Barroso spielt Kim Il-sung

5. Mai 2010, 19:16
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Die EU geht infolge des griechischen Finanzdebakels durch den wohl gefährlichsten Bestandstest ihres Bestehens

Die Europäische Union geht infolge des griechischen Finanzdebakels durch den wohl gefährlichsten Bestandstest ihres Bestehens. Die Totalblockade der Franzosen mit der "Politik des leeren Stuhls" in den 1960er-Jahren; Milchseen, Fleischberge, die Verweigerung von Maggie Thatcher ("I want my money back") in den 1980ern; der Zerfall von DDR, Warschauer Pakt und Sowjetunion samt Eingliederung des vereinigten Deutschland in EU und Nato - all das erscheint wie Peanuts im Vergleich zum Abgrund, vor dem Europa steht. In einer solchen Lage sollten politische Führungsgestalten im wahrsten Sinne des Wortes Haltung zeigen, Orientierung geben, die Richtung weisen. Sollte man glauben. So wie das Giorgos Papandreou in Athen oder Angela Merkel in Berlin tun.

An der Spitze der EU-Kommission scheint man anderer Meinung zu sein. Präsident José Manuel Barroso glänzt in Brüssel seit einer Woche durch öffentliche Absenz. Gefragt, was der Präsident zur Euro-Krise beitrage, verkündete ein Sprecher der Weltpresse: "Er ist sehr aktiv, er ist in Kontakt mit führenden Politikern, er ist voll eingebunden in die Analyse der Lage, er war nicht still, sondern hat (am Samstag) ein Statement abgegeben, er ist sehr präsent, wenn vielleicht auch nicht sichtbar." Beruhigend. Die Kommission spielt Nordkorea, und Barroso verkörpert den seligen Diktator Kim Il-sung und dessen Sohn Kim Jong-il. Fehlen nur die tausenden Tänzerinnen zur Ablenkung. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2010)

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