BP: Ölaustritt könnte sich verzehnfachen

5. Mai 2010, 18:55
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BP-Manager warnte Mitglieder des Kongresses in einer geheimen Sitzung - BP ist nach Gesetz nur zu Schadenszahlungen über 75 Millionen Dollar verpflichtet

Washington - Bereits 2009 gab es schlechte Nachrichten für die Manager des Ölplattformherstellers Transocean: Ihnen wurden die Boni gestrichen, weil auf den Plattformen der Firma bei Unfällen vier Menschen ums Leben kamen. Die gestrichenen Belohnungen sollten als Anreiz dienen, für mehr Sicherheit zu sorgen.

Genutzt hat die Maßnahme nichts: Am 22. April sank die von BP geleaste Plattform "Deepwater Horizon" nach einer Explosion im Golf von Mexiko vor der Küste des US-Bundestaats Louisiana. Elf Menschen starben, seither strömen täglich etwa 700 Tonnen Öl ins Meer. Jetzt befürchtet BP, dass es noch mehr werden könnte. Laut New York Times warnte ein BP-Manager Mitglieder des Kongresses in einer geheimen Sitzung am Dienstag, dass sich diese Menge verzehnfachen könnte.

Kleinstes Bohrloch abgedichtet

Am Mittwoch gelang es BP, das erste von drei offenen Bohrlöchern zu schließen. Da es das kleinste der Lecks war, wird es wenig Auswirkung haben auf die Menge des austretenden Öls, gab ein Sprecher bekannt. Die beiden anderen Lecks sollen mit einer riesigen Stahlkuppel abgedeckt werden. Die 64 Tonnen schwere Konstruktion soll über dem Bohrloch in 1500 Meter Tiefe platziert werden, das austretende Öl soll dann aus der Kuppel abgepumpt werden.

Stahlkuppel wird am Meeresgrund montiert

Am Mittwoch schickte BP die Konstruktion zur Unfallstelle, sechs Tage wird es nun dauern, bis die Kuppel am Meeresgrund montiert ist. Strömungen erschweren die Arbeit, noch nie wurde eine solche Kuppel in dieser Tiefe abgesetzt. Gleichzeitig versucht BP, ein zweites Loch neben der Quelle zu bohren. Durch dieses könnte dann ein Mittel eingespritzt werden, das die Lecks dauerhaft verschließt. Diese Arbeiten können noch bis zu drei Monate dauern.

Der Ölteppich ist derzeit etwa 200 Kilometer lang und 100 Kilometer breit. Ablandiger Wind verhinderte am Mittwoch vorläufig, dass er sich weiter der Küste von Louisiana näherte. Tausende Helfer legten von 200 Booten aus Ölsperren ins Meer, um die Ausbreitung des Teppichs zu verlangsamen.

Imagerettung beginnt

BP ist unterdessen bemüht, sein Image zu retten. Ein BP-Sprecher gab bekannt, dass die Firma 25 Millionen Dollar bereitstellen wird für jene vier Bundesstaaten, die von der Katastrophe am schlimmsten betroffen sein werden. Außerdem sollen in den betroffenen Staaten Werbekampagnen gestartet werden. 2009 hatte BP 16 Millionen Dollar für Lobbying in Washington ausgegeben - dreimal so viel wie noch 2006.

BP nach Gesetz nur zu Schadenszahlungen verpflichtet

Unklar ist nach wie vor, wer die Kosten übernehmen wird, die die Katastrophe verursacht. Nicht nur die Aufräum- und Eindämmungsarbeiten müssen bezahlt werden, auch die Fisch- und Tourismusindustrie fürchtet massive Verluste. BP hat zwar seine Verantwortung für die Beseitigung der Schäden betont - derzeit kann die Firma per Gesetz aber nur zu Schadenszahlungen über 75 Millionen Dollar verpflichtet werden. Diese Summe soll nun auf zehn Milliarden Dollar angehoben werden.

Zwölf Staaten haben den USA bereits Hilfe im Kampf gegen das Öl angeboten, darunter auch der Iran. Das Land will sein Know-how über Ölbohrungen zur Verfügung stellen. (Reuters, dpa, red, DER STANDARD Printausgabe 6.5.2010)

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    Tausende Helfer bauen an Ölsperren, um die Ausbreitung des Teppichs zu verlangsamen

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    Diese 64 Tonnen schwere Betonkonstruktion schickte BP am Mittwoch zur gesunkenen Ölplattform. Sie soll in 1500 Meter Tiefe über das Bohrloch gestülpt werden und das Öl auffangen

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