Ex-Sanader-Schatzmeister soll Freundin Millionenaufträge zugeschanzt haben
Zagreb - Die kroatische
Antikorruptionsbehörde Uskok
ermittelt gegen den Leiter der
Zollbehörde. Der Zoll-Chef und
ehemalige Schatzmeister der
konservativen Regierungspartei HDZ
(Kroatische Demokratische Gemeinschaft) unter Ex-Premier Ivo Sanader,
Mladen Barisic, soll einer langjährigen Freundin Aufträge in
Millionenhöhe zugeschanzt haben.
Die Besitzerin der Medienagentur fimi-media erhielt
Marketingaufträge von den teilstaatlichen Firmen Croatia Osiguranje
(Versicherungen) und INA (Erdöl). Für die
Kampagnen gab es laut
Nachrichtenagentur Hina nicht einmal eine öffentliche Ausschreibung.
Sanader soll staatliche Firmen gezwungen haben mit Medienagentur zusammenzuarbeiten
Barisic' Verteidiger Ante Madunic bestätigte gegenüber
kroatischen
Medien, dass Untersuchungen eingeleitet wurden, aber noch keine
Befragung seines Mandanten stattgefunden habe. Im kroatischen
Fernsehen äußerte er Mittwochabend auch die
Vermutung, dass man durch
seinen Mandanten an Sanader herankommen wolle. Aus welchem Grund das
erfolgen könnte, kommentierte er nicht weiter.
Sanader soll 2007 bei einer Sitzung von Geschäftsführern von
staatlichen Firmen verlangt haben, mit fimi-media zusammenzuarbeiten.
Die Besitzerin der
Werbefirma wies mehrmals alle Vorwürfe, sie hätte
die Aufträge illegal bekommen, zurück.
Barisic ist als Zoll-Chef noch
im Amt. Premierministerin Jadranka Kosor (HDZ) will ihn erst
abberufen, wenn sich der Verdacht
erhärtet und Uskok die vermuteten
Ungereimtheiten bestätigt.
Sanader war im vergangenen Juni überraschend als
Ministerpräsident
und HDZ-Chef zurückgetreten, was Spekulationen über eine mögliche
Verwicklung in Korruptionsaffären anfachte. Zum Jahreswechsel
versuchte er ein politisches Comeback, wurde aber auf Betreiben
Kosors umgehend aus der HDZ
ausgeschlossen. Die neue
Regierungschefin
hat sich einer umfassenden Aufklärung der
Korruptionsaffären während
Sanaders Regierungszeit (2003-2009) verschrieben. (APA)