Die Erde könnte den Menschen zu heiß werden

9. Mai 2010, 15:07
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US-Forscher simulierten "worst case" der derzeitigen Klimamodelle

West Lafayette/Wien - Stößt der Mensch weiterhin so viele Treibhausgase aus wie derzeit, können künftig weite Teile des Planeten wegen Hitzestress nicht mehr bewohnt werden. Diese düstere Vision liefern Forscher der Purdue University in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". "Obwohl solche Bedingungen kaum noch in diesem Jahrhundert eintreten werden, könnte das im nächsten der Fall sein", so Studienleiter Matthew Huber.

Die Wissenschaftler untersuchten den "worst case" der derzeitigen Klimamodelle. Dieser geht vom langfristigen CO2-Ausstoß auf dem Niveau von 2007 aus und rechnet im 22. Jahrhundert mit einer Klimaerwärmung von sieben bis zwölf Grad. In vielen Erdteilen - wie Nordwestafrika, zentrales Südamerika, Australien, Indien, Ostchina und auch die östliche USA - würde die Feuchttemperatur unerträglich werden, und zwar "erstmals in der Geschichte der Menschheit", so die Forscher.

Hintergrund

Der Ausdruck "Feuchttemperatur" verbindet Temperatur und Luftfeuchte. "Es ist die Temperatur eines nassen Gegenstandes, auf den man einen Ventilator richtet", erklärt der Wiener Meteorologe Herbert Formayer. Mehr als 35 Grad Feuchttemperatur, was einer Dampfkammer entspricht, ist für Menschen auf Dauer tödlich. "Der Körper hat dann keine Möglichkeit mehr, durch Schwitzen über Verdunstung Hitze abzugeben, und überhitzt sich massiv", so Formayer.

Extreme Hitze gibt es schon heute in vielen Regionen, hohe Feuchttemperatur ist aber selten, da heiße Gebiete meist trocken sind. "Das kommt etwa tagsüber in den Subtropen bei Regenzeit vor, etwa in Indien und Pakistan", so der Meteorologe. Ein weiteres Beispiel sind die Küsten der arabischen Halbinsel. Heißer Wüstenwind trifft hier auf feuchte Meeresluft und erzeugt kaum erträgliche Stickigkeit.

Auswirkungen

Würde ein Temperaturanstieg um sieben Grad nur manche Gebiete in Sachen Feuchttemperatur gefährden, wäre laut den US-Forschern bei zwölf Grad die halbe Weltbevölkerung von Hitzestress betroffen, könnten kaum mehr ins Freie gehen und bräuchten hohe Klimatisierung mit entsprechendem Strombedarf. Auch andere Säugetiere wären massiv betroffen. Die Wahrscheinlichkeit dieses schlimmsten Falles haben die Forscher nicht berechnet, möglich sei er jedoch aufgrund heutiger Modelle durchaus.

"Es gibt für die Zukunft in 50, 100 und 200 Jahren zahlreiche Modelle, die jedoch nur Storylines bilden und kaum Aussagen zur Wahrscheinlichkeit zulassen", so Formayer. Das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen lasse vermuten, dass der CO2-Ausstoß kurzfristig weitergehen werde wie bisher. Katastrophen könnten dennoch einen schnellen Meinungsschwenk bewirken. "Das zeigt etwa die Reaktion auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Die jüngsten Ölbohr-Pläne der USA sind mit einem Schlag zusammengebrochen", so der Wissenschaftler. (pte/red)

  • Bei einem globalen Temperaturanstieg  von durchschnittlich zwölf Grad Celsius wäre die halbe Weltbevölkerung von Hitzestress betroffen (Illustration zur Simulation).
    grafik: purdue university graphic/matthew huber

    Bei einem globalen Temperaturanstieg von durchschnittlich zwölf Grad Celsius wäre die halbe Weltbevölkerung von Hitzestress betroffen (Illustration zur Simulation).

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