"Little Buddha" für die Kleinen

6. Mai 2010, 20:11
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Die letzten Veranstaltungen im Szenelokal sind Trinkfeste für Minderjährige

Wien - Die viereinhalb Meter hohe Buddhastatue im Eingangsbereich des Szenelokals "Little Buddha" am Lugeck strahlt zwar noch immer Ruhe und Gelassenheit aus, bei den Betreiben kann davon aber schon lange keine Rede mehr sein: Demnächst sollen die Pforten der dreistöckigen "Lightversion" der Pariser "Buddha-Bar" im ersten Bezirk endgültig schließen. In den letzten Wochen vor dem Aus scheint jedes Mittel recht, um den Umsatz noch ein wenig zu steigern. Um junges Publikum anzulocken, nimmt man sogar die Jugendschutzbestimmungen nicht mehr so genau.

Jugendliche, die vor kurzem eine Veranstaltung im Little Buddha organisierten, kündigten über Facebook an, durch Vereinbarung mit den Betreibern für erleichterte Ausweiskontrollen bei ihrem Event gesorgt zu haben. Ihr Zielpublikum war offensichtlich noch zu jung, um am Abend eine Bar zu besuchen oder Alkohol zu konsumieren. Der Manager wusste davon angeblich nichts, der Betreiber selbst wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. "Jeder weiß, dass man ins Little Buddha nur sehr schwer hineinkommt. Deshalb haben wir mit dem Betreiber vereinbart, dass am Eingang kein Türsteher steht", so einer der Organisatoren.

Trotzdem blieben die Gäste aus: Zwar haben im Vorfeld fast 300 der Eingeladenen über Facebook angegeben, dass sie die Veranstaltung im Little Buddha besuchen werden, gekommen sind nur etwa 60. Laut Türsteher habe es in den letzten Wochen mehrere Events gegeben, bei denen auch "sehr junge Gäste dabei waren". "Die Veranstalter können selbst bestimmen, ob sie einen Türsteher wollen oder nicht, sie können ihn auch selbst mitbringen", erklärte er.

Der Erfolg der Buddha Bar, die von der MedoxRestaurant und Hotelbetriebs GmbH als Franchise-Unternehmen geführt wird, war seit der Eröffnung Anfang 2008 nur mäßig. Auch ein versuchter Neustart nach Totalrenovierung und Austausch des Personals im August 2009 scheiterte.

Restaurant und Sushi-Bar des dreistöckigen Lokals wurden schon im Jänner dieses Jahres aufgegeben. Nun soll auch die seither an drei Tagen der Woche geöffnete Bar "The Lounge" im Untergeschoss des denkmalgeschützten Hauses am Lugeck geschlossen werden, wie der Manager des Lokals bestätigte.

Bis dahin können die Räumlichkeiten der drei Etagen noch für Veranstaltungen gemietet werden, und zwar offensichtlich „egal von wem und egal für welches Event", wie auch der Barkeeper der Lounge die missliche Lage beschreibt. Die über Facebook angekündigten Veranstaltungen, bei denen Jugendliche ihre virtuellen Freunde zu einem Abend ins Little Buddha laden, können die Szene-Bar offenbar aber auch nicht retten. Das Konzept der ansonsten international erfolgreichen Restaurantkette in Wien hat nicht angeschlagen - da können wohl auch fragwürdige Methoden nichts mehr ändern.  (Sophie Neuner/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Mai 2010)

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