Hellas in Aufregung

6. Mai 2010, 17:58
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Zu Krisenzeiten schafft das ständige Wiederholen von Nachrichtenbildern Evidenzen

Die Veranschaulichung der Ausschreitungen in Griechenland begann mit Aufnahmen einer geordneten Demonstration, die sich zunehmend chaotisch zersplitterte: Einzelne Vermummte greifen zu Steinen, prügeln sich mit der Polizei. Tränengas, schließlich das verkohlte Bankgebäude, der tragische Tatort. Zu Krisenzeiten schafft das ständige Wiederholen von Nachrichtenbildern Evidenzen.

Im Trailer des neuen Films von Jean-Luc Godard, "Socialism", der bei dem nächste Woche startenden Filmfestival von Cannes seine Premiere erlebt, ist einmal ein antikes Amphitheater zu sehen. Darüber steht der Schriftzug "HELL AS", der den griechischen Eigennamen der Nation zum Sprachspiel erhebt: Meint das "Hölle als" (aus dem Englischen)? Oder "Hélas!", was im Französischen so viel wie "Oh weh!" bedeutet.

Godards Film spielt auf einem Schiff, das auf dem Mittelmeer kreuzt. Die Passagiere unterhalten sich in mehreren Sprachen, was weniger zu babylonischer Verwirrung als zu dialogischen Kontrasten führt. Man spricht miteinander und doch aneinander vorbei. Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich die Idee eines geeinten Europas in "Socialism" als ein Trugbild erweisen wird, disparat in seiner Vielheit wirkt es allemal.

Eine interessante Irritation konnte man auch in einem ARD-Beitrag über die Debatten des Hilfspakets im Deutschen Bundestag erleben. Ein Abgeordneter verfolgte in einer Pause betreten die Ausschreitungen in Griechenland. Er sei sich bei diesen Bildern nicht mehr sicher, inwieweit die dortige Regierung die richtigen Maßnahmen ergreift. In diesem Moment trat ein Widerspruch hervor, den das Fernsehen gerne mit Eindeutigkeit überdeckt. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD; Printausgabe, 7.5.2010)

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    Griechenland in Aufruhr.

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