Commerzbank-Quartal über Erwartungen

6. Mai 2010, 09:18
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Institut mit 26,5 Mrd. Euro in PIIGS-Staaten engagiert

Frankfurt - Die Commerzbank hat mir ihrem Vorsteuergewinn alle Erwartungen übertroffen. Nach gut zwei Jahren kehrte die gebeutelte Bank vor Steuern mit einem Gewinn von 771 Mio. Euro in die schwarzen Zahlen zurück. "Wir sind nicht am Ziel", räumte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt ein. Aber das Ergebnis zeige, dass die Bank auf dem richtigen Weg sei.

Eine niedrigere Risikovorsorge und ein positives Handelsergebnis im Investmentbanking hatten zu der positiven Entwicklung beigetragen. Außerdem waren die Belastungen aus der Integration der Dresdner Bank deutlich zurückgegangen. Unterm Strich verdiente die Commerzbank 708 Mio. Euro nach einem Verlust von gut 860 Mio. Euro im Vorjahr. Damit lag die Bank weit über den Erwartungen von Analysten. Die Aktie legte vorbörslich rund eineinhalb Prozent zu.

Für das Gesamtjahr soll die Commerzbank allerdings nach wie vor nur Gewinn schreiben, wenn Konjunktur und Finanzmärkte mitspielen. Das Umfeld sei weiter fragil, und Rückschläge nicht auszuschließen. Das zeige nicht zuletzt das Beispiel Griechenland, hieß es im Zwischenbericht. "Man kann ein gutes erstes Quartal nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen", warnte Finanzvorstand Eric Strutz. Spätestens 2011 will die Commerzbank im Konzern wieder einen Gewinn erwirtschaften.

Die Commerzbank ist in den im Blickpunkt der Märkte stehenden Staaten am Rand der Euro-Zone mit 26,5 Mrd. Euro engagiert. Dies teilte das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut am Donnerstag in seinem Quartalsbericht mit. Die PIIGS-Staaten - Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien - werden wegen der griechischen Schuldenkrise kritisch beäugt. Allein in Griechenland hielt die Commerzbank Ende des ersten Quartals unverändert Staatsanleihen von 3,1 Mrd. Euro. Das meiste Geld hat die Commerzbank mit 10,7 Mrd. Euro in Italien investiert, gefolgt von Spanien mit 9,8 Mrd. Euro.

Geringes Risiko

Doch die Commerzbank bewertet die Risiken daraus gering: Es sei derzeit nicht davon auszugehen, dass es zu Ausfällen von Ländern der OECD kommen werde. Daher dürfte es auch "keine nennenswerte Belastung" durch Risikovorsorge geben, teilte das Institut mit. Die teilverstaatlichte Bank will ihr Geschäft mit Staatsfinanzierungen (Public-Finance-Portfolio) bis Ende 2011 auf 100 Mrd. Euro zurückfahren, in diesem Jahr wurde es bisher nur um 4 Mrd. auf 125 Mrd. Euro abgebaut.

Im Vergleich zu ihren Konkurrenten ist das PIIGS-Engagement der Commerzbank hoch. Die Postbank hatte erklärt, in den genannten Ländern mit 7,6 Mrd. Euro investiert zu sein.

"Insgesamt ist das erste Quartal 2010 besser gelaufen als ursprünglich angenommen", sagte Finanzvorstand Strutz. Die Kernsegmente der Commerzbank Privatkunden, Mittelstandsbank, das Osteuropageschäft sowie das Investmentbanking lieferten operativ ein positives Ergebnis ab. Auch das Ergebnis der Problembereiche Asset Based Finance (ABF), in dem Immobilien- und Schiffsfinanzierung gefasst sind, sowie die Portfolio Restructuring Unit (PRU) fiel besser aus. Die Integration der Dresdner Bank verlaufe nach Plan.

Für faule Kredite legte die Commerzbank nur noch 644 Mio. Euro zurück - rund 200 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Darin spiegele sich auch die verbesserte wirtschaftliche Situation vieler Commerzbank-Kunden wieder, hieß es Der Zinsüberschuss stieg gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent auf knapp 1,9 Mrd. Euro, auch der Provisionsüberschuss legte angesichts der steigenden Zahl von Wertpapiergeschäften zu. Das Handelsergebnis belief sich auf 850 Mio. Euro (Vorjahresquartal -527 Mio Euro). Die Kapitalquote (Tier 1) belief sich Ende März auf 10,8 Prozent. (APA/Reuters)

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