Fehlende Unterlagen, verschwundenes Geld, schlechtes Bild, wütender Präsident - Aktuell zwei Personen verdächtig
Wien - Die vom Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC)
eingesetzte Unabhängige Untersuchungskommission hat ihre Arbeit
beendet und auf der Vorstandssitzung des ÖOC den vorläufigen
Abschlussbericht präsentiert, der für Präsident Karl Stoss
"Grauslichkeiten genug" beinhaltet. Demnach ist derzeit nicht
aufklärbar oder nachvollziehbar, wohin im untersuchten Zeitraum von
Jänner 2003 bis Frühjahr 2009 4,64 Millionen Euro geflossen sind.
Dies teilte Stoss am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz in
Wien mit.
"Ich bin wirklich erschüttert, ich bin wütend auf das, was ich
hier feststellen musste. Das wirft ein ganz schlechtes Bild auf das
Österreichische Olympische Komitee", sagte Stoss. Der aus drei
Elementen bestehende Abschlussbericht wurde bereits vergangenen
Freitag der Staatsanwaltschaft Salzburg übergeben, ansonsten besitzt
ihn im ÖOC nur Stoss. Auch Sportminister Norbert Darabos habe kein
Exemplar erhalten. Man habe dies "heute ganz freundschaftlich
diskutiert."
Das ÖOC will sich schadlos halten und u.a. klären, wie die
Haftung
auf den früheren Vorstand auszulegen ist, das gelte für Kassiere und
Rechnungsprüfer. Stoss stellte aber auch klar: "Das ÖOC wird sich im
Fall einer Anklage als Privatbeteiligter an das Verfahren anhängen.
Wir möchten jeden Cent wieder rückgefordert haben, wenn
zweckgebundene Gelder fälschlicherweise anders verwendet wurden."
Stoss nannte ein paar Beispiele, wofür das Geld ausgegeben
worden
ist. "Ich weiß beim besten Willen nicht, was das ÖOC mit einem
Rasentraktor tut. Oder wenn ich lese, Reparaturarbeiten für eine
Fußbodenheizung, da stellt sich bei mir die Frage, wo eine ist."
Weiters fänden sich Posten wie Feintuning für einen Porsche,
Privatflüge für Familienmitglieder, Werkzeuge wie Bohrer und
Schlagschrauber, ein VW-Bus mit Luxusausführung, eine automatsche
Schiebetür, aber auch Zuwendungen für Reittrainer, private
Reitvereine oder die Freiwillige Feuerwehr.
Nichts gegen Wallner aufgetaucht
"Das muss aufgeklärt werden, das kann man nur durch Befragungen
der Betroffenen oder in Malversationen involvierten Personen. Das
steht außerhalb unserer Macht, das können nur ordentliche Gerichte
tun." Stoss selbst rechne mit Verfahren. Auf die Frage, ob der
ehemalige Präsident Leo Wallner dazugehören könne, meinte er: "Da ist
in all den Erhebungen bis heute nichts zutage getreten.
Auszuschließen ist gar nichts, aber es ist weder eine Unterschrift
noch eine Transaktion an den ehemaligen Präsidenten sichtbar."
Über das geheime Verrechnungskonto sind an Einnahmen
3.243.560,33
Euro geflossen, an Ausgaben 1.840.039,76 und an Barabhebungen
1.605.516,64. Beim Sparbuch gab es Einnahmen von 5.483,570,38 und
Ausgaben von 5.568.730,40. Zum Personenkreis gab Stoss keine Angaben,
merkte jedoch an, dass man Personen, die in bereits gezogene
Konsequenzen involviert sind, dazurechnen könne.
Der ehemalige Generalsekretär Heinz Jungwirth (mit Februar
2009/einvernehmliche Auflösung des Dienstvertrages) sowie dessen
Stellvertreterin Manuela Kovarik (März 2010, fristlos entlassen)
haben das ÖOC verlassen, für beide gilt die Unschuldvermutung.
Aktuell verdächtig werden laut Stoss "ganz sicher zwei Personen".
Zeichnungsberechtigt für das geheime Konto seien mehrere Personen
gewesen, so Stoss, doch bei allen Transaktionen, die festgestellt
wurden, scheinen Unterschriften "dieser genannten Personen auf".
Vorläufig hätten die Ergebnisse keine Auswirkungen auf aktuell
im
ÖOC beschäftigte Mitarbeiter, aber auch das wollte Stoss "nicht
ausschließen".
Was sich möglicherweise auch bereits vor 2003 abgespielt habe,
dazu konnte Stoss nichts sagen, er merkte aber an, dass die
Transaktionen in den vergangenen Jahren größere Ausmaße angenommen
haben. "Am Anfang waren die Transaktionen zum Teil fünfstellig, zum
Teil niedrig sechsstellig. Und dann hat man sich einfach keinen
Genierer mehr gemacht, gemeint, es läuft eh alles, so kommt man nicht
drauf." (APA)