Mit dem Kulturpass retour über die Armutsgrenze

6. Mai 2010, 19:22
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    foto: der standard/andy urban

    "Armutsgrenzen" erinnern seit Donnerstag daran, dass rund 500.000 Menschen in Österreich diese bereits überschritten haben - Der "Kulturpass" hilft bei der Rückkehr in das gesellschaftliche Leben

Eine Kampagne soll daran erinnern, dass rund 31.000 Menschen ihren Kulturhunger nur mit dem Kulturpass stillen können

Wien/Salzburg/Graz - Eine alleinerziehende Mutter in prekärem Arbeitsverhältnis berichtet in einem Beratungsgespräch, wie sie sich immer wieder entscheiden muss: Soll sie mit dem wenigen Geld, das sie noch hat, die Miete zahlen? Oder die Krankenversicherung? Oder Schulhefte kaufen? Martin Schenk von der Armutskonferenz hört einen Satz immer öfter: "Ich hätte nie gedacht, dass mir das je passieren würde." Das Abrutschen in die Armut.

Rund 500.000 Menschen - sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung - leben laut Schenk bereits unter der Armutsgrenze. Und "arme Menschen rennen mit Scheuklappen durchs Leben. Sie schauen weder ins Reisebüro noch die Eintrittspreise von Veranstaltungen an", weiß Michi, ein Mitarbeiter der Straßenzeitung Augustin. "Der Kulturpass eröffnet da neue Möglichkeiten."

Michi nützt den Kulturpass, um mit ihm Gratistickets für Veranstaltungen zu bekommen, die ihm andere Besucher oder Organisationen gesponsert haben. Über die Aufführungen schreibt er Berichte in der neuen Augustin-Kolumne "Aus der Kulturpassage".

31.500 Kulturpassbesitzer gibt es bereits in ganz Österreich - davon 20.000 allein in Wien. Mit diesen Pässen konnten im Vorjahr in der Bundeshauptstadt insgesamt 31.000 Tickets für kulturelle Veranstaltungen ausgegeben werden.

Am Donnerstag setzte nun die Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" Zeichen, um im öffentlichen Raum zu dokumentieren, wie viele Menschen die Armutsgrenze bereits überschritten haben und auf Aktionen wie den Kulturpass angewiesen sind, um am gesellschaftlichen Leben noch teilhaben zu können. Denn die Armutsgrenze sei eine doppelte, betont Martin Schenk: "die ökonomische, die sich quer durch das Land zieht - und die soziokulturelle durch Kopf und Herz."

Die "Armutsgrenzen" manifestierten sich im Wiener Museumsquartier und vor dem Grazer Landhaus. In Salzburg wurde die auf den Boden geklebte "Armutsgrenze" am Wochenmarkt Schranne rund um den Verkaufsstand der Biobäckerei Itzlinger aus Faistenau (Flachgau) gezogen. Die Bäckerei verkauft seit rund einem Jahr ein eigens kreiertes "Kulturweckerl". Ein Teil des Verkaufserlöses kommt der Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" zugute.

Das Sozialsponsoring für die in Salzburg vom Dachverband Salzburger Kulturstätten, der Armutskonferenz, dem Theater ecce und der sozialpsychiatrischen Initiative Laube getragenen Aktion ist ein voller Erfolg: Allein durch den Erlös des Kulturweckerls wurden bisher etwa 5200 Euro gespendet. Damit ist der Beitrag des kleinen Privatunternehmers höher als jener des Landes Salzburg: Der Landesregierung ist "Hunger auf Kunst und Kultur" 5000 Euro wert. Die Stadt Salzburg steuert 7500 Euro zum Kunsthunger bei. (Roman David-Freihsl/Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Mai 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
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Mirstetta Toni
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macht den kulturpass aus brot. dann kann man den wenigstens essen.

dieDritteGeneration
00

Der Kulturpass gibt es aber nicht für alle die unterhalb der Armutsgrenze leben. Zumindest in Graz sind Studenten automatisch davon ausgeschlossen.

Ahnungs Loser
02
liebe klugsche***er

ja, es gibt väter, die sich einfach verpissen, der mutter kein geld überweisen und sich aus ihrer verantwortung ziehen.
mein alter herr war da ein paradebeispiel und mir kommt dask otzen, wenn ich diese selbstgerechten kommentare von leuten lese, die anscheinend angfressen sind, weil sie das sorgerecht nicht bekommen haben.
nur weil das in ihrem leben gottseidank nicht so ist, heißt das nicht, dass es solche fälle gibt.

L0L0
33
die menschen bruachen einen job und genug geld fuer ihr ,,richtiges'' leben ...

... und keine almosen a la ,,kulturpass''.

was ist das? ne vorbereitung darauf, dass in zukunft ein wesentlicher teil der bevoelkerung zuwenig geld haben wird um am oeffentlichen leben teilzunehmen?

und der politik/dem land wird es nicht reichen sich mit dieser laecherlichkeit fuer ein paar 1000 euro aus der verantwortung zu stehlen.

füllhornkäfer
00
13.5.2010, 16:30

Schon richtig, aber wenn jemand nun einmal in prekären Verhältnissen lebt und trotzdem in die Oper oder in eine Musical gehen möchte, dann kann er es mit dem Kulturpass.

cgi bin
00
gähn

und was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Bocic
316
Löblich.

Wenn ich mich auch frage, ob alleinerziehende Mütter in prekären Arbeitsverhältnissen nicht andere Sorgen haben als Kulturveranstaltungen.

Vielleicht wäre es nicht überlegenswert, einen Teil der Subventionen für zweifelhafte Kulturprojekte direkt für alleinerziehende Mütter in prekären Arbeitsverhältnissen ausgeben.

Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Kulturprojekte zu subventionieren, deren Publikum im wesentlichen aus dem ewig gleichen Bekanntenkreis der Veranstalter besteht.
Wien kann ganz gut ohne eines "Festivals des finnischen Frauenfilms der Siebziger" leben.

?&!
00
10.5.2010, 22:22
naja, also der eintritt zum kindermuseum für eine ganze familie ist einfach nicht billig

diese einrichtung sollte aber nicht nur kindern reicher eltern vorbehalten sein!

cgi bin
11
armut

ihr posting, in dem sie für die einwohner wiens zu sprechen glauben, zeugt ebenfalls von großer armut - der des geistes. oder haben sie die so unnötigen veranstaltungen gesehen, um sie bewerten zu können?
so gesehen, tun mir menschen doppelt leid, die - sozial ausgegrenzt und gesellschaftlich unterrepräsentiert - in der argumentation selbsternannter durchblicker wie ihnen verschwinden...
bleiben wir bei ihrem glücklichen verschreiber "vielleicht wäre es nicht (sic!) überlegenswert, ..." (dinge miteinander zu vergleichen, die nicht zusammen gehören und von denen man ohnehin keine ahnung hat?)

Bocic
13
Für mich ist Ihr posting...

...nur das Ergebnis einer ahnungslosen, dekadenten, scheinbar menschenfreundlichen Einstellung von jemandem, der weder weiß, was Armut noch was Ausgrenzung heißt.

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass 99% der Menschen zumindest 3/4 der geförderten Kulturveranstaltungen nie im Leben sehen, völlig egal, ob sie sich den Eintritt leisten können oder nicht. Sie interessieren sie schlicht nicht. Und erst recht nicht, wenn sie gerade darüber nachdenken, wovon sie die Reperatur vom Boiler bezahlen wollen.

Die Förderung der Luxushobbies Wohlhabender - und das ist ein Großteil des Kulturbetriebs - ist an sich schon fragwürdig. Aber zu meinen, man würde Armen helfen, indem sie diese geförderte Luxushobbies gratis anschauen dürfen, ist obszön.

füllhornkäfer
00
13.5.2010, 16:27

Wenns so wäre, wie Sie behaupten, dann würden die Leute den Kulturpass auch nicht in Anspruch nehmen. Die Nachfrage ist aber enorm.
Und, Ihr klassisches österreichisches Mißverständnis: der Kulturpass ist KEINE Subvention an Künstler oder Institutionen, diese verzichten vielmehr auf einen Teil ihrer Einnahmen, und zwar freiwillig.

fipps
42
genau!

Hauptsache Knackwürschtel, kulturelle Vielfalt brauchen wir nicht!

Löschkandidat
11
Der Mensch lebt halt nicht nur vom Brot allein.

Der Kulturpass gibt armen Menschen die Möglichkeit am sozialen Leben teilzunehmen. Da Sie offenbar in Unkenntnis von Armut leben möchte ich meine einschlägige Erfahrung gerne mit Ihnen teilen. Das Schlimme an der Armut ist nicht dass es nur Erdäpfel gibt. Sondern nicht mehr dazuzugehören.
Und generell: Ich bin sicher daß die Österreicher des 18 JHdts lieber ein Backhendl gegessen hätten als Schönbrunn zu finanzieren,- heute leben Tausende davon daß des Kastl steht. Denken Sie daß auch die Viennale mal so ein "Wixer"-Festival gewesen ist und welche lokale Bedeutung es jedenfalls heute hat.

BlackFriday
 
00

es gibt in wien ein pornofilmfestival - wo? wann?^^

Queen of Sheba
 
14
Nichtverkaufte Karten sollten knapp vor Beginn an SoMa-Berechtigte verschenkt werden.

dieDritteGeneration
00

SoMa-Berechtigte sind aber nicht automatisch auch Kulturpass berechtigte!

Queen of Sheba
 
00
War nur als Orientierungshilfe gedacht.

Meine Uhr ist von CUGGI
33
Sorry, Werbewirtschaft!

Scheuklappen können auch gut tun.

Wenn man einen Prospekt eines Elektrohändlers oder Möbelhauses einfach ins Altpapier geben kann, weil man weiß "Da drin ist nichts, was ich haben muss oder was ich brauche", hat man auch schon wieder ein bisschen Freiheit gewonnen.

Ist mir letztens aufgefallen, als ich aus Langeweile den Luxusuhrenprospekt aus der "Presse" durchblätterte. Plötzlich dachte ich: So eine elegante Armbanduhr, das wäre schon was. Zum Beispiel die, die die US-Astronauten damals umhatten, als sie mit den Kosmonauten andockten. Oder die, in der fünf Brillanten frei herumkullern. Dekadent? Nein, unorthodox!

Und dann kommt man wieder drauf: BRAUCHE ich nicht. Brauche ICH nicht. Brauche ich NICHT. Und das ist befreiend.

spacedakini
24

Ist halt blöd, wenn man das, was in den schönen Katalog abgebildet ist, wirklich braucht, zb eine Waschmaschine, weil die alte seit 3 Monaten kaputt ist. Aber Geld dafür ist nicht da....
Wie wunderschön wär es, Dinge zu sehen, die man sich nicht leisten kann, und die man gar nicht braucht.

Meine Uhr ist von CUGGI
00

Na ja ... eine Waschmaschine kriegt man neu um 250 Euro inkl. Lieferung und Anschluss.

Gebrauchte gibt's billiger bis geschenkt, wenn man sich umsieht. Kann nicht glauben, dass das für die meisten ein längerfristiges Problem sein kann. (Ja, ich weiß, es gibt auch solche Fälle zur Genüge.)

GreyPaladin
20

Allein von deinem Nick her..
aber du brauchst ne uhr die aller wahrscheinlichkeit von kleinen kindern in irgendeiner fabrik zusammengebastelt wurden?
wow.. das muss echte Freiheit sein ;).

Meine Uhr ist von CUGGI
00

Also erst mal ein Geheimnis: Meine Uhr ist gar nicht von Cuggi.

Zweitens brauche ich nicht unbedingt eine Armbanduhr, aber habe jetzt eine und es ist angenehm, nicht immer nach dem Handy fischen zu müssen, wenn ich die Uhrzeit wissen will.
Von daher ist meine Uhr ein echter Luxus, den ich mir gegönnt habe.

GreyPaladin
00

Ich fand es nur amüsant, sich über konsumwahn aufzuregen und gleichzeitig in dem nick den besitz einer Markenfälschung zu propagieren die je gerade deswegen existiert weil jeder alles haben "muss". ;)

a ad - das kann man auch anders sehen
10

Dann sollen Sie doch Kuchen essen

Helmut-S
410
In jedem Standard-Artikel zum Thema Armut...

...taucht zu 100% die alleinerziehende Mutter in prekärem Job, seltsamerweise immer ohne Vater des Kindes, auf.

So gut und löblich diese Initiative auch ist, muss man immer derart auf die Tränendrüse drücken? Die Reaktion die sich bei mir auf derart vehemente Polemik einstellt ist mittlerweile nur mehr "Und wo ist der Vater, warum geht den das nix an?"

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