Dopingvergangenheitsbewältigung

6. Mai 2010, 18:41
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Fröhliches Aufarbeiten der wenig glamourösen jüngeren Vergangenheit ist - dieser Eindruck wird zuweilen erweckt - derzeit Österreichs Sportart Nummer eins

Fröhliches Aufarbeiten der wenig glamourösen jüngeren Vergangenheit ist - dieser Eindruck wird zuweilen erweckt - derzeit Österreichs Sportart Nummer eins. Da geht es einerseits um den, nun ja, äußerst fantasievollen Umgang auch mit Steuergeldern durch ehemalige Spitzenfunktionäre des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC). Und, schon etwas länger, um die nachträglich vielleicht einfache Erklärung für seinerzeit fast unerklärlich gute Leistungen.

Im Fall ÖOC wird unbestritten zurechtgesportelt. Sollte da irrtümlich Unschuld vermutet worden sein, setzt es für die Betroffenen schließlich zumindest Geldstrafen. Die andere Übung könnte dagegen den Ausgang des Hornberger Schießens nehmen. Selbst wenn nun des Dopings oder der Vorbereitung des Dopings Verdächtige wie die längst zurückgetretene Weltklasseläuferin Stefanie Graf sportrechtlich verurteilt werden, droht ihnen wenig mehr als ein vielfach ausgesprochenes oder auch nur gedachtes "War eh klar, ich hab's immer schon gewusst".

Das ist allerdings kein Argument dafür, die Vergangenheit gleich ruhen zu lassen. Österreich hat sich durch die Unredlichkeit gar nicht weniger den Ruf erworben, eben nicht zu klein für gutes Doping zu sein. Der wird sich nur durch konsequente Aufarbeitung bessern. Wesentlich schneller als bisher sollte es halt gehen. Darum: Strich drunter. Aber nur, nachdem die Sache erledigt ist. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 7.5.2010)

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