Die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen

6. Mai 2010, 14:26
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    foto: standard/hs grieskirchen

    Mit Kunst, Kochen und Teppichknüpfen wurde österreichischen Schülern die türkische Kultur nähergebracht.

Beim projektXchange versucht der Grünen-Bundesrat Dömnez, österreichischen Schülern die Werte türkischer Klassenkollegen vertraut zu machen

Grieskirchen - "Einige Wörter in der Landessprache zu kennen macht nicht nur einen Urlaubsaufenthalt schöner, sondern fördert auch das gegenseitige Interesse an der jeweils anderen Person, Kultur und Religion", ist für Efgani Dönmez, oberösterreichischer Abgeordneter der Grünen zum Bundesrat, klar.

Daher unterstütze er auch das projektXchange, bei dem es in der Hauptschule 2 in Grieskirchen (Oberösterreich) darum ging, die Schüler mit der Sprache und Kultur ihrer türkischen Klassenkollegen vertraut zu machen.
Den Selbstwert steigern

Dönmez, der die Schule für eine Diskussion und zum gemeinsamen Verkosten türkischer Speisen besuchte, weiß, dass davon nicht nur die österreichischen Jugendlichen profitieren: "Die Kinder, die aus anderen Ländern stammen, bekommen durch das Thematisieren ihrer Kultur eine Steigerung in ihrem Selbstwert vermittelt. Das fördert das gegenseitige Interesse und Kennenlernen."

Die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand schauen zu können, gehöre zur "Minimalanforderung in einer sich vernetzenden und global agierenden Welt", schildert Dönmez, der in Österreich aufgewachsen ist und selbst den katholischen Religionsunterricht besucht hat. Die zehn- und elfjährigen Schüler zeigten sich von dem Projekt begeistert und verfassten Stellungnahmen zum Besuch von Efgani Dönmez, von denen wir hier einige abdrucken möchten:


Wir sprachen mit Herrn Dönmez über den Islam und haben gelernt, dass Muslime einmal in ihrem Leben nach Mekka pilgern sollen. Herr Dönmez sagte, die Heiligtümer aller Weltreligionen seien es wert, besucht zu werden. Und er gab uns einen Rat, den wir uns zu Herzen nehmen: "Übernimm nie eine Meinung, ohne dich vorher auch über die anderen Seiten informiert zu haben. Das gilt auch für das, was ich sage." Johanna, Sarah, Elisabeth

In der Volksschule habe ich mich überhaupt nicht mit den türkischen Kindern verstanden. Sie haben immer in ihrer Sprache gesprochen, und ich dachte: Na gut, die sind eine Gruppe und wir sind eine Gruppe. Während unseres Projekts haben wir türkische Kinder aus anderen Klassen zu einer "Fragestunde" eingeladen. Sie haben uns erzählt, wie sie Feste feiern oder wie die Schule in der Türkei funktioniert. Seit ich mehr über türkische Kinder weiß, finde ich sie viel netter. Mir fällt auf, dass sie jetzt öfter von der Türkei erzählen - vielleicht, weil wir neugieriger geworden sind? Ich bin froh, dass Sümeyye in meiner Englischgruppe ist. Und ich will unbedingt einmal in die Türkei fahren! Magdalena

Das türkische Essen ist zwar ganz anders als das österreichische, aber es schmeckt köstlich! Einige Gerichte haben wir selbst zubereitet: Kadayif (ein Kuchen aus feinen Fäden), Baklava, gefüllte Weinblätter, Kichererbsenpüree und Käseröllchen. Herr Dönmez war auch begeistert - obwohl seine Lieblingsspeise nicht dabei war. Ihr werdet nie erraten, was es ist: Kaiserschmarrn! Michael, Sarah, Anna

Was ich an der Türkei toll finde, ist, dass es so viele Tulpen, wunderschöne Moscheen und Minarette gibt. Wir haben Bilder gesehen von der Blauen Moschee und vom Topkapi-Palast. Da wollten wir gleich Fliesen, Teppiche und Mosaike gestalten. Oliver

Früher habe ich immer geglaubt, dass alle Frauen in der Türkei ein Kopftuch tragen müssen. Es hat mich wirklich überrascht, als ich gehört habe, dass es in öffentlichen Gebäuden sogar verboten ist. Johanna

Es hat uns gefallen, dass die österreichischen Kinder ein bisschen Türkisch gelernt haben. Wir haben ihnen dabei geholfen. Für sie ist Türkisch eine sehr schwierige Sprache. Sie interessieren sich jetzt auch mehr für uns. Es war schön, dass die Türkei bei diesem Projekt so wichtig war. Ismail, Enes, Kader

Es war gut, dass Herr Dönmez da war. Er stammt aus der Türkei und hat es geschafft, in Österreich viel zu erreichen. Er hat uns von seinen Berufen erzählt: Installateur, Sozialarbeiter, Lektor an der Fachhochschule, Konfliktmanager, Bundesrat. Wir finden es super, dass jemand, der in der Türkei geboren ist, in Österreich Politiker werden kann. Ozan, Dogan, Sümeyye

Kommentar posten
13 Postings
Robgeb er
23
.

Auf die Werte der türkischen Kollegen meiner Kinder können diese gerne verzichten. So als wollte ich meinen Kindern das finstere Mittelalter und seine Denkarten erklären.

Waltraud Rashed
22
Schade!

Schade, wenn Sie an unserem Projekt teilgenommen hätten, würden Sie jetzt anders denken. Bei projektXchange geht es nämlich auch um Vorurteile!

standardabweichung
11
werte brauchen kontrolle

ernstzunehmender wäre gewesen wenn er den kindern erklärte wär ausser dessen angehörigen eigentlich den bundesrat braucht

Heavyweather
12

Gibts keine agnostischen Türken? Wäre es nicht gescheiter man würde mehr über österreichische Werte in Österreich reden. Wir wollen doch die Einwanderer assimilieren und nicht irgendwie umgekehrt.

lukav jez
01

Nicht assimilieren, sondern integrieren! Und dazu gehört auch ein Entgegenkommen und Zugehen auf die MigrantInnen von Seiten der ansäßigen Bevölkerung. Zum ersten stimme ich Ihnen teilweise zu: Man sollte über Werte reden, sie hinterfragen und auf ihre Tauglichkeit überprüfen, aber sowohl die der Ansässigen als auch die der NeoösterreicherInnen - das kann nur eine Bereicherung für beide Seiten sein.

Heavyweather
12

Ich steh nicht so auf den Import von religiös motivierter "Kultur".
Wir versuchen genau diese repressiven Vorstellungen los zu werden.
Dann kommt einer in die Schule und redet von Religionen. Wer die tollen Bauwerke bezahlt hat und zu was hinter solchen Systemen steckt erklärt man den Kindern nicht.
Es ist auch erschreckend dass sich junge türkischstämmige (türkische Schüler gibt es nicht) Österreicher so sehr für die Türkei interessieren.
Warum soll einen Schüler bei uns interessieren wie in der Türkei Schule funktioniert? Alle zusammen waren ja nie dort und werden auch nie dort sein.

Werte sind das Ergebniss einer Gesellschaft. Wenn ein Teil der Gesellschaft ganz andere Werte pflegt dann haben wir schon eine ParallelGesellschaft.

Unten ist da wo das Boot spitz ist
 
10
Ich mag nicht über den Tellerrand schauen ...

... denn wenn ich über den Tellerrand schaue, dann seh ich was ich alles herausgepatzt habe auf´s Tischtuch.

Und dann tut, meine Mama immer schimpfen mit mir ... ;-)

hinweis4
12
Gibt es an österreichischen Schulen nur Migrantenkinder mit türkischen Wurzeln?

Nur solche mit muslimischem Glauben? Haben nur türkisch-muslimische Menschen Probleme mit dem Verstanden-werden? Was ist mit den anderen - hat Herr Dönmez auch über diese Wichtiges vermittelt? Haben Kinder mit polnischen, slowakischen, serbischen, afghanischen, nigerianischen, vietnamesischen oder chinesischen Eltern keinen kulturellen Hintergrund, der vielleicht neugierig macht? Haben Kinder mit solchem Hintergrund kein Interesse am Austausch oder am gesellschaftlichen Aufstieg? Liegt es vielleicht am Standard, dass immer wieder nur über den türkischen und/oder muslimischen Teil der ZuwanderInnen berichtet wird?

jo eh
00
12.5.2010, 09:22
ich schätze herrn dönmez sehr - aber

ich finde es aufschlussreich, dass kinder anderer migr.gruppen keine vlgbare aufmerksamkeit und wertschätzung erhalten.

entweder liegt es daran, dass die trk.stämmigen/msl. in den schulen einfach die größte migr.gruppe sind und die "mehrheit" unter den migr. schülern den ton angibt.

oder dass die trk./isl. seite medial und politisch besser vernetzt ist und ein stärkeres "wir-gefühl präsentiert. was sie anscheinend
davon "befreit" (mit unterstützung überbemühter zeitgenossInnen), sich intensiver mit der kultur der mehrheitsgesellschaft und jener anderer migr.gruppen auseinander zu setzen.

oder aber die österr. schülerInnen sollen schon auf den TR-beitritt vorbereitet werden.
da können ja ein paar brocken trk. nicht schaden.

Waltraud Rashed
12
projektXchange für ALLE Kinder!

Sie haben vollkommen Recht. ALLE Kinder - unabhängig von Herkunft und kulturellem Hintergrund - verdienen es, ernst genommen zu werden. Wir haben für unser projektXchange die Türkei ausgewählt, weil an unserer Schule ein großer Teil der Kinder mit Migrationshintergrund türkische Wurzeln hat. (Aber natürlich wäre jedes der von Ihnen angeführten Länder auch möglich gewesen.)Auf der homepage von pXc (www.projektXchange.at) können Sie sich informieren, wie viele Menschen täglich daran arbeiten, das Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu verbessern. Es ist schön, dazu etwas beitragen zu können. Wir freuen uns jedenfalls schon auf unser nächstes Projekt!

jo eh
01
12.5.2010, 09:26
gehts also nur nach der "mehrheit"?

wann kommen die herkunftsländer anderer schülerInnen an die reihe?

ist da schon was konkretes geplant oder bleibts bei der "möglichkeit"?

Cielito Lindo
03

An den Wr. Schulen gibt es Kinder aus den verschiedensten Ländern. Sie fallen nur nicht so auf, weil sie nicht so sehr betonen, anders zu sein. Und ehrlich gesagt, machen sie auch weniger Probleme.

Willi Wichtig
10
bei den GRÜNEN kann

jeder, egal aus welchen Land oder Beruf Politiker werden.

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