Das war die Wahlnacht

7. Mai 2010, 09:19
271 Postings

Überraschung in Nordirland - EU-Separatist Farage bei Flugzeugabsturz verletzt - BNP-Webmaster löscht zum Abschied Webseite

Die erste kleine Überraschung des Wahlabends schaffte in Nordirland die Alliance Party im Wahlkreis Belfast Ost, wo sie ausgerechnet dem nordirischen Regierungschef Robinson von der Democratic Unionist Party den Sitz abnehmen konnte und damit erstmals einen Abgeordneten im Unterhaus stellt.

Autobombe in Nordirland

Vor einem Wahlbüro in Nordirland ist ein Fahrzeug mit einer Autobombe entdeckt worden. In dem gestohlenen Auto vor dem Templemore-Freizeitzentrum in Londonderry, der zweitgrößten Stadt Nordirlands, habe sich ein funktionsfähiger Sprengsatz befunden, teilte die Polizei am Freitag mit.

Das Freizeitzentrum, in dem die Stimmen der Wahlkreise Foyle und East Londonderry für das neue britische Unterhaus ausgezählt wurden, seien daher evakuiert worden. Die Wahlhelfer sowie Unterstützer verschiedener Parteien hätten das Gebäude verlassen müssen. Die Auszählung sei inzwischen fortgesetzt worden, der Parkplatz des Freizeitzentrums bleibe aber gesperrt, sagte eine Polizeisprecherin.

Wahlergebnisse 2005

Bei der Wahl vor fünf Jahren am 5. Mai 2005 kam Labour mit 35,3 Prozent auf 356 Mandate. Die Tories - offiziell die Conservative and Unionist Party - folgten mit 32,3 Prozent und 198 Sitzen. Auf die Liberal Democrats entfielen bei 22,1 Prozent der Stimmen 62 Mandate. Weitere im Unterhaus vertretene Parteien sind die Schottischen Nationalisten (6 Mandate), die nordirische Sinn Fein (5), die walisische Plaid Cymru (3) sowie die nordirischen Parteien SDLP (3) und Ulster Unionists (1).

Die Berichterstattung der BBC ist auch via Livestream zu verfolgen. (red/APA/Reuters)


22:29 Eine Wahlanleitung

Die umfassende Berichterstattung der BBC nimmt sich auch der Sachen an, die im Wahllokal erlaubt und NICHT erlaubt sind. So darf betrunken gewählt werden, Kinder unter 18 sind erwünscht, dürfen allerdings nicht das Kreuzerl für die Erwachsenen machen und die Queen darf ihre Stimme nicht abgeben.

BBC: What can you NOT do in a polling station?


21:14 Spielerei

Mit dem BBC Election Seat Calculator lassen sich die Prozentpunkte des Ergebnisses in Parlamentssitze umrechnen. Allerdings ist nur eine sehr grobe Berechnung möglich.


22:03 Brodeln in der Gerüchteküche

Erste Gerüchte tauchen im Netz auf. Zum Beispiel über den twitter-Account des Umfrageinstituts ICM:

Demnach würden die Konservativen bei 39 Prozent liegen. Aber noch ist das nur eine Blase im Gerüchtekochtopf.


21:16 Skepsis angebracht

Die Financial Times über die unzuverlässigen Nachwahlbefragungen (Exit Polls): Sieben Gründe warum Vorsicht angebracht ist.


21:10 Videowahlschlacht

Anti-Tories Youtube Video (herzlichen Dank an User Buffalo Bill für den Tip).

Und hier übernehmen die Monty Pythons die Wahlberichterstattung


17:25 EU-Separatist Farage bei Flugzeugabsturz verletzt

Der Europaabgeordnete und ehemalige Chef der anti-europäischen britischen Partei UKIP, Nigel Farage, ist am Wahltag mit einem Leichtflugzeug abgestürzt. Farage wurde bei dem Unfall am Donnerstag im Gesicht und an den Rippen verletzt. Auch sein Pilot Justin Adam erlitt Verletzungen. Lebensgefahr bestehe nicht, sagte ein Polizeisprecher.

Farage war mit dem Flieger über seinem Wahlkreis in der Grafschaft Northamptonshire unterwegs. Das Flugzeug zog ein meterlanges Banner mit dem Spruch "Vote for your country - Vote Ukip". Als die in Polen hergestellte "Wilga"-Maschine im Tiefflug vor Fotografen ein spektakuläres Manöver vollführte, erfasste ein Windstoß die Fahne, die sich um das Leitwerk wickelte.

Farage, der sich bei dem Absturz eine Lippe durchbiss, stand nach dem Unfall unter Schock und fragte mehrmals nach seinem Telefon. Die Maschine hatte sieben Startversuche benötigt, bis es schließlich gelang, das Banner loszuschleppen. Unmittelbar bevor Farage einstieg, hatte er noch eine Zigarette geraucht und gescherzt, er hoffe nicht, dass das Flugzeug explodiere und abstürze. (bed)


16:50 BNP-Webmaster löscht zum Abschied Webseite

Simon Bennet, der bisherige Webmaster der rechtsradikalen British National Party, hat am Wahltag die Startseite des Internetauftritts der Partei gelöscht. Stattdessen war am Donnerstag dort eine Erklärung für seinen Abschied zu lesen. Hintergrund ist ein umstrittener BNP-Werbespot, wegen dessen der Unilever-Konzern die Partei klagte (derStandard.at berichtete).

Bennett schreibt, dass die Parteiführung versucht habe, die Verantwortung für das Debakel auf ihn abzuschieben. Der Webmaster hat auch die Twitter- und Facebookpasswörter geändert. Der (derzeit blockierte) Twitter-Account heißt jetzt "Bennett's Nationalist Politics" (bed)


16:13 Wiener Vorentscheid: Clegg gewinnt

Die Wähler haben entschieden: Clegg, der Liberaldemokrat, gewinnt mit 56 Prozent der abgegebenen Stimmen. Auf Platz Zwei mit 27 Prozent landet der Kandidat der Konservativen. Ein Wahldebakel muss aber der Sozialdemokrat Brown hinnehmen: Nur 16,6 Prozent stimmten für den bisherigen Premier.

Allein Auswirkungen werden die Wahlen keine haben. Abgestimmt haben nämlich die Teilnehmer der Englischkurse der Volkshochschule Hietzing. (red)


13:30: BNP-Kandidat prügelt sich mit Jugendlichen

Bob Bailey, der Kandidat der rechtsextremen British National Party für den Bezirk Romford, wurde am Mittwoch in eine Schlägerei verwickelt. Der Politiker war mit Wahlkampfhelfern in Barking, East London, unterwegs, als die Gruppe auf drei asiatischstämmige Jugendliche traf.

Zuerst ergab sich ein Wortgefecht, aber als einer der drei Bailey ins Gesicht spuckte, verlor dieser die Nerven. Vor laufender BBC-Kamera schlug er den Jugendlichen nieder und versetzte dem am Boden Liegenden einen Fußtritt.

BNP-Chef Nick Griffin, der in seiner Studentenzeit selbst Boxsport betrieb, kritisierte die Berichterstattung über den Zwischenfall: "Je mehr die Leute in den Medien das Thema hochspielen, umso mehr dumme Kinder auf der Straße kommen in Versuchung, vom Faustrecht Gebrauch zu machen".


14. 21 Wählen im Schlafzimmer, Schloss oder Eisenbahnbrücke

London - Sie hatten die Wahl im Schlafzimmer, im Schloss oder an einer historischen Eisenbrücke: Einige Briten haben ihre Stimmen für ein neues Parlament am Donnerstag an skurrilen Orten abgegeben. Insgesamt gab es 50.000 Wahllokale, die meisten davon in Schulen, Gemeindezentren oder anderen öffentlichen Orte. Im Dörfchen Chettisham in Cambridgeshire allerdings wird seit 30 Jahren im Schlafzimmer von Friseurin Carmelia Bond gewählt. Die 61-Jährige hatte ihr Haus angeboten, nachdem die Stadthalle geschlossen wurde. "Wir haben das Bett rausgeschoben, damit die Wahlkabine reinpasst", sagte sie. Das optisch wohl ansprechendste Wahllokal war ein Schloss in Cornwall. In Telford in Westengland war das ehemalige Zollhaus an der ersten Eisenbrücke der Welt die Wahlstation. (APA)


12:28 Wettbüro erklärt Cameron zum Sieger

Zumindest für den irischen Online-Wettanbieter Paddy Power ist die Großbritannien-Wahl bereits entschieden. Wenn man auf Tory-Kandidat David Cameron gesetzt hat, kann man sich seinen Gewinn in der Höhe des 1,05fachen Einsatzes bereits auszahlen lassen.

Außerdem bietet die eigens für die Wahl eingerichtete Webseite Electionbetting.com Wetten auf Wahlbeteiligung, den Nachfolger Gordon Browns als Labour-Vorsitzender (1:2,2 für David Miliband) und die Einführung eines Proporz- statt des bestehenden Mehrheitswahlrechts an.

Dass Wetten vorzeitig beendet werden, ist bei unüblich, wenn eindeutige Ergebnisse zu erwarten sind. 2003 musste der Online-Wettanbieter allerdings bereits ausgezahlte Gewinne zurückfordern, als wider Erwarten Manchester United und nicht Arsenal die Meisterschaft gewann. (bed)


7:39 Polizei prüft vereinzelt Vorwürfe des Wahlbetrugs

Bereits vor dem eigentlichen Beginn der Parlamentswahlen in Großbritannien am Donnerstag hat die britische Polizei vereinzelt Vorwürfe des Wahlbetrugs geprüft. Untersucht würden Beschwerden in der Hauptstadt London sowie rings um Manchester im Nordwesten Englands und in Yorkshire im Norden des Landes, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend. Dabei gehe es sowohl um Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Briefwahl als auch um mutmaßlich falsche Registrierungen von Wähleradressen. Allein aus London lägen 23 Beschwerden aus insgesamt zwölf Bezirken vor.

Alle Beschwerden würden sorgfältig geprüft, wenn nötig würden die Justizbehörden eingeschaltet, sagte der Sprecher. Nach Angaben der britischen Wahlkommission sollen bei dem Urnengang am Donnerstag zusätzliche Sicherheitssysteme eingesetzt werden, die 2006 entwickelt wurden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gordon Brown bei der Ergebnisverkündung seines Wahlkreises in Kirkcaldy.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    So sehen Sieger aus: David Cameron in seinem Wahlkreis Witney mit Alan Hope, dem Kandidaten der "Monster Raving Looney William Hill Party"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Premier Gordon Brown gewann den Sitz seines Wahlkreises Kirkcaldy and Cowdenbeath.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Projektion der Exit Poll auf den Big Ben.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Wahlbeteiligung scheint höher als bei den Wahlen 2005 zu sein. Erste Berichten sprechen vom 66 Prozent. Zum Vergleich: 2005 gaben 61 Prozent der wahlberechtigten Briten ihre Stimme ab.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wähler in Pitlochry Town Hall, Schottland.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Überreste von Nigel Farages Flugzeug

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ermittlungen am Absturzort. Am Boden das Werbebanner, das den Absturz verursachte.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mobiler Wett-Anbieter in London

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wählerin betritt West Blatchington Windmühle - eines von vielen etwas skurilen Wahllokalen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nick Clegg in Sheffield, Nordengland.

Share if you care.