Möglichkeiten und Un­mög­lichkeiten im Fußball

6. Mai 2010, 18:23
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Die Austria freut sich nach dem 1:0 gegen Rapid auch darüber, noch Meister werden zu können. Titelverteidiger Salzburg wird vermutlich dagegen sein

Wien - Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland die 110 Milliarden Euro samt Zinseszinsen pünktlich oder überhaupt zurückzahlt, ist auch nicht geringer als jene, dass Rapid Meister wird. Natürlich gibt es im österreichischen Fußball ein Rechenmodell (siehe Grafik), aber das grenzt fast an Perversion. "Und dann wachen wir auf", sagte Trainer Peter Pacult am Mittwochabend im Horr-Stadion nach der 0:1-Niederlage im Derby gegen die Austria. Und es klang fast befreiend.

Denn das nervende Spielchen, was alles passieren müsste, um Red Bull Salzburg doch noch einzuholen, hatte sich erledigt. Vielleicht erfolgt ja in der nächsten Saison die Wiederaufnahme. Zu Pacults Gaudium. Kapitän Steffen Hofmann beließ es gegenwärtig bei einer nachvollziehbaren Analyse: "Aus. Vorbei. Schade. Wenn man als spielbestimmende Mannschaft kein Tor erzielt, kann man nicht gewinnen." Der arme Hofmann wird nach jeder Partie gezwungen, irgendetwas in irgendwelche Mikrofone zu sagen. Er erträgt dieses Schicksal mannhaft.

Für die Austria, die nun zwei Punkte Vorsprung auf Rapid und vier Zähler Rückstand auf Salzburg hat, gibt es natürlich auch ein Rechenmodell. Es ist nicht ganz so realitätsfremd wie jenes für den Stadtrivalen, aber auch nicht gerade von dieser Welt. Trainer Karl Daxbacher: "Wir haben nichts, sie alles zu verlieren. Trotzdem ist es für uns schwieriger, Zweiter zu werden, als für Rapid. Denn wir müssen noch nach Salzburg." Die Austrianer wollen übrigens sehr gerne nach Salzburg. "Und wir wollen am Sonntag unbekümmert aufgeigen. Weniger Druck kann es im Fußball gar nicht geben", sagt Mittelfeldspieler Florian Klein. "Aber ich erwarte natürlich nicht, dass die Salzburger gegen uns arrogant auftreten."

Verteidiger Joachim Standfest sah mit dem Derbysieg "alle Ziele erfüllt", der Rest sei Draufgabe. "Natürlich können wir den Titel nach wie vor nicht aus eigener Kraft schaffen. Aber eine Entscheidung in der letzten Runde wäre wunderbar." Dass die Austria in dieser Saison elfmal mit 1:0 gewonnen hat, sei Beleg dafür, "dass wir hinten gut stehen. Die Ergebnisse zeugen von Herz und Leidenschaft. Anderseits kosten knappe Siege auch die meiste Kraft. Wir sollten es uns künftig leichter machen."

Das Rechenmodell für Salzburg ist nahezu unverschämt einfach. Ein Remis gegen die Austria würde schon zur Titelverteidigung reichen. Trainer Huub Stevens erwartet eine Trotzreaktion auf das peinliche und kaum nachvollziehbare 0:2 von Kapfenberg. "Wir haben zwei Matchbälle, wollen bereits am Sonntag alles klarmachen. Spannender und dramatischer kann es nicht sein." 20.000 Zuschauer werden erwartet.

Schale auf Reisen

Die Bundesliga ist wie praktisch immer vorbereitet. Die Meisterschale (Durchmesser 60 Zentimeter, Materialwert 8000 Euro) wird mit dem Auto nach Salzburg chauffiert. Obwohl sie eigentlich ein Wanderpokal ist. Liga-Präsident Hans Rinner und Vorstand Georg Pangl sind in der Bullen-Arena, werden im Falle des Falles die Trophäe nach Abpfiff feierlich überreichen. Sturm-Boss Rinner muss deshalb das Spiel seiner Mannschaft bei Rapid auslassen. Es gibt Situationen, da zieht der Klubpräsident den Kürzeren.

Noch einmal Joachim Standfest: "Im Fußball ist alles möglich." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 7.5.2010)

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