1976-83. demnach war er zum zeitpunkt der todesflüge schon 23 jahre alt.

Ernst Guevara
03
gut so! die zeit der straflosigkeit für verbrechen gegen die menschenrechte ist in lateinamerika vorbei. so mancher täter wird jetzt nicht mehr von der justiz in ruhe gelassen wie unter den konservativen regierungen noch üblich.

das mag auch als signal verstanden werden, damit potentielle zukünftige kriminelle uniform- und krawattenträger es sich zweimal überlegen, ob sie mal wieder die demokratie ausser kraft setzen und die andersdenkenden in scharen massakrieren sollen. der jahrzehntelange kampf der sozialen bewegungen für die menschenrechte war also nicht völlig vergebens. aber es gibt noch viel zu tun, in guatemala und anderen ländern können die verantwortlichen für die massaker und andere verbrechen unbehelligt ihre staatliche pension geniessen. die lage in kolumbien und peru und der putsch in honduras zeigen, dass die politische rechte aber weiterhin an verhältnissen festhalten will, wo andersdenkende einfach verschleppt und ermordet werden.

Clemens Schwarz
20
Was ist mit den Piloten, die die Atombombe abgeworfen haben, die haben sich Orden bekommen und wir verehren sie noch immer.

Die Systeme sind pervers und korrupt.

Clemens Schwarz
20
genauso könnte man jeden soldaten, der im 2.WK war verhaften lassen, wenn das die einzigen Anklagepunkte sind

sicherlich müsste man ihm und jeden Soldaten zur Rechenschaft ziehen und ihnen das Leid, dass sie verursacht hat vor Augen führen. Darüber besteht keinen Zweifel, aber die Infos oben sind dürftig.

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