Währungen, Strafzölle und andere Konflikte

6. Mai 2010, 19:30
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Der Yuan gilt als unterbewertet, was nicht nur Industriestaaten verärgert

Der Streit ist Legende, eine Lösung ist Wunschdenken. Der Kurs des Yuan, der de facto an den Dollar gebunden ist, scheint angesichts des atemberaubenden Aufschwungs Chinas ökonomisch schwer argumentierbar zu sein. Manche Experten, wie etwa jene des einflussreichen Peterson Institutes, haben errechnet, dass eine Aufwertung des Yuan um 40 Prozent adäquat wäre.

Doch Peking weist jegliche Einmischung in seine Währungspolitik zurück. Was wiederum Washington verstört: Neben regelmäßigen Apellen des Kongresses, China zur Räson zu bringen, gießen auch Ökonomen Öl ins Handelsfeuer: Nobelpreisträger Paul Krugman sprach sich kürzlich für 25-prozentige Strafzölle auf chinesische Importe aus, sollte Peking an seiner Dumping-Währung festhalten. Längst ist die EU in den Kanon eingestimmt. Mehr noch: Auch andere Schwellenländer haben ihre liebe Müh mit dem schwachen Yuan, der die Importe aus China ankurbelt. Indien hat das Reich der Mitte ebenso zur Aufwertung aufgefordert wie Brasilien - beide Länder haben wie auch Russland seit Ausbruch der Wirtschaftskrise massiv zum Dollar und damit zum Yuan aufgewertet und liegen damit in der Gunst des Währungsfonds, der sich vom flexiblen Wechselkursmechanismus ein stabileres, globales Gleichgewicht erwartet.

Hohe Dollarbestände

Doch eine striktere Vorgangsweise gegenüber Peking könnte kontraproduktiv sein. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass China auf internationale Einmischung besonders beharrlich reagiert. Zudem würden die hohen Dollarbestände Pekings von zwei Billionen Dollar entwertet. Selbst wenn die Währung zulegen sollte, könnte das weltwirtschaftlich Nachteile mit sich bringen. Derzeit fungiert das Land mit Importzuwächsen von zuletzt 65 Prozent als globale Konjunkturlokomotive. Ein stärkerer Yuan könnte diese Entwicklung dämpfen.

Neben dem starken Wachstum sind auch steigende Zinsen zur Inflationsbekämpfung ein Grund dafür, dass internationales Kapital zusehends in die Schwellenländer fließt. Indien etwa hat die Zinsen bereits erhöht, und die Rate wird laut einer Analyse der Bank HSBC in den nächsten zwölf Monaten um weitere 1,5 Prozentpunkte steigen. Brasilien hat erst vergangene Woche den Leitsatz scharf auf 9,5 Prozent erhöht.

Somit steigt auch die Gefahr der Blasenbildung. Deshalb weicht der IWF seine ablehnende Haltung zu Kapitalverkehrskontrollen, wie sie Brasilien einführte, trotz seines Plädoyers für freie Wechselkurse zusehends auf. (as, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.5.2010)

 

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