Nahost-Friedensprozess

Gefährliche Ferngespräche

5. Mai 2010, 19:04

Scheitern dient oft als Rechtfertigung für andere Mittel

Haben sie nun am Mittwoch begonnen, die "indirekten Gespräche" zwischen Israelis und Palästinensern, oder nicht? Nicht einmal dazu gibt es eine gemeinsame Position der beiden Parteien: Nach israelischer Auffassung ist bereits der aktuelle Besuch des US-Nahostbeauftragten George Mitchell in Jerusalem im Rahmen dieses neuen institutionalisierten Verhandlungsformats zu sehen. Die Palästinenser hingegen, die Mitchell am Freitag in Ramallah erwarten, reihen dessen derzeitige Postillon-Tätigkeit formal noch unter Vorbereitungen - ein offizieller PLO-Beschluss steht ja noch aus, auch wenn jeder weiß, dass er kommt.

Und die USA sagen gar nichts zu diesem Thema. Die Unsicherheit über diese Formalismen nährt den unguten Verdacht, dass das Format der "proximity talks" - Annäherungsgespräche, die in Wahrheit Ferngespräche sind - trotz monatelanger Vorbereitungen nicht sehr ausgereift ist. Es könnte sein, dass für die bisher in Nahost so eklatant erfolglose US-Regierung der Weg das Ziel geworden ist.

Denn darüber, welche Themen überhaupt und zu welchem Zeitpunkt sie behandelt werden sollen, dürfte es keinerlei Einigung geben - und das bei einem Zeitrahmen von nur vier Monaten sowie dem historischen Wissen, dass ergebnislose Gespräche genauso gefährlich sein können wie gar keine Gespräche. Denn Scheitern dient oft als Rechtfertigung für andere Mittel. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2010)

 

 

Tower Hill
02
Werte Frau Harrer, das wird wieder nix!

Die beiden Parteien können sich noch nicht einmal auf die Anfangspunkte für Ihre "Gespräche" einigen.

Palästinenser: Grenzen
Israel: Sicherheit, Wasser

Was wir hier sehen, ist ein Ausdruck der amerikanischen Hilflosigkeit: was soll die ganze Pendeldiplomatie, wenn ein Griff zum Telephon (zum Regionaltarif) die einfachste Lösung wäre?

Karl Heiden
02

Hauptsache, die "schreibende Zunft" hat eine Beschäftigung: ad infinitum ...

Georg Schütt
15
Leider leider hat Frau Harrer recht. Wie so oft.

Wer wissen will, warum im Nahen Osten kaum vorangeht, der muss nur hier mal die entsprechenden Threads lesen: Unversöhnlich stehen sich zwei Lager gegenüber, es gibt kaum versöhnliche oder vermittelnde Positionen. Über Jahre werden von denselben Personen dieselben Argumente ausgetauscht, dieselben Schuldvorwürfe erhoben, dieselben Entschuldigungen und Relativierungen vorgebracht, die eigene Schuld an der Misere geleugnet oder gerechtfertigt.

Trotz, Ignoranz und eine Jetzt-erst-recht!-Mentalität. Es ödet mich an.

philidor85
01

dass die debatten hier keinen konstruktiven charakter haben, ist glaube ich, für jeden offensichtlich
wenn inhaltliche auffassungen soweit auseinandergehen, liegt es leider in der menschlichen natur widerlich zu werden

wir befinden uns hier auf einer ebene wo man versucht den "feind" zu diskreditieren und abzuwerten um seine aussagen zu negieren

natürlich ist das anödend und die einzige motivation sich das dauerhaft zu geben liegt in der "mission" die sich der jeweilige poster selbst auferlegt hat

also der propaganda für einen staat bzw. eine sache ist mit der man sich identifiziert

was den menschen aus einem solchen sumpf ziehen kann ist allein die vernunft

und um die zu aktivieren, müssen die rahmenbedingungen dafür geschaffen werden

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.