Heinzel-Gruppe kauft Europapier von Mondi

6. Mai 2010, 11:52
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Mondi verwendet Verkaufserlös für Schuldenabbau

Wien - Der internationale Papier- und Verpackungskonzern Mondi trennt sich von seiner Papierhandels-Tochter und verkauft Europapier an die Heinzel Group. Der Gesamtkaufpreis für 100 Prozent der Anteile und Schuldenübernahme beläuft sich auf 60 Mio. Euro, bestätigt der Finanzvorstand der Heinzel-Gruppe, Heinrich Georg Stahl, eine Bericht von Bloomberg. Die entsprechende Vereinbarung wurde gestern unterzeichnet.

Er geht davon aus, dass der Deal in 3 bis 4 Monaten unter Dach und Fach sein werde. Geplant sei, den Bereich Handel weiter auszubauen und den Umsatz langfristig von derzeit rund 400 Mio. Euro um weitere 5 Prozent zu steigern.

Geographische Präsenz

Die Strategie der Heinzel-Gruppe sei es, ihre Schlüsselposition im Zellstoff-, Karton- und Papierhandel in Westeuropa, Osteuropa, Nordafrika, Mittleren Osten und Asien auszubauen, so der Chef der Gruppe, Alfred Heinzel, online in einer Aussendung. Daher passe Europapier mit seiner guten Marktposition perfekt zur Gruppe. Diese Übernahme erhöhe außerdem die geografische Präsenz und stärke die Unternehmensposition in zahlreichen Ländern.

Europapier mit Sitz in Wien ist stark in Osteuropa vertreten. Betrieben werden Standorte in Bosnien Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei und Slowenien. Das abgelaufene Jahr wurde mit einem Verlust von 6,5 Mio. Euro abgeschlossen.

Der Erlös aus dem Europapier-Verkauf werde zum Abbau von Mondi-Schulden verwendet, so Mondi-CEO David Hathorn zu Bloomberg. Er bezeichnet den Verkauf als wichtigen Schritt in Richtung Konzentration auf das Kerngeschäft. Gleichzeitig könne sich Europapier als selbstständiger Händler etablieren.

Die Heinzel-Gruppe hat erst Anfang April den Verkauf von 75 Prozent des tschechischen Zellstoffwerks Biocel Paskov an den Faserhersteller Lenzing bekanntgegeben. Der endgültige Abschluss des Deals stehe unmittelbar bevor, so Stahl.

Bilanz leicht rückläufig

Zu der unter dem Dach der Heinzel Holding vereinten Heinzel Gruppe zählt mit der Wilfried Heinzel AG eines der weltweit führenden Handelshäuser für Zellstoff und Papier. Mit ihren Tochtergesellschaften Zellstoff Pöls AG, Biocel Paskov a.s. und dem assoziierten Werk AS Estonian Cell zählt die Gruppe außerdem zu den größten Herstellern von Marktzellstoff in Mittel- und Osteuropa.

Im Vorjahr setzte die Heinzel Gruppe 534,9 Mio. Euro nach 579,3 Mio. Euro um, das EBIT schrumpfte von 44,1 auf 15,3 Mio. Euro, der Jahresüberschuss sank von 35,7 auf 7,2 Mio. Euro. Die Nettoverschuldung reduzierte sich von 29,8 auf 12,3 Mio. Euro. Ende 2009 beschäftigte die Gruppe 802 Mitarbeiter.

Der südafrikanisch-britische Papierkonzern Mondi, dessen Division Europe & International von Wien aus geleitet wird, hat 2009 beim Umsatz einen Rückgang von 17 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro hinnehmen müssen. Der operative Gewinn sank um 33 Prozent auf 294 Mio. Euro, das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um 21 Prozent auf 645 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern betrug 49 Mio. Euro, nach einem Verlust vor Steuern von 103 Mio. Euro 2008. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 31.000 Mitarbeiter nach 33.400 im Jahr davor.

In Österreich hat der Mondi-Konzern kürzlich den Standort Frohnleiten an die Prinzhorn Holding des Industriellen Thomas Prinzhorn verkauft. Es gebe in Österreich keine weiteren Verkaufspläne, hieß es aus dem Mondi-Konzern damals. (APA)

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