Launiger Reigen nach Goethe

6. Mai 2010, 19:31
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"Stella" im Linzer Posthof

Man nehme einen unwiderstehlichen Mann sowie drei ihm verfallene Frauen und lasse sie aneinander und an der Situation verzweifeln. So lautete die Rezeptur für "Stella", das der junge Goethe als Schauspiel für Liebende titulierte. Jedoch musste der ursprüngliche polygame Schluss zum tragischen Ende samt Doppelselbstmord mutieren, um unter den Zeitgenossen Anklang zu finden.

Das Razumovsky-Ensemble debütiert im Posthof nun mit der Originalversion von 1775, die lustvoll in assoziative Situationen zerlegt wird. Den Tanz rund um eine goldene Lamettasäule (Ausstattung: Ariane Salzbrunn) inszeniert Regisseur Reinhard Göber als launigen Reigen, der vor Sturm und Drang triefenden Geschichte lässt er reichlich Ironie angedeihen.

Der Frauenheld Fernando (Hakon Hirzenberger) ist ein abgehalfterter Cowboy der Herzen, durch die er vornehmlich mit einschlägigem Liedgut vagabundiert. Und zu Tower of Song darf Töchterchen Lucie (Julia Rosa Stöckl) Background-Geträller beisteuern. Die eigentlichen Konkurrentinnen sind jedoch Lucies Mutter Cäcilie (Irene Christ) und die Baronesse Stella (Gudrun Tielsch). Sie verstehen sich auf Anhieb, die Erfahrung des gebrochenen Herzens eint - solange, bis der Herzensbrecher wieder in ihr Leben tritt.

Nach ein wenig Ohnmacht und Tragik naht jedoch die rettende Idee: Die vier sind in Wohnung, Bett und Grab vereint. Applaus für eine leichtfüßigen Abend der mehr als Geplänkel ist. (wo/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2010)

 

Linz, Posthof, (0732) 78 18 00. 20.00

  • Ein Frauenheld macht auf unschuldig: Hakon Hirzenberger und Irene Christ in Goethes "Stella"
    foto: lena deinhardstein

    Ein Frauenheld macht auf unschuldig: Hakon Hirzenberger und Irene Christ in Goethes "Stella"

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