Voest spart 600 Millionen ein

6. Mai 2010, 17:48
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Kritik an strafferen EU-Emissionssparplänen bis 2020

Wien - Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine setzt das um, was Betriebsberater als das Vernünftigste in Krisenzeiten bezeichnen: Sparen und Prozesse reorganisieren, auf dass nach der Krise voll durchgestartet werden kann. Bis zum Jahr 2012 will Konzernchef Wolfgang Eder mehr als eine halbe Milliarde Euro einsparen - hauptsächlich in den Divisionen Stahl und Edelstahl.

Ziel der Bemühungen ist, mit den derzeit 9700 Mitarbeitern auch nach der Krise auszukommen und mit ihnen in Linz dann 5,5 Millionen Tonnen Stahl herzustellen. Zum Vergleich: Vor der Krise waren es 11.200 Mitarbeiter, die 5,5 Mio. Tonnen produzierten; 2009 waren es lediglich vier Millionen Tonnen. Die Kurzarbeitsmodelle, mit denen die Voest in den vergangenen Monaten hantierte, sind in Österreich abgeschlossen. "Wir werden - so wie es aussieht - keine weiteren Mitarbeiter abbauen" , sagte Eder im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Weniger Rohstoffe auf Lager

Teil des Restrukturierungsprozesses, dem sich der Stahlkonzern derzeit unterwirft, ist nicht nur eine horizontale Prozessoptimierung. Der Konzern will auch das "Working Capital" - Rohstoffe und Vorprodukte - massiv zurückfahren und sich mit weniger Rohstoffen auf Lager rund 50 Prozent der Kosten ersparen. Notwendig werde die schlankere Struktur auch deshalb, weil die großen Erzkonzerne künftig vierteljährlich ihre Preise festsetzen werden. Eder spricht davon, dass Voestalpine davon wesentlich geringer betroffen ist als andere EU-Konkurrenten, da man von den Weltmarktführern BHP, Vale und Rio Tinto nur 15 Prozent des Erzes beziehe.

Wenig Verständnis bringt Eder für die Vorschläge der EU-Kommission auf, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 stärker zu drosseln als bisher vorgesehen. Bisher hat sich die EU auf 20 Prozent weniger Treibhausgase festgelegt und wollte 30 Prozent nur dann anpeilen, wenn dies auch andere Wirtschaftsblöcke tun. Nun will die Kommission auf alle Fälle 30 Prozent Reduktionsziele anpeilen. (ruz, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.5.2010)

 

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