Wie Auer Welsbach die Zukunft verpfändete

6. Mai 2010, 18:11
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AvW konnte nur über elf Prozent der Wertpapiere verfügen – Haftprüfung am Montag

Wien - In der Konkurssache AvW wurde am Donnerstag der Gläubigerausschuss bestellt, er besteht aus Mitgliedern der Gläubigerschutzverbände sowie den Anleger-Anwälten Erich Holzinger, Michael Bauer und Andreas Pascher. Am Montag wird Wolfgang Auer Welsbachs Anwalt, Franz Großmann, versuchen, den Ex-AvW-Chef aus der U-Haft zu bekommen, es bestehen keine Haftgründe mehr, sagt er.

Auf die Beteiligungen der AvW Gruppe werden die Gläubiger jedenfalls kaum Zugriff bekommen. Denn wie sich aus dem Gerichtsgutachten des Grazer Wirtschaftstreuhänders Fritz Kleiner erhellt, ist ein Großteil der Beteiligungen und Vermögenswerte verpfändet - und zwar seit Dezember 2007 zugunsten der Capital Bank. Die AvW Gruppe hat damals ihr gesamtes Wertpapierdepot (Kurswert: 47,5 Mio Euro) verpfändet, die AvW Invest AG das ihre (Kurswert: 12,4 Mio. Euro). Allerdings dürfte das sehr diskret geschehen sein: Laut Gutachten hat der Wirtschaftsprüfer erst für 2008 auf diese Verpfändungen "hingewiesen" .

Unüblich waren solche Belastungen nicht:Schon 2004 bis 2007 waren die Wertpapiere der Gruppe zugunsten der Raiffeisen Centro Bank verpfändet. Von 2004 bis 2008 seien überhaupt nur elf Prozent der Wertpapierbestände unbelastet (und daher allenfalls liquidierbar) gewesen. Diese Papiere haben eigentlich den Großteil der Substanz der AvW-Gesellschaften ausgemacht, an dieser Substanz wiederum sind die Genussscheinzeichner beteiligt.

Aus einem Vergleich mit dem Marktpreis dieser Beteiligungen (70 Mio. Euro) zum 31. Dezember 2008 schließt der Gutachter, dass der AvW bereits im Herbst 2008 das Geld ausgegangen war. "Der Vergleich lässt darauf schließen, dass kurzfristig verfügbare Liquidität in beiden Unternehmen damals nicht mehr vorhanden war.

Unverkraftbarer Verlust

Zur Erinnerung: Als die Probleme der AvW im Oktober 2008 ruchbar wurden (Auer Welsbach beruft sich bis heute auf "Malversationen" seines Prokuristen Harald Knechtl; auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung), setzte ein Ansturm von Kunden ein, die ihre Genussscheine zurückverkaufen wollten. Mangels Barem oder eben versilberbaren Wertpapieren konnte die AvW nicht mehr ankaufen - das System war gescheitert, was die Anleger damals aber nicht erfuhren.

Im Gutachten liest sich das so: "Am 21. Oktober 2008 war das Vermögen der Anleger ... so weit verbraucht, dass der Verlust von 50 Mio. Euro nicht mehr verkraftet werden konnte."

Der Grund für die Verpfändungen ist laut Gutachten in "hochriskanten" Geschäften der AvW. Um Optionen- und Termingeschäfte in der AvW Gruppe tätigen zu können (die Banken verlangen dafür Sicherheiten) hatten Auer Welsbach und seine Frau Maria im November 2007 Verträge mit der Capital Bank für die Abwicklung solcher Deals geschlossen, die neben Nachschusspflichten eben auch Verpfändungen umfassten.

Mit der Krise stiegen auch die Probleme, die Capital Bank setzte immer öfter Margin Calls ab (Aufforderung zum Einschießen) ab. Am 8. Oktober 2008 konnte AvW den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, "am 13. Oktober stellte sich bei einem Termin heraus, dass kurzfristig keine weiteren Sicherheiten mehr beigebracht werden konnte" , hielt die Capital Bank fest. Offene Verpflichtung: 22 Mio Euro. Interessantes Detail , das die Juristen prüfen werden: Auf den Bank-Depotauszügen für 2007 waren diese Verpfändungen nicht mit Sperrvermerk ersichtlich gemacht; ein Beschuldigter hat in diesem Zusammenhang bei einer Einvernahme von "bei AvW ausgelackten Depotauszügen" gesprochen.

Schlussfolgerung im Gutachten: Durch diese Verpfändungen (im Wert von 60 Mio. Euro) wurde "Vermögen, das zur Genussschein-Kapitalauszahlung vorhanden sein sollte, einseitig an einen Gläubiger ... abgetreten. Ende 2007 hatte die AvW Gruppe nur noch Kassen- und Bankguthaben von 12,3 Mio Euro; Rückverkäufe waren nicht mehr möglich." Lapidarer Schlusssatz: "Diese Situation besteht bis heute." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.5.2010)

 

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