Gefährlicher Cocktail aus dem Arzneischrank

6. Mai 2010, 13:34
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In Verbindung mit anderen Arzneien können selbst harmlose Medikamente gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen entwickeln

Regensburg - „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" - der Gesetzgeber hat festgeschrieben, dass jede Arzneimittelwerbung mit diesem Hinweis versehen sein muss. Aber wer hält sich dran? Es wird geschluckt und eingenommen, was immer Heilung, Linderung oder Schutz vor Krankheit verspricht. Es gibt rund 20.000 verschreibungspflichtige Arzneimittel mit etwa 2000 verschiedenen Wirkstoffen in Deutschland, durchschnittlich 45 kommen jedes Jahr hinzu, meldet der deutsche Reportagedienst obx-medizindirekt. Frei verkäufliche Präparate eingeschlossen sind es sogar 60.000.

In Deutschland zugelassene Medikamente sind sicher. Sie müssen vor ihrer Freigabe einen langen Genehmigungsweg durchlaufen. Was nicht überprüft werden kann, ist die Wechselwirkung der unterschiedlichen Wirkstoffe. „Problematisch ist es, wenn Patienten viele Medikamente auf einmal einnehmen. Von verschiedenen Ärzten verordnet, von der Apotheke, vom Heilpraktiker, im Supermarkt um die Ecke gekauft. Doch die Wechselwirkung von Arzneien kann lebensgefährlich sein", sagt der Mediziner Hans Dieter Klimm. Fachleute sprechen von jährlich 30.000 Todesfällen durch Arzneimittelwechselwirkungen.

Wissenschaftliche Studien fehlen

Was im Körper passiert, wenn Pillen miteinander wechselwirken, ist nur spärlich erforscht. Nur für sieben Prozent der möglichen Zweierkombinationen gibt es wissenschaftliche Studien. Sobald es ganze Medikamenten-Cocktails werden, die viele Patienten mit verschiedenen Erkrankungen einnehmen müssen, gibt es fast gar keine Erfahrungswerte mehr. Fachleute schätzen, dass jedes Jahr 25.000 bis 30.000 Todesfälle durch gefährliche Arzneimittel-Wechselwirkungen verursacht werden. Für Patienten ist es kaum möglich die Gefahr durch die Wechselwirkung verschiedener Inhaltstoffe einzuschätzen. Und auch Mediziner und Apotheker können nur dann kompetent beraten, wenn Sie umfassend informiert sind, welche Arzneien der Patient oder Kunde gleichzeitig einnimmt. Sie sind auf Informationen des Patienten angewiesen. 

Minimieren Sie Ihr persönliches Risiko

Das deutsche Bundesministerium für Gesundheit hat eine Liste mit Tipps erarbeitet, die helfen  Arzneimitteleinnahme sicherer zu machen:

1. Führen Sie eine Liste aller Arzneimittel, die Sie derzeit einnehmen bzw. anwenden. Die Liste sollte den Arzneimittelnamen sowie die für Sie vorgesehene Dosierung der Medikamente einhalten. Berücksichtigen Sie dabei auch ohne Rezept gekaufte Arzneien.

2. Legen Sie die Liste bei jedem Arztbesuch vor. Für den Arzt ist es wichtig zu wissen, welche Arzneimittel Sie einnehmen, um dies bei der Therapie und der Verschreibung weiterer Medikamente zu berücksichtigen.

3. Zeigen Sie die Liste Ihrem Apotheker, wenn Sie ein Rezept einlösen oder ein nicht verschreibungspflichtiges Medikament kaufen. Der Apotheker kann Ihnen mit seinem Fachwissen helfen, schädliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

4. Halten Sie sich an die Dosierungsvorgaben. Voraussetzung für eine sichere und wirksame Therapie ist, dass die vom Arzt oder auf dem Beipackzettel vorgegebene Dosierungen einhalten. Entscheidend ist für manche Arzneimittel auch, wie sie eingenommen werden, z. B. vor, zum oder nach dem Essen mit wenig oder viel Flüssigkeit. Auf der Packungsbeilage finden Sie dazu in der Regel wichtige Informationen.

5. Achten Sie auf Nebenwirkungen. Jedes Arzneimittel kann Nebenwirkungen haben oder Beschwerden auslösen. Vor allem in Wechselwirkung mit anderen Arzneien oder bestimmten Lebensmitteln. Auch hierzu finden Sie wichtige Informationen in der Packungsbeilage. Sollten Sie Beschwerden verspüren, informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

6. Bei akuten Erkrankungen: besondere Vorsicht. Durch akute Erkrankungen, insbesondere wenn sich dadurch ihre Ess- und Trinkgewohnheiten ändern, kann eine Anpassung oder Unterbrechung der gewohnten Arzneimitteleinnahme notwendig werden. Bitte besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

7. Für medizinische Laien sind manche Beipackzettel mit ihrer Vielzahl von Fachausdrücken ein „Brief mit sieben Siegeln". Scheuen Sie sich nicht, Ihren Arzt oder Apotheker um Erläuterung von Informationen zu bitten, die Sie nicht verstanden haben. (red)

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    Wenn sich zwei Medikamente gegenseitig beeinflussen, spricht man von einer Wechselwirkung beziehungsweise Arzneimittel-Interaktion.

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