Hausdurchsuchungen am Flughafen Wien

6. Mai 2010, 20:00
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Dem von Ernest Gabmann eingesetzten Skylink-Projektleiter Norbert Steiner untersteht nun auch die Kontrolle

Wien - Die optimistische Prognose, die Flughafen-Vorstand Ernest Gabmann bei der Hauptversammlung (HV) zum Terminal Skylink abgab, erinnert Insider an Aussagen von AUA-Exchef Alfred Ötsch, als dieser die AUA als saniert bezeichnete. Gabmann sagte jüngst, "Skylink ist auf Kurs".

Der Standard ging einem weiteren anonymen Schreiben nach und wurde fündig: Beim Skylink sind seit Anfang Mai die Projektleitung und die Projektkontrolle in einer Hand. Damit kontrolliert sich der Flughafen ab sofort in Sachen Skylink selbst. Bei jedem anderen Bauvorhaben wird die Kontrolle von externen Firmen wahrgenommen, um zu verhindern, dass es zu Bevorzugungen kommt.

Am Flughafen ist Folgendes passiert: Am 26. Februar 2010 erhielt die Bietergemeinschaft Forstner/ Depisch ZT/Hydroingenieure Umwelttechnik als zweitgereihte Bieterin den Auftrag für die örtliche Bauaufsicht. Das Volumen bis zur Fertigstellung: 340 Mio. Euro.

Jetzt, nicht einmal zwei Monate später, am 21. April 2010, wurde der Vertrag "einvernehmlich" aufgelöst. Offiziell wird dazu nichts gesagt. Involvierte berichten, dass man Depisch und Co systematisch ausgehungert habe, ihnen keine Informationen gab und sich dann beschwerte, dass Leistungen nicht erbracht wurden. Gestern, Donnerstag, am 6. Mai, hat der Flughafen für die örtliche Bauaufsicht eine eigene Gesellschaft gegründet, die VIE ÖBA GmbH. Als Geschäftsführer fungiert Norbert Steiner, den Gabmann im Vorjahr zum Projektleiter für Skylink einsetzte. Damit sind die Projektleitung und Kontrolle - völlig unüblich - in einer Hand.

"Mit heiler Haut davongekommen"

Steiner zur Seite steht da wie dort Reinald Krammer. In dem an den Standard gerichteten anonymen Schreiben heißt es: "Angeblich bringt der Projektleiter jetzt seine eigene Bauleitungsfirma zum Einsatz, zusammen mit seinen Spezis." Der Standard distanziert sich ausdrücklich von diesem Vorwurf. Beide, Steiner, Krammer und Martin Erhardt, Rektor der Hochschule Pforzheim (für die Projektsteuerung bei Skylink verantwortlich) würden ein Ziel verfolgen: Einen Totalübernehmer für Skylink zu verhindern. Aus der Umgebung der Exbauaufseher heißt es nur noch: "Wir sind froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein."

Die Planung für Skylink ist nach fast einjähriger Bauunterbrechung jedenfalls noch immer nicht fertig. Das mag auch damit zu tun haben, dass die gerichtliche Beweissicherung aller Details erst im Herbst beendet sein wird und davor ein Weiterbau nur sehr eingeschränkt möglich sei.

Gestern, Donnerstag, wurde auch die Staatsanwaltschaft Korneuburg aktiv: Mediensprecher Friedrich Köhl bestätigte einen Format-Bericht, wonach Hausdurchsuchungen bei am Airport aktiven Firmen stattfanden. 60 Beamte waren im Einsatz. Die Hausdurchsuchungen sollen Aufschlüsse über die Kostenüberschreitungen geben und eine mögliche strafrechtliche Verantwortung offenlegen.

Gabmann bei der HV vergangene Woche: "Die Strategie ist voll aufgegangen, wir haben fast alle Verträge unter Dach und Fach." Doch nun zeige sich, dass etliche Gewerke, die beim Baustopp abgerechnet wurden, wieder zum Zug kommen sollen. Am Ende koste das den Flughafen das 2,5-Fache des ursprünglichen Auftrags.

Fraktionsbesprechung

Für den Klubobmann der VP NÖ, Klaus Schneeberger, haben sich die Vorwürfe gegen Gabmann jedenfalls "in Luft aufgelöst" . Gabmann habe Aufsichtsratschef Christoph Herbst alles erklärt und damit sei die Sache "erledigt" . Er habe auch nicht gemeinsam mit ÖAAB-Chef Lukas Mandl am Airport den "heiligen Krieg gegen die SPÖ" ausgerufen. Es gab eine "normale Fraktionsbesprechung des ÖAAB am Flughafen, eine 08/15-Geschichte" . An dieser nahm freilich auch Gabmann teil.

Dass der Flughafen-Vorstand in seiner jetzigen Konstellation bleibt, scheint unwahrscheinlich. Sollte es zu Veränderungen kommen, dann werde ein kompletter Neuanfang überlegt. Das hieße, dass alle drei Vorstände, Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid (beide SPÖ) und Ernest Gabmann (VP) gehen müssten. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.5.2010)

 

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