Was kostet die Blondinenzucht

6. Mai 2010, 19:31
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Landesrechnungshof prüft die Finanzen des Tiroler Haflingerverbandes

Innsbruck - In seltener Einigkeit organisierte die Opposition im Tiroler Landtag - Liste Fritz, Grüne und FPÖ - eine Sonderprüfung des Fohlenhofes Ebbs durch den Landesrechnungshof: Immerhin ist dieser die traditionelle Zuchtstätte des klassischen Tiroler Pferdes, des Haflingers. Auch der Zeitpunkt für die Suche nach 1,2 Millionen Euro Fördergeldern ist brisant, findet doch in wenigen Wochen, von 2. bis 6. Juni, die Haflinger-Weltausstellung in Ebbs statt. Erwartet werden an die 1000 der schönsten Tiroler "Hafis", "gebraucht" werden an die 50.000 Haflinger-Fans, um die Kosten der Veranstaltung zu decken. Und das, obwohl die Züchter der auserwählten Pferde auf eigene Kosten nach Ebbs reisen. Billig macht es der Verband seinen Züchtern nicht: Werden zwei oder mehr Rösser für die Weltausstellung ausgesucht, bekommt trotzdem nur eine Person gratis Zutritt zur Veranstaltung. Weitere Helfer, etwa zum nicht unkomplizierten Verladen oder Herrichten der Pferde, müssen Eintritt zahlen.

Steuern für Privatfirma

Bis zum Herbst sollen die Finanzen des Haflingerzuchtverbandes laut Zeitplan des Landesrechnungshofes offengelegt sein. Mit der Summe von 1,2 Millionen Euro wurde die traditionelle "Blondinenzucht" zwischen 2008 und 2010 vom Land gefördert. Wofür genau die Gelder geflossen sind, sei aber unklar. Darüber sind sich die Klubobleute der Oppositionsparteien einig. "Die Finanzen des Fohlenhofes sind bisher überhaupt noch nie genau geprüft worden", wundert sich Bernhard Ernst von der Liste Fritz.

Mitgeprüft werden auch die Verflechtungen aller irgendwie an der Haflingerzucht beteiligten Firmen. Besonders freut sich Ernst auf die Prüfung der Firma "Imex" (Haflinger Im- und Export Ges. m. b. H.): Diese gehört dem ehemaligen VP-Nationalrat Johannes Schweisgut. Der ist "oberster Haflingerzüchter" Tirols - ohne ihn gehe gar nichts, heißt es unter Züchtern. Wie gut Tiere bei der obligaten Kontrolle durch die offiziell unabhängige Zuchtkommission bewertet werden, entscheide schlussendlich er.

Zuchtkriterien hin oder her, es sei für einen erfolgreichen Züchter "besser", mit Schweisgut befreundet zu sein, heißt es aus Zuchtkreisen. Dieser steht jetzt quasi im Mittelpunkt der Sonderprüfung durch den Landesrechnungshof. Schweisgut ist nicht nur Präsident der Welthaflingervereinigung, sondern auch Geschäftsführer des Haflingerpferdezuchtverbandes Tirol, Leiter des Fohlenhofes Ebbs, als Zuchtleiter Angestellter der Landwirtschaftskammer Tirol, dazu auch unbeschränkt haftender Gesellschafter der Haflinger Im- und Export GmbH (Imex).

Um Schweisguts Imex gibt es viele Gerüchte: Ursprünglich sei die Firma gegründet worden, um die Nachfrage nach dem Haflinger hoch zu halten: So wurde etwa jedem Züchter garantiert, dass er sein Fohlen bei der alljährlichen Versteigerung im September auch verkaufen könne. Gab es keinen Käufer, sprang Imex ein. Mittlerweile soll die Firma finanziell schwer angeschlagen sein und deshalb in den Haflinger-Pferdezuchtverband integriert worden sein. Dadurch würden die Steuerzahler mit ihren Fördergeldern auch für eine private Firma zahlen, kritisiert Bernhard Ernst: "Das gehört klar aufgezeigt und sauber getrennt."

Sauer sind mittlerweile auch die Züchter. Immer öfter regt sich Widerstand, immer mehr treten aus dem Zuchtverband aus. Früher habe der kleine Bauer Haflinger gezüchtet, mittlerweile könne man sich das aber nicht mehr leisten. Züchten sei mittlerweile schlicht uninteressant, weil zu teuer. Das Geld mit den blonden Pferden verdiene der Verband, nicht der Pferdezüchter. (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Mai 2010)

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